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Kinderarmut in Deutschland .docx

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Faculty
Social Science
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Social Pedagogy
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Kinderarmut in Deutschland

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung.....................2
  2. Theoretische und konzeptionelle Grundlagen – zum Armutsbegriff...3
  3. Armutsentwicklung und Armutsverteilung in Deutschland..........6
  4. Kinderarmut.................8

4.1. Situation in der Bundesrepublik Deutschland............8

4.2. Ursachen der Kinderarmut in Deutschland.........10

4.3. Folgen von Kinderarmut.............12

  1. Bekämpfung der Kinderarmut...........15

5.1. Anforderungen an die Politik............15

5.2. Anforderungen an die Soziale Arbeit............17

  1. Fazit.....................19
  2. Literaturverzeichnis...............22

 

1. Einleitung

Kinderarmut ist ein gesellschaftliches Problem, das es in der Bundesrepublik Deutschland schon länger gibt, auch wenn es erst in den letzten Jahren verstärkt Gegenstand des öffentlichen Diskurses geworden ist.

Während Armut allgemein sich im Zuge der „neuen Armut“[1] in den achtziger Jahren als zunehmende soziale Spannung zwischen Erwerbstätigen und Erwerbslosen herauskristallisierte, spricht man mittlerweile sogar von einer „Infantilisierung der Armut“[2], da die ärmsten unserer Gesellschaft immer jünger werden.

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Ulrich Schneider, die Situation und verwies somit auf einen dringenden politischen Handlungsbedarf.

1,7 Millionen Kinder, das heißt 14,2 Prozent aller in Deutschland lebenden Kinder, also jedes siebte Kind, lebt Studien zufolge derzeit in Armut.[4] Da gerade Kinderarmut ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, bedarf es allerdings nicht allein politischer Maßnahmen und sozialstaatlicher Auffangsysteme.

Auch die Soziale Arbeit steht mit dem Ansteigen der Kinderarmut vor neuen Aufgaben und Herausforderungen, die es in Zukunft zu bewältigen gilt.

Diese Arbeit soll sich zunächst mit gängigen Armutsdefinitionen auseinandersetzen, um dann operationalisierend „relative Armut“ als konzeptionelle Grundlage zu nutzen.

Des Weiteren soll aufgezeigt werden, wie sich Armut in den letzten Jahren entwickelt hat und wie Armut verteilt ist, das heißt, welche Bevölkerungsgruppen am häufigsten betroffen sind. Diesbezüglich gilt es, sich in besonderem Maße mit Kinderarmut, das heißt mit der Entwicklung der letzten Jahre, der derzeitigen Situation und den Zukunftsaussichten auseinanderzusetzen, und auf Grundlage der Folgen, die sich für Kinder ergeben, deren Eltern unterhalb der Armutsgrenze leben, die Arbeitsthese zu bestätigen, dass Kinderarmut ein gesamtgesellschaftliches Problem ist.

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2. Theoretische und konzeptionelle Grundlagen – zum Armutsbegriff

Die Differenzierung von Armut ist sehr unterschiedlich. Im Volksmund versteht man unter Armut meistens das Massenelend der Dritten Welt oder aber die des Mittelalters (Hungersnot, Obdachlose, Bettler, die Pest). Diese Form der Armut wird allerdings als „absolute Armut“ bezeichnet: Es mangelt den Menschen an lebensnotwendiger Nahrung, Kleidung, Unterkunft oder Gesundheitsfürsorge und ihre psychische Existenz ist unmittelbar bedroht.

Sie tritt vor allem in Ländern auf, in denen soziale Sicherungssysteme nur unzureichend oder gar nicht vorhanden sind, wie in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Deutschland hingegen ist ein reiches Land und gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Dem großen Teil der Menschen, die hier leben, geht es gut und sie haben weitgehende Teilhabe- und Verwirklichungschancen. Die hier lebenden Menschen sind grundsätzlich durch soziale Sicherungssysteme vor absoluter Armut geschützt.

Ausnahmen sind etwa Wohnungslose (in der BRD ungefähr 330.000 Menschen) oder Suchtkranke, die aus unterschiedlichen Gründen durch die Sicherungssysteme nicht immer erreicht werden und die daher auch von absoluter Armut betroffen sein können.[5] Während noch Mitte der 70er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland als „wirklich arm“ zumeist alte Frauen, Kranke und Behinderte galten, so muss heute unter Armut nicht nur Geldmangel, sondern auch der Mangel an materieller Unabhängigkeit und Freiheit, sowie die Unmöglichkeit über sein eigenes Schicksal entscheiden zu können verstanden werden.

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Diese Betrachtung zeigt, dass Armut und soziale Ausgrenzung kein Randphänomen darstellen, sondern Armutsrisiken durchaus die Mitte der Gesellschaft bedrohen können.[6]

Walter Hanesch fasst Armut, verstanden als relative Armut, als auf einen mittleren Lebensstandard bezogene Benachteiligung auf, also als

„eine extreme Ausprägung sozial-ökonomischer Ungleichheit, bei der der Lebensstandard der Armen im Verhältnis zum durchschnittlichen Lebensstandard einer Gesellschaft betrachtet wird“[7].

Sie bezeichnet „den Anteil der Personen in Haushalten, deren 'bedarfsgewichtetes Nettoäquivalenzeinkommen' weniger als 60% des Mittelwerts (Median) aller Personen beträgt"[8].

Das Nettoäquivalenzeinkommen wird als gewichtetes Pro-Kopf-Einkommen ermittelt, in dem das Bruttoeinkommen aus unselbstständiger Arbeit und selbstständiger Tätigkeit (sowie aus Vermögen, aus Wohneigentum und aus laufenden Transfers) durch die Summe der bedarfsgewichteten Haushaltsmitglieder geteilt wird.

Hierzu wurde eine Skala der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erstellt, um einen internationalen Vergleich zu ermöglichen. Nach dieser OECD-Skala wird das jeweilige Haushaltsnettoeinkommen nicht durch Anzahl der Haushaltsmitglieder, sondern durch die Summe der Äquivalenzfaktoren dividiert, die den Haushaltsmitgliedern zugewiesen werden.[9] Dabei erhält der Haupteinkommensbezieher den Gewichtungsfaktor 1,0. Alle übrigen Haushaltsmitglieder von 14 Jahren und älter erhalten den Gewichtungsfaktor 0,5 und Personen unter 14 Jahren den Gewichtungsfaktor 0,3. Bei einer Familie mit 2 Kindern unter 14 Jahren würde das Haushaltseinkommen damit beispielsweise nicht durch 4 – wie bei einer gleichwertigen Pro-Kopf-Gewichtung – sondern durch 2,1 geteilt.[10]

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Das bedeutet, alle Familien in Deutschland, deren monatliches Nettoäquivalenzeinkommen 938 Euro unterschreitet, verdienen weniger als 60 % des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens und befinden sich somit unterhalb der Armutsgrenze, was bedeutet, dass sie somit rein rechnerisch von relativer Armut betroffen sind.

Die Armutsrisikogrenze von monatlichen 938 Euro darf allerdings nur als Richtwert verstanden werden, da aufgrund der Abhängigkeit vom durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommen der Gesamtbevölkerung dieser sich ständig ändern kann.

Nach Zahlen aus dem „Zweiten Armuts- und Reichtumsbericht“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (2005) galten im Jahr 2003 13,5 % der Gesamtbevölkerung als in relativer Armut lebend. 2002 waren es nach diesen Angaben 13,1 %, 1998 sogar „nur“ 12,1 %.

Zusätzlich zur Armutsgefährdungsgrenze in Höhe von 60 % des Median-Äquivalenzeinkommens werden Armutsschwellenwerte zur Abgrenzung einer „strengen Armut“ (40 %-Schwelle), des arithmetischen Mittels der Einkommen in der gesamten Bevölkerung (50 %-Schwelle) sowie zur Abgrenzung des so genannten „prekären Wohlstandes“ (75 %-Schwelle) bereitgestellt, der mit Einschränkungen in zentralen Lebensbereichen sowie einer Armutsgefährdung in sozialen Risikosituationen einhergeht.

Dieser Definition zufolge leben Personen mit höherem Einkommen in materiellem Wohlstand.[12]


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