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Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund .doc

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Faculty
Social Science
Discipline
Psychology
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University, School
Bayreuth
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Verfasst von: Narin Barin
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Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund

Hinführung zum Thema

Wie viele westeuropäischen Länder ist auch Deutschland ein Einwanderungsland. Wenn man eine Schulklasse in Deutschland betritt, kann man diese Tatsache sehr leicht erkennen. Denn dann blicken einem nicht nur deutsche SchülerInnen, sondern auch Jungen und Mädchen anderer Nationalität oder ethnischer Zughörigkeit entgegen (Marburger:Schule und multiethnische Schülerschaft.S.1).

Der Anteil nichtdeutscher SchülerInnen in bundesdeutschen allgemeinbildenden Schulen beträgt rund neun Prozent, was wiederum bedeutet, dass statistisch gesehen etwa jedes elfte Schulkind einen ausländischen Pass hat (Marburger;S.1.).

Im Kontext allgemeiner Jugendforschung werden Migrantenjugendliche symptomatisch ausgeblendet. In der Forschung und der Theoriebildung orientiert man sich selbstverständlich, ohne es auch nur ansatzweise zu thematisieren, geschweige denn zu problematisieren, an Jugendlichen „deutscher“ Herkunft als dem „Normalfall“ von Jugend in Deutschland – dies, obwohl der Anteil von Jugendlichen mit ausländischem Pass bei rund 15% liegt; nicht mitgezählt sind dabei Migrantenjugendliche mit deutscher Staatsbürgerschaft (Marburger/Attia 2000, S.1).

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Es ist natürlich unbestritten, dass Jugendliche - egal welcher Herkunft – Probleme haben und anderen auch Probleme machen. Sichtweisen wie Fragestellungen und Erklärungsansätze sind jedoch oft einseitig und reizen zum Widerspruch. „Insbesondere die von vornherein auf individuelle wie kollektive Defizite fokussierenden Ansätze verstellen einen unvoreingenommenen Blick auf diesen Anteil von Jugend in Deutschland, seine Lebensrealität und Lebensstile – Gemeinsamkeiten, Parallelen, Differenzierungen und deren jeweilige soziale Begründungszusammenhänge im Vergleich zu anderen jugendlichen Mitgliedern dieser Gesellschaft“ (MARBURGER/ATTIA:S.1).

Bisherige Forschungslage zur Identität von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Die Befindlichkeit von Kindern und Jugendlichen wurde in der deutschsprachigen Migrationsforschung, d.h. ihre persönliche und soziale Identität, vielfach als „krisenhaft“, „belastet“ und „gespalten“ dargestellt.

Da Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in zwei unterschiedlichen Kulturen aufwachsen, würden sie zu erheblichen psychischen Störungen neigen. Diese Störungen äußerten sich in ihrer Persönlichkeit sowie ihr Ungenügen, den Anforderungen beider Gesellschaften gerecht zu werden. „Insbesondere für die Jugendlichen aus den ethnischen Minderheitenkulturen entstehen immer wieder schwierige, manchmal unlösbare Situationen eines Konflikts zwischen widersprüchlichen Norm- und Wertorientierungen, die aus der Ethnie, d.h. der Minderheitenkultur einerseits und der umgebenden Kultur der Majoritätsgesellschaft an sie gestellt werden [...]“ (Nieke 1991, S.17).

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So wird in den wissenschaftlichen Publikationen ein ziemlich einheitliches Bild von Jugendlichen gezeichnet. Jedoch scheint es keinen bzw. kaum einen Bedarf zu geben, die Fragen zu diskutieren, inwieweit der vorausgesetzte Krisenbegriff der Lebensrealität Jugendlicher mit Migrationshintergrund entspricht. „Begriffe wie „Identitätskrise“ bzw. „gespaltene Identität“ erhalten ihre spezifische, kontextuell geprägte Bedeutung ausschließlich auf der Grundlage eines Konzepts von Identität selbst, welches scheinbar als gegeben angenommen wird“ (Marburger/ Attia 2000, S.13).

Viele Forscher gehen davon aus, dass eine Identitätsentwicklung nur dann möglich sei, wenn die Wahrnehmung der eigenen Person durch sich selbst und durch andere miteinander identisch seien. Das bedeutet also, dass die Identitätsbildung ein Prozess sei, welche auf einer steten, vergleichenden und damit auch wertenden Wahrnehmung beruhe; der Wahrnehmung des „Sich-selbst-Gleichens“ und der eigenen Gleichheit in der Wahrnehmung des Umfelds (Marburger/ Attika 2000, S.13.).

Identität entwickle sich durch zwei gleichzeitige Beobachtungen: der unmittelbaren Wahrnehmung der eigenen Gleichheit und Kontinuität in der Zeit, und der damit verbundenen Wahrnehmung, dass auch andere diese Gleichheit und Kontinuität erkennen“ (Erikson 1973, S. 18).

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Dies äußere sich vor allem in Form einer Zersplitterung des Selbstbildes oder einem Gefühl von Verwirrung. Diese seien dann Symptome einer „Identitätsdiffusion“ (Erikson 1973). Ein anderer Forscher Namens Marcia hat versucht Eriksons Konzept empirisch nachzuweisen, wobei er sich dazu veranlasst sah, eine Differenzierung zu machen.

Marcia vertritt die These, dass die Identitätsdiffusion nicht zwangsläufig als psychopathologisch einzustufen sei. Untermauert wird die These mit der Begründung, dass immer weniger Jugendliche mit den traditionellen Werten ihrer Eltern lebten.

Der heranwachsende Mensch erlebe unablässig Unklarheiten, Unentschlossenheiten sowie Unverbindlichkeiten gegenüber den gesellschaftlichen Werten und Normen sowie gegenüber seiner eigenen Person“ (Marcia 1989).

Obwohl das Erikson´sche Konzept kritisiert wurde, wird in der deutschsprachigen Migrationsforschung versucht, die Situation türkischstämmiger Migrantenjugendliche anhand dieses Konzepts oder anhand vergleichbarer Konzepte zu plausibilisieren (Marburger/ Attika 2000). Gemeinsamkeiten der Konzepte ergeben sich aus der Annahme, dass Identität auf eine konstanten Wahrnehmung von Gleichheit beruhe. „Demgegenüber sei die Wahrnehmung von Ungleichheit bzw.

Unvereinbarkeit zweier kollidierender Werte

die Ursache für Loyalitätskonflikte bzw. Identitätskrisen von Migranten im interkulturellen Umfeld“ (Marburger/ Attison 2000, S.14).

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Die kulturelle und soziale Identität als Segregation und Differenz

„Die individuelle und kulturelle Identität findet in einem geordneten Gefüge von Ausdrucks- und Wahrnehmungs-, von Denk- und Handlungsformen, von Formen des Fühlens und des Wollens ihre primitiven Wurzeln“ (vgl.

Akenda 2004, S.129.). Diese verschiedenen Muster werden zum Muster in unserem Leben und stellen eine Orientierung für uns dar. Diese können bei unserer Identitätsbildung nur dann von Bedeutung sein, wenn sie unser Leben prägen und wir diese durch Aneignung als unsere eigene Lebensform verinnerlichen.

Diese Verinnerlichung zeigt, dass unsere Identität nicht etwas ist, das man sich zulegen bzw. ablegen kann. „Sie ist die Form unseres Selbst, ohne die wir kein Selbst wären“ (vgl. Akenda 2004, S.129.).

Jemand erscheint uns fremd, wenn die elementare Gemeinschaft fehlt, die uns durch eine gemeinsame kulturelle Wahrnehmungswelt geschafft und erhalten wird. Diese Fremdheit erscheint uns in den unterschiedlichsten Formen – in der anderen Kleidung, dem anderen Aussehen, der Mimik, der Sprache, der anderen Farbe, den anderen Bräuchen, der anderen Ausdrucksweise und endet mit der anderen Weise zu denken und zu fühlen (vgl. Akenda 2004, S.136.). „In unserem Verhältnis zum Fremden geht es um ein teilweises Missverständnis, das teilweise von unserer unmittelbaren Ablehnung des Fremden bedingt ist, der unser Symbolsystem einigermaßen stört und uns dadurch zu bestimmten Reaktionen zwingt“ (vgl.

Akenda 2004, S.136.).


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