KATASTROPHEN:
KURZ- VS.
LANGFRISTIG
Katastrophen:
kurz- vs. langfristig
Katastrophen sind
entscheidende, folgenschwere Unglücksereignisse, die von einem persönlichen
Notfall bis zu einer großflächigen Zerstörung von Leben, Infrastruktur und
Hilfsmöglichkeiten eines ganzen Lebensraumes bzw. bis zum Untergang ganzer
Gesellschaften reichen. Trotzdem ist Katastrophe nicht gleich Katastrophe.
Menschliches
Handeln und menschliche Interaktionen führen zu Veränderungen in seinem
Lebensraum. Was uns kurzfristig nützt, kann uns langfristig auf den Kopf
fallen. Umgekehrt können langfristige Vorteile mit kurzfristigen Nachteilen
verbunden sein. Um diese Typologie aufzuzeigen, möchte ich folgende Beispiele
anführen.
1) Kategorie:
Katastrophen im Sinne von kurzfristigem Nutzen, aber langfristigem Schaden
Was sagte der
Bewohner der Osterinsel, der gerade dabei war, die letzte Palme zu fällen und
so den Untergang seines Volkes heraufbeschwor? Sagte er: Wir brauchen keine
Bäume, sondern mehr Arbeitsplätze!? Oder sagte er: Die Technik wird unsere
Probleme schon lösen, wir finden Ersatz für das Holz? Oder vielleicht: Wir
haben keinen Beweis, dass es nicht an anderen Stellen auf der Osterinsel noch
Palmen gibt, wir brauchen mehr Forschung, der Vorschlag, das Abholzen zu
verbieten ist voreilig und reine Angstmacherei.?
Nun, was war
geschehen...
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sich jetzt eine klassische Tropeninsel mit einer reichen Flora und Fauna
vorstellt, wird enttäuscht sein, wenn er Bilder von der Osterinsel zu Gesicht
bekommt. Es ist eine karge Landschaft, in der die Einöde nur durch eine schier
unzählbare Anzahl von Steinmännchen aufgelockert wird.
Genau diese Männchen,
die jedermann bekannt sind, waren auch die Ursache für die Zerstörung dieses
ehemaligen Paradieses.
Die von mehreren
Stämmen im fünften Jahrhundert nach Christus besiedelte Insel zeigte einen
rasanten kulturellen Aufstieg. Dies manifestierte sich schon relativ rasch mit
dem Bau von Zisternen, Wachtürmen und der Nutzung der Felder für die
Landwirtschaft. Am Höhepunkt ihrer Entwicklung begann man mit der Herstellung
der weltweit berühmten riesigen Steinstatuen. Dazu meißelten sie am Hang des
größten Vulkanes der Insel Gesicht und Hände der Skulptur heraus. Sobald jedes
Detail vollendet war, wurde die Statue auf dem Hang aufgerichtet und mit Hilfe
einer für diese Region typischen Holzkonstruktion in Schaukelstuhlmanier
mehrere Kilometer an die Küste transportiert. Dort wurden die Skulpturen
schlussendlich mit dem Blick ins Landesinnere aufgestellt. Bis heute ist ihre
Funktion nicht restlos aufgeklärt.
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angewiesen waren, ist durch die radikale Abholzung und die damit verbundene
Bodenerosion langfristig geschädigt worden. Um an Nahrung zu kommen, verlegten
sie sich anschließend auf die Jagd, was zu einer drastischen Abnahme der
Seevögel auf der Insel führte. Dies führte sogar dazu, dass sie Ende des 17.
Jahrhunderts dem Kannibalismus verfielen und letztlich einen Großteil ihrer
mühevoll errichteten Statuen zerstörten. Als dann im 18. Jahrhundert Europäer
auf der Insel landeten, war von der ehemaligen kulturellen Blüte nichts mehr
übrig, da die Überlebenden der Inselbevölkerung wieder in der Kulturstufe der
Steinzeit angelangt waren.
Aber man muss
nicht unbedingt in die Ferne schweifen, um ähnlich fatale Langzeitschäden
ausmachen zu können.
Die minoische
Kultur auf Kreta war die früheste Hochkultur in ganz Europa. Auch hier
verschwand die Kultur ebenso spurlos wie auf den Osterinseln. Seit über einem
Jahrhundert wird hier über die Gründe spekuliert. Jahrelang hielt sich die
Theorie, dass ein Vulkanausbruch auf der Insel Santorin für die Zerstörungen
der Palastkultur unmittelbar verantwortlich war.
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Klimatische
Veränderungen bringen automatisch langfristige Einschnitte in die
Lebensbedingungen mit sich. Ein klassisches Beispiel ist die Anasazi-Kultur der
Pueblo Indianer in New Mexico. Durch eine mehrere Jahre andauernde Dürre wurde
fruchtbares Ackerland mit einem Schlag unbrauchbar. Verstärkt durch eine
Überpopulation wurden so nach und nach Siedlungen aufgegeben, bis die Anasazi
ihre Heimat verließen und sich mit anderen Stämmen verbrüderten.
Ein ähnliches
Schicksal traf auch die Mayas. Als sie all ihre Wälder abgeholzt hatten,
versiegten ihre Trinkwasserreserven und dadurch waren sie der Dürre hilflos
ausgeliefert. Die starke Überbevölkerung verschlimmerte diese Notlage. Dies leitete
einen radikalen Verfall dieser Kultur ein, sodass die Spanier, unabhängig von
der Tatsache, dass sie neue Krankheiten und bessere Waffen mitbrachten,
leichtes Spiel mit ihnen hatten.
2) Kategorie:
Grönland für die einen Fluch, für die anderen Segen
Ein Sonderfall in
dieser Auflistung bildet Grönland. Grönland ist die größte Insel der Erde und
hat ein polares bzw. subpolares Klima. Doch dies war nicht immer so. Wie jetzt
aktuelle wissenschaftliche Messungen ergaben, hatte Grönland nicht immer eine
kalte, lebensfeindliche Landschaft zu bieten.
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Fast 500 Jahre
trotzten sie hier den widrigen Umweltbedingungen, bis sie schließlich auf Grund
von Überweidung, Auseinandersetzungen mit den Inuit und dem Einsetzen der
kleinen Eiszeit das Land wieder aufgeben mussten. Offensichtlich haben auch
hier die Menschen versagt. Aber nicht alle. Wenden wir uns den Inuit zu, die
schon vor den Wikingern große Teile der Insel bevölkert hatten und auch heute
noch auf Grönland leben. Warum konnten sie hier weiterleben und die Wikinger
nicht?
Das Leben der
Inuit war immer schon stark von der kargen Umwelt geprägt, die eine
landwirtschaftliche Bebauung von Feldern unmöglich macht. Daher drehte sich die
ganze Kultur der Inuit um das Jagen und Fallen stellen. Um hierbei erfolgreich
zu sein, brauchte man aber nicht nur das passende Jagdwerkzeug, sondern man
musste sich auch an die äußeren Gegebenheiten anpassen und die Zusammenarbeit
pflegen, um das Überleben zu sichern.
Dies taten die
Wikinger nicht, sie unterschieden sich auch dahingehend von den Inuit, indem
sie rücksichtslos alles Holz rodeten, um an Brennmaterial zu kommen. Um
mittelfristig weiter heizen zu können, wurde Torf gestochen, was den
angegriffenen Boden weiter zu schaffen machte und die Erosion förderte. So
schädigten die Wikinger sich selbst, indem sie gleichzeitig ihr kostbares
Ackerland vernichteten.
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