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Kafka und die Psychoanalyse .docx

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Faculty
Human Science
Discipline
German
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Paper
University, School
EM-Gymnasium
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2012
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KAFKA UND DIE PSYCHOANALYSE

-       Kafkas Interesse für die Schuldproblematik epochentypisch für die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts

-       Schuld entsteht durch Verstoß bestimmter Normen

-       Schuldgefühl setzt somit voraus, dass der Einzelne diese Normen akzeptiert und annimmt

è Schuld: Grenze zwischen Gesellschaftswissenschaft und Psychologie

-       Tiefenpsychologie versucht wissenschaftlich die Mechanismen der zwischenmenschlichen Konflikte und der daraus resultierenden Konflikte im einzelnen Menschen zu ergründen

-       Sigmund Freud (1856-1939) sucht nach besseren Therapieverfahren für psychisch leidende Menschen

è Psychoanalyse

-       Theorie: Alles menschliche Handeln ist begründet (determiniert).

Es gibt keine unbeabsichtigte Handlung

-       Aber: Gründe für sein Handeln sind dem Menschen selbst oft nicht bewusst

Da: Bewusstsein macht nur geringen Teil des Inneren aus,

Unterbewusstsein viel größerer Bereich à nur mittels Umwege erfahrbar

-       Gesamtheit der Persönlichkeit – das „Ich“ – bildet sich aus drei Bereichen:

dem „Über-Ich“, dem „Es“ und dem „Ich“ à liegen überwiegend im Unterbewusstsein (FOLIE)

-       „Es“: eigene Instinkte, Triebe (Nahrungstrieb, Sexualtrieb, Todestrieb), Bedürfnisse (Geltungsbedürfnis, Akzeptanzbedürfnis), Wünsche, Affekte (Neid, Hass, Vertrauen, Liebe) Verhaltensnormen, die im Laufe der Sozialisation erworben wurden, die überwiegend von der Gesellschaft gegeben sind

-       Handelt nach dem Lustprinzip und strebt nach unmittelbarer Befriedigung

-       Triebregungen des Es prägen und strukturieren das menschliche Handeln unbewusst

-       Psychisch zuerst entstandene, teilweise auch angeborene Instanz der Seele

-       Neu geborener Mensch à Triebbündel: satt sein wollen, nicht frieren, Bedürfnis nach Hautkontakt

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-       Vernachlässigung wie Überversorgung der Umwelt prägen den Charakter negativ

-       Das „Ich“ ist das bewusste Denken im Alltag, was dem Selbstbewusstsein entspricht

-       Vermittelt zwischen Ansprüchen des „Es“, des „Über-Ich“ und der sozialen Umwelt

è Ziel: psychische und soziale Konflikte konstruktiv auflösen

-       Bei reifen und psychisch gesunden Menschen: statt triebhaften Lustprinzip, Realitätsprinzip

-       Elemente des Ichs: Bewusstseinsleistungen des Wahrnehmens, Denkens und Gedächtnisses

-       Entsteht in den ersten vier Lebensjahren:

Erkenntnis, dass es sich von Dingen und anderen Menschen unterscheidet

Lernt Fragen wie „Wer bin ich? Was kann ich?“ zu beantworten

è Füllt sein Selbstbewusstsein

-       Um das „Es“ herum wird eine Zone aufgebaut à „frühes Ich“

-       Bestimmt den Sozialcharakter und all unsere später erworbenen Selbstvorstellungen (wer wir sind, was wir fürchten und erhoffen, was wir uns zutrauen) auf unterschiedliche Weise mit

-       Zum „frühen Ich“ werden auch bewusste Emotionen und Bedürfnisse gezählt, die im Laufe des Sozialisationsprozess aus den Grundtrieben des „Es“ geformt werden

-       Das „Über-Ich“: Psychische Struktur, in der soziale Normen, Werte, Gehorsam, Moral und das Gewissen angesiedelt sind

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-       Durch Herausbildung des „Über-Ichs“ kann sich der Mensch sozialgerecht verhalten und seine ursprünglichen Triebregungen kontrollieren

-       Schuldgefühle treten auf, wenn die Gebote und Verbote des „Über-Ichs“ nicht befolgt werden

-       Konflikte zwischen den Ansprüchen des „Es“ und den Vorschriften des „Über-Ich“ rufen Angstzustände hervor, sodass mögliche Konfliktsituationen bereits im Voraus als angstmachend erlebt werden

-       Beispiel: Geschlechtstrieb, der zentrale und weite Verhaltensbereiche bestimmt, wird durch gesellschaftliche Normen und Tabus („Über-Ich“) unterdrückt

è Konflikte, die nicht selten zu Störungen der Persönlichkeit und zu krankhaften Veränderungen des Verhaltens und des Körpers führen können

-       Dies zeigt: von außen diktierte Normen werden in das Innere des Einzelnen aufgenommen

-       Konflikte zwischen dem Individuum und der Gesellschaft führen durch diese Internalisierung (Verinnerlichung) ich-fremder Autorität zu Konflikten im Individuum selbst

-       Ur-Modell eines typischen Konflikts: Vater-Sohn-Konflikt

-       Freud-Schüler Otto Gross stellt den Vater-Sohn-Konflikt ins Zentrum

-       Psychoanalyse nicht nur unter psychologisch-medizinischen Aspekten, sondern auch als Instrument der Gesellschaftskritik

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-       Konflikte zwischen dem Einzelnen und der Allgemeinheit wandeln sich unter dem Druck des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu Konflikten im Individuum selbst, da es die Normen der Allgemeinheit verinnerlicht

-       Ins Innere eingedrungene Autorität führt zu Konflikten zwischen dem Eigenen und Fremden, zwischen den individuellen Bedürfnissen und dem Anerzogenen und Aufgezwungenen

-       Otto Gross: Veröffentlichungen über persönliches Schicksal: Vater-Sohn-Konflikt

è Könnte in ein Werk Kafkas integriert werden

-       Kafka mit Theorie der Psychoanalyse sehr vertraut

-       Intensiv mit der Analyse an sich selbst auseinandergesetzt

è Gedanken Freuds einsichtig

-       Aber: in dem therapeutischen Teil der Psychoanalyse sah er einen hilflosen Irrtum

-       Nach ihm: seelisches Leiden erwächst aus den Konflikten des Einzelnen mit der Umwelt und deren Werten und Normen

è Heilung nicht möglich

-       „Es ist keine Freude, sich mit der Psychoanalyse abzugeben, und ich halte mich von ihr möglichst fern.“ An seinen Freund Werfel

è Eigentlich anzunehmen, dass Kafka keine psychoanalytischen Motive in seinen Texten verarbeitet hat

-       Aber: er stimmt Freuds Theorien zu, zweifelt nur an der Wirksamkeit im Rahmen einer Therapie

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FREUDS PSYCHOANALYSE IM BEZUG ZUM BUCH

1.)  Gespräch mit Fräulein Bürstner (S. 22 Z. 6 ff): „Er hatte kein besonderes Verlangen nach ihr“

„Es reizte ihn, dass sie durch ihr spätes Kommen auch noch in den Abschluss dieses Tages Unruhe und Unordnung brachte. Sie war auch Schuld daran.“

Deutung:

-       K. will überhaupt nicht mit ihr reden

è Reduktion der Frauen auf das Sexuelle

-       Sie hat für K. keine Individualität

è Zeigt K.s Bild von Frauen als Sexobjekt

-       Reiz = Fräulein Bürstner

è Ausdruck seiner Seelenbefindlichkeit (kommt vom Unterbewusstsein)

-       Schuld: Er projiziert die Schuld auf andere

-       Projektion nach Freud:

Wenn K. seine Schuld auf Fräulein Bürstner projiziert, so hat er keine mehr sondern sie.

è K. stellt sich seinen Problemen nicht, sondern verdrängt sie.

2.)  K. erscheint bei der ersten Gerichtsverhandlung „zu spät“, nimmt sich aber vor um 9 Uhr zu kommen à „zufällig“ die erwartete Uhrzeit

-       Freudscher Versprecher: K. sagt immer das Richtige, obwohl er es nicht als richtig empfindet.


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