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2.1 Die
plastische Theorie am Beispiel „Fettstuhl (1964)“ 9
2.2 Der
Bienenstaat 11
2.3 Rudolf
Steiners Philosophie der Freiheit im Sinne von Beuys 13
3 Beuys'
Pädagogisches Konzept –
Auswirkungen
für die Schule 14
3.1 Die
soziale und politische Aktivität von Joseph Beuys 16
Fazit
18
Literaturverzeichnis19
Einleitung
Joseph Beuys kommt in der Kunst der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine einzigartige Stellung zu. Seine Werke,
die er unter Einsatz ungewöhnlicher Materialien wie Filz, Fett, Kupfer und
Wachs herstellte, polarisierten die Öffentlichkeit und führten dennoch zu einer
überwältigenden Aufmerksamkeit für sein Schaffen.
Indem er Prozesse von
Stoffumsetzungen, Änderungen der Aggregatzustände und energetische
Zusammenhänge inhaltlich thematisierte, überschritt er die die Grenzen von
bisher Dargestelltem und ergänzte dies durch zahlreiche theoretische
Ausführungen und praktischen Aktionen im Sinne seiner Arbeit an der Sozialen
Plastik, die er als Künstler, aber auch als Pädagoge und Politiker
unentwegt fortführte.
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Ausgehend vom von Beuys
entwickelten Erweiterten Kunstbegriff werde ich im Laufe dieser Arbeit
zunächst weiter auf den Plastikbegriff eingehen und Beuys' Plastische Theorie
am Beispiel des Fettstuhls und des Vergleichs der Gesellschaft mit einem
Bienenstaat verdeutlichen.
Anschließend werde ich
kurz die Philosophie der Freiheit von Rudolf Steiner skizzieren, der dem
subjektbezogenen Gedanken von Joseph Beuys als Ausgangspunkt diente, um dann
abschließend Beuys' Pädagogisches Konzept und dessen Auswirkungen auf die
Schule sowie sein soziales und politisches Engagement herauszustellen, um der
umfassenden und ganzheitlichen Theorie der Gesellschaft zumindest ansatzweise
Rechnung zu tragen.
1 Der
erweiterte Kunstbegriff
„Ganz organisch aus der ruhigen und
sachbezogenen Betrachtung ergibt sich [..] der Gestaltungsbegriff als die
Möglichkeit, die ergriffen werden muß, um den sozialen Organismus aus seiner
kranken Gestalt in eine gesunde zu überführen.
Er wird also sehen, daß er mit
dem Erkennen dieser Notwendigkeit der zukünftigen Gestaltung sich selbst als
Künstler sieht. Nicht anders zu verstehen ist die These, die ich aufgestellt
habe: >> Kunst = Kapital <<, den Menschen als einen
Gestalter darzustellen, der die Strukturen der Wirkungen des Kapitals in der
Gesellschaft – also im Wirtschaftsbereich – umbaut in eine Form, die dem
Menschen gedeihlich ist. Also hier ist von einem Kunstbegriff gesprochen, der
von einer anderen These begleitet wird: >> Jeder Mensch ist ein
Künstler!<< [...]“[1]
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Laut Beuys ist der Mensch als kreatives Wesen auch
ein freies Wesen, für die Freiheit wiederum ist das Denken als Mittel der Erkenntnis
eine höchst elementare Voraussetzung. Für Beuys muss „Kreativität [..] zum
Lebensprinzip werden. Der freie kreative Mensch ist Grundlage und Baumeister
der neuen Gesellschaft.
Wenn Beuys jeden Menschen als Künstler
bezeichnet, dann bezieht er sich nicht auf den Menschen als Maler oder
Bildhauer, sondern geht vielmehr davon aus, dass jeder Mensch mit kreativen
Fähigkeiten ausgestattet ist, die er erkennen und ausbilden muss.
In diesem
Sinne bezeichnet er Kreativität als „Volksvermögen“[3]
und bezieht sich bei der Formulierung seines Kunstbegriffes auf „allgemeine
schöpferische Fähigkeiten“[4],
die aus verschiedenen Disziplinen wie Pädagogik, Ökonomie, Recht und Verwaltung
stammen.
Mit diesem neuen Kunstbegriff ist auch sein Kunstverständnis im Sinne
der Auslegung seiner Kunst verbunden, das sich gegen eine permanente
Interpretation von Kunstwerken positioniert, da „Kunst [..] ja nicht dazu da
(ist), daß man Erkenntnisse auf direktem Wege gewinnt, sondern vertiefte
Kenntnisse über das Erleben herstellt.“[5]
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Diese Grundformel entwickelte
sich aus einer Zeit der Depression heraus, die durch private Krisen und
Kriegserlebnisse hervorgerufen worden waren, im Zuge oder als reflektiertes
Ergebnis derer eine Art persönliche Umorganisierung stattfand, die er wie folgt
erläutert: „Der Initialvorgang war ein allgemeiner Erschöpfungszustand, der
sich allerdings schnell in einen regelrechteten Erneuerungsvorgang umkehrte.
Die Dinge in mir mussten sich völlig umsetzen, es musste bis in die Physis
hinein eine Umwandlung stattfinden.
Krankheiten sind fast immer auch geistige
Krisen im Leben, wo alte Erfahrungen abgestoßen beziehungsweise zu durchaus
positiven Veränderungen umgeschmolzen werden.“[7]
Während sich laut Beuys Politik und
Wirtschaft immer tiefer in Sachzwänge, Machtbestrebungen und Korruption
verstricken und sich dieser Weg immer deutlicher als der falsche herausstellte,
eröffnet Beuys mit dem Erweiterten Kunstbegriff einen neuen Ansatz aus
der Kunst heraus, indem er die Arbeit an staatlichen Strukturen mit
künstlerischen Qualitäts- und Proportionsmaßstäben verknüpft und als sozialen
Auftrag begreift: „Es ist der Erweiterte Kunstbegriff, der mir am besten
gelungen ist.“[8]
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Für ihn teilte sich die Plastik in die beiden Pole Wärme und Kälte
auf.“[9]
Der eine Pol verkörpert für Beuys den
Geist, das Chaotisch-Willensmäßige, das Organische, der andere Pol steht für
die Natur, das Gedanklich-Formmäßige, das Kristalline. Im Menschen sind beide
Extreme vereint, wobei Beuys die Seite der Kälte mit der Wärme ersetzen will,
dementsprechend in Form von Liebe und zwischenmenschlicher Nähe. „Ausgehend von
einem erweiterten Wissenschaftsverstehen erscheint nun der Begriff Plastik bei
Beuys als weitgespanntes und in manchem disparat erscheinendes Wirklichkeits-
und Kunstverständnis.“[10]
Folglich versteht er die Plastik als
das Ergebnis eines Prozesses der Bewusstwerdung, der sich in der Folge von
Intention und Imagination entwickelt und der sich auf diese Weise „im Denken,
Handeln, Gestalten, Bilden und in der Sprache niederschlägt.“[11]
Beuys“ Vorstellung von Plastik
schließt also die sprachliche Ebene in die geistige Arbeit eindeutig mit ein
und richtet sich dabei gegen festgefahrene Normen oder tradierte Denkweisen.
„Sein wichtigstes Anliegen ist, Entstehen und Werden, Erkennen und Erziehen,
Bewußtseinbilden und Verändern, kurz die ganze Existenz als plastisches Prinzip
herauszuarbeiten und darzustellen.“[12]