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Joseph Beuys - Die soziale Plastik .doc

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Faculty
Arts & Design
Discipline
Art / Design / History of Art
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University, School
Hochschule Karlsruhe
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2009
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Inhaltsverzeichnis 1

Joseph Beuys – Die Plastik

Einleitung 2

1 Der erweiterte Kunstbegriff 3

2 Der Plastikbegriff 6

2.1 Die plastische Theorie am Beispiel „Fettstuhl (1964)“ 9

2.2 Der Bienenstaat 11

2.3 Rudolf Steiners Philosophie der Freiheit im Sinne von Beuys 13

3 Beuys' Pädagogisches Konzept –

Auswirkungen für die Schule 14

3.1 Die soziale und politische Aktivität von Joseph Beuys 16

Fazit 18

Literaturverzeichnis 19

Einleitung

Joseph Beuys kommt in der Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine einzigartige Stellung zu. Seine Werke, die er unter Einsatz ungewöhnlicher Materialien wie Filz, Fett, Kupfer und Wachs herstellte, polarisierten die Öffentlichkeit und führten dennoch zu einer überwältigenden Aufmerksamkeit für sein Schaffen.

Indem er Prozesse von Stoffumsetzungen, Änderungen der Aggregatzustände und energetische Zusammenhänge inhaltlich thematisierte, überschritt er die die Grenzen von bisher Dargestelltem und ergänzte dies durch zahlreiche theoretische Ausführungen und praktischen Aktionen im Sinne seiner Arbeit an der Sozialen Plastik, die er als Künstler, aber auch als Pädagoge und Politiker unentwegt fortführte.

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Ausgehend vom von Beuys entwickelten Erweiterten Kunstbegriff werde ich im Laufe dieser Arbeit zunächst weiter auf den Plastikbegriff eingehen und Beuys' Plastische Theorie am Beispiel des Fettstuhls und des Vergleichs der Gesellschaft mit einem Bienenstaat verdeutlichen.

Anschließend werde ich kurz die Philosophie der Freiheit von Rudolf Steiner skizzieren, der dem subjektbezogenen Gedanken von Joseph Beuys als Ausgangspunkt diente, um dann abschließend Beuys' Pädagogisches Konzept und dessen Auswirkungen auf die Schule sowie sein soziales und politisches Engagement herauszustellen, um der umfassenden und ganzheitlichen Theorie der Gesellschaft zumindest ansatzweise Rechnung zu tragen.

1 Der erweiterte Kunstbegriff

„Ganz organisch aus der ruhigen und sachbezogenen Betrachtung ergibt sich [..] der Gestaltungsbegriff als die Möglichkeit, die ergriffen werden muß, um den sozialen Organismus aus seiner kranken Gestalt in eine gesunde zu überführen.

Er wird also sehen, daß er mit dem Erkennen dieser Notwendigkeit der zukünftigen Gestaltung sich selbst als Künstler sieht. Nicht anders zu verstehen ist die These, die ich aufgestellt habe: >> Kunst = Kapital <<, den Menschen als einen Gestalter darzustellen, der die Strukturen der Wirkungen des Kapitals in der Gesellschaft – also im Wirtschaftsbereich – umbaut in eine Form, die dem Menschen gedeihlich ist. Also hier ist von einem Kunstbegriff gesprochen, der von einer anderen These begleitet wird: >> Jeder Mensch ist ein Künstler!<< [...]“[1]

 


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Laut Beuys ist der Mensch als kreatives Wesen auch ein freies Wesen, für die Freiheit wiederum ist das Denken als Mittel der Erkenntnis eine höchst elementare Voraussetzung. Für Beuys muss „Kreativität [..] zum Lebensprinzip werden. Der freie kreative Mensch ist Grundlage und Baumeister der neuen Gesellschaft.

Er ist der Träger der Revolution.“[2]

Wenn Beuys jeden Menschen als Künstler bezeichnet, dann bezieht er sich nicht auf den Menschen als Maler oder Bildhauer, sondern geht vielmehr davon aus, dass jeder Mensch mit kreativen Fähigkeiten ausgestattet ist, die er erkennen und ausbilden muss.

In diesem Sinne bezeichnet er Kreativität als „Volksvermögen“[3] und bezieht sich bei der Formulierung seines Kunstbegriffes auf „allgemeine schöpferische Fähigkeiten“[4], die aus verschiedenen Disziplinen wie Pädagogik, Ökonomie, Recht und Verwaltung stammen.

Mit diesem neuen Kunstbegriff ist auch sein Kunstverständnis im Sinne der Auslegung seiner Kunst verbunden, das sich gegen eine permanente Interpretation von Kunstwerken positioniert, da „Kunst [..] ja nicht dazu da (ist), daß man Erkenntnisse auf direktem Wege gewinnt, sondern vertiefte Kenntnisse über das Erleben herstellt.“[5]


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Diese Grundformel entwickelte sich aus einer Zeit der Depression heraus, die durch private Krisen und Kriegserlebnisse hervorgerufen worden waren, im Zuge oder als reflektiertes Ergebnis derer eine Art persönliche Umorganisierung stattfand, die er wie folgt erläutert: „Der Initialvorgang war ein allgemeiner Erschöpfungszustand, der sich allerdings schnell in einen regelrechteten Erneuerungsvorgang umkehrte. Die Dinge in mir mussten sich völlig umsetzen, es musste bis in die Physis hinein eine Umwandlung stattfinden.

Krankheiten sind fast immer auch geistige Krisen im Leben, wo alte Erfahrungen abgestoßen beziehungsweise zu durchaus positiven Veränderungen umgeschmolzen werden.“[7]

Während sich laut Beuys Politik und Wirtschaft immer tiefer in Sachzwänge, Machtbestrebungen und Korruption verstricken und sich dieser Weg immer deutlicher als der falsche herausstellte, eröffnet Beuys mit dem Erweiterten Kunstbegriff einen neuen Ansatz aus der Kunst heraus, indem er die Arbeit an staatlichen Strukturen mit künstlerischen Qualitäts- und Proportionsmaßstäben verknüpft und als sozialen Auftrag begreift: „Es ist der Erweiterte Kunstbegriff, der mir am besten gelungen ist.“[8]


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2 Der Plastikbegriff

 

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Für ihn teilte sich die Plastik in die beiden Pole Wärme und Kälte auf.“[9]

Der eine Pol verkörpert für Beuys den Geist, das Chaotisch-Willensmäßige, das Organische, der andere Pol steht für die Natur, das Gedanklich-Formmäßige, das Kristalline. Im Menschen sind beide Extreme vereint, wobei Beuys die Seite der Kälte mit der Wärme ersetzen will, dementsprechend in Form von Liebe und zwischenmenschlicher Nähe. „Ausgehend von einem erweiterten Wissenschaftsverstehen erscheint nun der Begriff Plastik bei Beuys als weitgespanntes und in manchem disparat erscheinendes Wirklichkeits- und Kunstverständnis.“[10]

Folglich versteht er die Plastik als das Ergebnis eines Prozesses der Bewusstwerdung, der sich in der Folge von Intention und Imagination entwickelt und der sich auf diese Weise „im Denken, Handeln, Gestalten, Bilden und in der Sprache niederschlägt.“[11]


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Beuys“ Vorstellung von Plastik schließt also die sprachliche Ebene in die geistige Arbeit eindeutig mit ein und richtet sich dabei gegen festgefahrene Normen oder tradierte Denkweisen. „Sein wichtigstes Anliegen ist, Entstehen und Werden, Erkennen und Erziehen, Bewußtseinbilden und Verändern, kurz die ganze Existenz als plastisches Prinzip herauszuarbeiten und darzustellen.“[12]


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