John Boyne Junge im gestreiften Pyjama
Charakterisierung der Figur Bruno
Bruno, so heißt die Hauptfigur in John Boyne`s Roman „Der
Junge im gestreiften Pyjama“. Geboren am 15. April 1934, lebt er seit dem mit
seiner Schwester Gretel und seinen Eltern in Berlin. Das Buch schreibt das Jahr
1943, die Zeit des 2. Weltkrieges, als Bruno 9 Jahre alt ist.
Bruno ist ein ganz gewöhnlicher Neunjähriger, wenn nicht
auch häufig sehr naiv in dem Buch dargestellt.
Allerdings ist er kleiner als andere Jungen in seinem Alter.
„Es war eine Quelle ständiger Enttäuschung für ihn, dass er nicht so groß
war wie die anderen Jungen in seiner Klasse. Im Gegenteil, er reichte ihnen
sogar nur bis zu den Schultern.“ (Seite 33)
Er liebt seine Umgebung in Berlin, ganz besonders das Haus,
in dem er lebt. Es liegt in einer ruhigen Straße, wo noch andere schöne
Häuser standen. „Denn das Geländer in diesem Haus reichte vom obersten
Stockwerk- direkt vor der kleinen Kammer, von der aus er ganz Berlin
überblicken konnte, wenn er sich auf die Zehenspitzen stellte und am Fensterrahmen
festhielt – bis ins Erdgeschoss, wo es knapp vor der gewaltigen zweiflügeligen
Eichentür endete.
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Seine drei besten Freunde sind Karl, Daniel und Martin.
Besonders hart trifft es Bruno, als seine Mutter ihm mitteilt, sie werden das
Haus in Berlin verlassen. „Ich soll mich von Karl, Daniel und Martin
verabschieden? Das sind meine drei allerbesten Freunde!“ (Seite 15)
Und so beginnt Brunos Reise in eine schreckliche Welt, aber
aus den Kinderaugen von Bruno doch sehr verharmlost dargestellt.
Brunos Vater arbeitet nämlich für Adolf Hitler. Er wird
KZ-Leiter in Ausschwitz. Bruno nennt diesen Ort und sein neues Haus, welches
direkt neben dem Lager steht, „Aus-Wisch“. Er hat von all dem, was um ihn herum
passiert, keine Ahnung. Er weiß, dass die Väter seiner Freunde Gemüsehändler, Lehrer
oder Köche sind, doch weiß er nicht, was sein Vater beruflich macht. „Er
konnte nur sagen, dass sein Vater ein Mann war, auf den man ein Auge haben
musste, und das der Furor Großes mit ihm vorhatte. Ach ja, und dass er außerdem
eine phantastische Uniform trug. (Seite 11) Furor, so nenne Bruno den
damaligen Führer Adolf Hitler. Und wenn Brunos Mutter von einem „Gewissen
Jemand“ spricht, „so wusste er, dass ein gewisser Jemand ein Ausdruck der
Erwachsenen für Vater war, ein Ausdruck, den er selbst nicht benutzen durfte.“
(Seite 16)
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Zu seiner Schwester Gretel hat Bruno allerdings keinen guten
Draht. „Ihn hätte es nicht gestört, wenn man Gretel fortgeschickt hätte,
denn sie war ein hoffnungsloser Fall und handelte ihm immer nur Ärger ein.“
(Seite 10)
Das neue Haus, in dem Bruno nun mit seiner Familie lebt, ist
gar nicht nach Brunos Geschmack. „Alles daran war das genaue Gegenteil zu
ihrem Haus, und er konnte nicht fassen, dass sie hier wirklich leben sollten.“
(Seite 19) „Wenn er die Augen schloss, fühlte sich alles um ihn herum leer und
kalt an, als befände er sich am einsamsten Ort der Welt. Mitten im
Niemandsland. (Seite 21)
Brunos Leben wurde komplett umgekrempelt. „An einem Tag
war er völlig zufrieden, spielte zu Hause, hatte drei gute Freunde, rutschte
Treppengeländer hinunter und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ganz Berlin
zu überblicken, und jetzt saß er hier in diesem kalten, hässliche Haus fest,
mit drei flüsternden Dienstmädchen und einem Kellner, der unglücklich und
wütend war, einem Haus, in dem alle den Eindruck machten, dass sie nie wieder
fröhlich sein konnten.“ (Seite 24)
Doch auch das Leben im Konzentrationslager bleibt nicht
unbemerkt für Bruno. Von einem Dachfenster aus konnte er auf das Gelände sehen,
und „bei diesem Anblick wurde ihm ganz kalt und ängstlich zumute.“ (Seite
30) Trotz des ausdrücklichen Verbotes seiner Eltern, dieses Gelände nie zu
betreten, und die Äußerung seines Holocaust-vernarrten Vaters „Das..na ja, das
sind eigentlich gar keine Menschen, Bruno!“
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Auf seiner Entdeckertour am Zaun des Konzentrationslagers entlag,
begegnet er dem kleinen Jungen namens Schmuel, der sich nach und und nach zu
seinem besten Freund entwickelt. Beinahe täglich treffen sie sich. Dieser Junge
gehörte zur Forscherkategorie eins. „ Aus den vielen Bücher, die Bruno
gelesen hatte, wusste er, dass man nie vorhersagen konnte, was man eventuell
fand. Meistens stießen sie auf etwas Interressantes, das einfach da war, sich
um seinen eigenen Kram kümmerte und nur darauf wartete, entdeckt zu werden.
Dann wieder entdeckten sie etwas, dass man besser in Ruhe lassen sollte. Der
Junge gehörte in die erste Kategorie. (Seite 133)
Im Laufe ihrer Freundschaft merkt Bruno immer wieder, wie
unglaublich dünn, traurig und unglücklich Schmuel ist. Und doch glaubt Bruno
trotzdem, in den Baracken seien Bars, Cafes und die Kinder würden spielen und
lachen. Hier zeigt der Autor deutlich, das Bruno noch die kindliche Naivität
hat, die für einen Neunjährigen in diesem Buch aber übertrieben dargestellt
ist. „Plötzlich fing Schmuel stark an zu zittern, und Bruno sah sich um, als
könnte er die Kälte eher sehen als spüren. Bruno: So kalt ist es doch gar
nicht! Du hättest einen Pullover mitnehmen sollen, weißt du. Gegen Abend wird
es jetzt immer kühler.“ (Seite 176)
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Im Großen und Ganzen ist Bruno ein ganz normaler Neunjähriger,
der sich einen Freund gesucht und gefunden hat. Nur war er zur falschen Zeit am
falschen Ort, denn dieser Ort wurde ihm und seinen Freund, mit seiner
kindlichen Neugier zum Verhängnis.
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