Investitionsrechnung
- Begriff
Unter
einer Investition versteht man eine Bindung des betrieblichen Kapitals
(Passiva) in betriebliche Vermögensgegenstände (Aktiva). Im weitesten Sinne
wird unter einer Investition ein Strom von Auszahlungen für die Anschaffung
eines Gutes verstanden, durch dessen Nutzung Einzahlungen erzielt werden.
- Investitionsarten
Nach
Art:
- Sachinvestitionen ®
materielle Realgüter
- Finanzinvestitionen ®
Geldanlagen in Nominalgüter
Nach
Grund:
·
Ersatzinvestitionen
·
Rationalisierungsinvestitionen
·
Erweiterungsinvestitionen
- Investitionsentscheidungen
Eine
Investitionsentscheidung beruht auf verschiedenen Kriterien:
·
Unternehmensziele
·
Zahlungsreihe
der erwarteten Ein- und Auszahlungen
·
Sonstige
Faktoren (rechtliche, technische, personelle, ökonomische)
- Entscheidungsarten
·
Ja-/Nein-Entscheidung
®
Beurteilung eines einzelnen Objekts
·
Entweder-/Oder-Entscheidung
®
Vergleich von zwei oder mehreren Objekten
·
Bestimmung
der optimalen Nutzungsdauer
- Investitionsrechenverfahren
Man
unterscheidet deterministische und stochastische Verfahren.
Deterministische
Verfahren unterstellen vollkommene Sicherheit bei der Bestimmung zukünftiger
Zahlungsströme.
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Die
deterministischen Verfahren können wiederum in statische und dynamische
Verfahren untergliedert werden. Die dynamischen Verfahren berücksichtigen im
Gegensatz zu den statischen Verfahren den zeitlichen Anfall der Ein- und
Auszahlungen im Verlaufe des Investitionsprozesses.
·
Deterministische
Verfahren
§ Statische
Verfahren
ü Kostenvergleichsrechnung
ü Gewinnvergleichsrechnung
ü Rentabilitätsvergleichsrechnung
ü Amortisationsvergleichsrechnung
§ Dynamische
Verfahren
ü Kapitalwertmethode
ü Annuitätenmethode
ü Interne
Zinsfußmethode
·
Stochastische
Verfahren
§ Sensitivitätsanalyse
§ Risikoanalyse
ü Analytisches
Verfahren
ü Simulationsverfahren
5.1.
statische Verfahren
Grundlage
der statischen Verfahren sind Kosten und Erträge einer Periode. Sie
vernachlässigen den unterschiedlichen zeitlichen Anfall der für die Berechnung
relevanten Größen. Der grundlegende Kritikpunkt der statischen Verfahren ist
die periodische Betrachtungsweise.
5.1.1.
Kostenvergleichsrechnung
Ausgangspunkt
dieser Methode ist die Berechnung der Gesamtkosten oder der Durchschnittskosten
pro Jahr. Bei verschiedenen Investitionsobjekten ist die Alternative zu wählen,
die die geringsten Gesamtkosten bzw. die geringsten Durchschnitts- oder
Stückkosten aufweist. Bei den Kosten wird unterschieden in Kapital- (Afa,
kalkulatorische Zinsen) und Betriebskosten (Löhne, Material, Energie, ...).
Kapitalkosten:
Durchschnittlich
gebundenes Kapital: (I0+R)/2
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I0
– R I0 + R
Kapitaldienst: KDappr
= ------- + -- * i
n 2
Die Kostenvergleichsrechnung eignet sich nur
für den Alternativen- und Ersatzvergleich, nicht für Erweiterungsinvestitionen.
Weiterhin weist sie alle generellen Schwächen der statischen Verfahren auf
(keine Berücksichtigung der Zeitpräferenz, ...).
5.1.2.
Gewinnvergleichsrechnung
Bei
der Gewinnvergleichsmethode werden die Gewinne miteinander verglichen.
Diejenige Investitionsalternative, die den höchsten Gewinn aufweist, ist zu
wählen. Einen Kritikpunkt dieser Methode stellt die Tatsache dar, dass
unterschiedlich hohe Investitionsausgaben nicht direkt berücksichtigt werden.
Der höhere Gewinn der vorteilhafteren Investition wird möglicherweise wegen
einer höheren Investitionsauszahlung erwirtschaftet. Sind die
Investitionsauszahlungen unterschiedlich hoch, muss der Gewinn der
Differenzinvestition (Differenz zwischen höherer und niedrigerer
Investitionsauszahlung) beim Vergleich berücksichtigt werden.
Die
Gewinnvergleichsmethode eignet sich für die Beurteilung von
Einzelinvestitionen, Alternativenvergleichen, Ersatz- und
Erweiterungsinvestitionen.
I0
– R I0 + R
Gewinn: G
= p*x – ------- + -- * i
n 2
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·
Unzweckmäßige
Rechnungselemente ® Kosten und Erträge
·
Einperiodischer
Vergleich oder Durchschnittsbildung
·
Keine
finanzmathematische Basis
·
Unvollkommene
Erfassung der Zeitpräferenz im approximativen Kapitaldienst
5.1.3.
Rentabilitätsvergleichsrechnung
Bei
dieser Methode wird die Rentabilität des durchschnittlich gebundenen Kapitals
berechnet. Es ist die Investitionsalternative mit der höchsten Rentabilität
auszuwählen. Bei Investitionsobjekten mit unterschiedlichen Auszahlungen I0
ist die Rentabilität der Differenzinvestition zusätzlich zu überprüfen.
Rentabilität: R
= (ÆG / ÆK) *
100
Æ
gebundenes Kapital: ÆK = (I0+Rn) / 2
ROI
= (ÆG
/ I0) * 100
Die
Rentabilitätsvergleichsrechnung wird zur Beurteilung von Einzelinvestitionen,
Alternativenvergleichen oder Ersatzinvestitionen herangezogen. Bei der
Rentabilitätsrechnung sind insbesondere die Ermittlung des durchschnittlich
gebundenen Kapitals und der Gewinnbegriff problematisch, abgesehen von den
übrigen Nachteilen der statischen Verfahren.
5.1.4.
Amortisationsvergleichsrechnung
Liquiditätsgesichtspunkte
stehen im Vordergrund, wenn ein Unternehmen die Amortisationsvergleichsmethode
verwendet. Ziel ist es das investierte Kapital möglichst schnell
wiederzugewinnen. Vorteilhaft ist die Investition, die die kürzeste
Amortisationsdauer aufweist und nicht über der maximal zulässigen
Amortisationsdauer liegt.
Amortisationsdauer: tA
= (I0 – R) / Æc
Durchschnittlicher
Cash Flow : Æc = Æe - Æa =
G + Afa+ Kkalk
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Die
Amortisationsrechnung ist grundsätzlich brauchbar als Zusatzkriterium für
Investitionsentscheidungen, besonders für die Beurteilung des Risikos und der
Liquidität. Die Amortisationsrechnung birgt jedoch drei Gefahren:
·
Unwirtschaftlichkeit
trotz kurzer Amortisationszeit
Da
die Beträge, die nach dem Amortisationszeitpunkt anfallen, nicht beachtet
werden, sagt die Amortisationsrechnung nichts über die Vorteilhaftigkeit einer
Investition aus. Es besteht also die Gefahr, dass unwirtschaftliche
Investitionen realisiert werden, die keine oder keine ausreichende Verzinsung
des eingesetzten Kapitals erbringen.
·
Ungleiche
Vorteilhaftigkeit trotz gleicher Amortisationszeit
Investitionen
mit gleicher Amortisationszeit sind i.d.R. nicht gleich wirtschaftlich. Die
Unterschiede in der Vorteilhaftigkeit sind nur mit Hilfe einer dynamischen
Betrachtungsweise zu erkennen.
·
Diskriminierung
langfristiger Investitionsprojekte
Wer
sich konsequent an die Amortisationsrechnung hält, verbietet sich selbst die
Durchführung aller langfristigen Investitionen. Für den Fortbestand eines
Unternehmens könne aber gerade langfristige Investitionen von großer Bedeutung
sein.
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