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Interpretation si wunderwol gemachet wîp Walther von der Vogelweide (Page 2).doc

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Human Science
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University, School
Graz
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Literarische Traditionen III
Literarische Traditionen III 1848 – 1918 Österreichische Komödie vor und nach 1848 Die Epochalisierung der Literatur ist typisch deutsch. Österreich weicht jedoch in vielem ab (Wirtschafts- und soz

Bauschke, S.128). Auch wird wieder der Topos des Himmels eingeführt, der Dichter betrachtet seine Dame des Herzens lieber als den „himel oder himelwagen“ (III, 7). Aber in ironischem Tone hegt er die Vermutung, dass zuviel des Lobes auch gleichzeitig sein Unglück sein könnte. Er möchte sich nicht zu sehr von ihr entfernen, kein „tumber man“ (III, 8) sein.

Strophe IV beginnt mit einem neuerlichen, doppeldeutigen Wortspiel. Sie hat ein „küssen“, das ist rot. Er wirbt direkt um einen Kuss, oder sogar um einen Platz auf ihrem roten Kissen, eine phantasievolle, zu dieser Zeit ziemlich anzügliche Bemerkung. Er wäre von seiner Liebesnot erlöst, gesundet von seiner Besessenheit.

Er steigert diese Anzüglichkeiten in der letzten Strophe, da er nun vom Gesicht zum Rest ihres Körpers wandert. Konkret wird hier von „ir kel, ir hende ietweder fuoz“ (V, 1) erzählt, alles ist vollkommen schön beschaffen. Der Schlüssel zum anzüglichen Moment dieses Liedes liegt hier in der Zeile „sô waene ich mê beschowet hâ“ (V, 4).

Der Dichter behauptet, mehr als nur das oben Benannte, ihre gesamte Gestalt „nacket“ (V, 6) gesehen zu haben. Der Betrachter wird als Voyeur entlarvt, er gibt zu die Dame heimlich beim Baden beobachtet zu haben, nimmt ihr also alle Schuld, sie ist weiterhin das unschuldige Wesen, als das sie dem Zuhörer präsentiert wird.

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d) Interpretation

Auf den ersten Blick scheint es, dass Walthers Intention schlicht das Erzählen und Aufarbeiten einer Liebesgeschichte ist, einer geheimen Schwärmerei des Erzähler-Ichs. Doch die Lobpreisungen scheinen oft zu überzeichnet, übertrieben, eine Huldigung folgt der nächsten, eine ungewöhnliche Häufung von Schmeicheleien tritt auf.

Das legt die Vermutung nahe, dass hier mit Ironie und Humor gearbeitet wird, die zahlreichen himmlischen und göttlichen Vergleiche doch irdischer Natur sind (vgl. Sievert, S.77). Der urnatürlichste Trieb steht im Zentrum des Liedes, angestachelt durch die nackte Erscheinung der Frau erwachen die erotischen Fantasien des Erzählers.

Der kurze Ausflug zurück in die Realität in Strophe III, als ihm bewusst wird, dass er vielleicht doch zuviel des Lobes ist, erweckt den Anschein, dass all die göttlichen Attribute des „wîp“ denn doch nur das liebestolle Geschwafel eines hoffnungslosen Verliebten sind. Der Erzähler malt sich ein Bild von einer Frau, durch Überhöhungen verfällt er ihr, droht ihm zu erliegen.

Dieses Problem der Idealisierung einer Unbekannten ist hier aber nicht nur ein Problem des Erzählers, vielmehr versucht Walther ironisch aufzuzeigen, dass dieses Lied jeder x-beliebigen Frau gelten kann (vgl. Sievert, S.79).

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Der Erzähler merkt, dass er besessen ist von der badenden Frau, seine Liebe wird getragen von einem Begehren, dieser Frau zu verfallen. Die Anzüglichkeiten im Werk sind bewusst gestreut, sollen dieses spezielle Begehren untermauern.

In einem Monolog erzählt die Figur eine Begebenheit aus der Vergangenheit, er reflektiert über dieses individuelle Erlebnis (vgl. Sievert, S.82). Es handelt sich um kein traditionelles Preislied, da es über die Minnesangtradition hinausgeht, Tabus bricht und neue Wege bestreitet.

Es wird ein idealtypisches Bild der Frau geschaffen, durch die explizit erwähnte Situation der Beobachtung erhält das Lied aber eine persönliche Note (vgl. Bauschke, S.124). Walthers Beschreibung der Frau bezieht sich auch nicht auf die Sittsamkeit, Güte und Tugend des damals vorherrschenden Frauenbilds, der Körper steht im Fokus, ein Tabubruch zu damaliger Zeit.

Ein Aspekt, der bis jetzt noch keine Erwähnung fand in dieser Arbeit, ist die außertextliche Betrachtungsweise zu diesem Gegenstand. Es ist bekannt, dass Walther mit anderen Autoren seiner Zeit Kontakt hatte, auf sie Bezug nahm, im positiven wie auch im negativen Sinne.

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Die Entstehungsfolge dieses Werks und der Lieder von Reinmar ist nicht ganz geklärt, ebenso nicht wer denn nun auf wen reagiert haben könnte (vgl, Bauschke, S.130). Als Hauptargument für die Richtigkeit der These, Walther reagiere mit diesem Lied auf eine Aussage Reinmars, ist ausgerechnet die so bekannte Kussszene.

In Reinmars „Ich wirbe umb allez daz ein man“ hat der Sprecher einer Dame einen Kuss gestohlen, er bietet die Rückgabe an. Walther hingegen lässt die Dame selbst auftreten, der Kussraub wird verurteilt (vgl. Bauschke, S.130). Weiterer Ansatzpunkt ist „lob ich hie, sô lob er dort“ (I, 10), was auf einen Gegenspieler hindeutet.

Dennoch kann man hier nur spekulieren, da sich die Lebensdaten beider Autoren nicht gänzlich erschließen lassen.

Was aber zu hundert Prozent zutreffend ist, ist die erotische Komponente des Werkes von Walther. Der Dichter ist mehr bekannt für seine Arbeiten über die niedere Minne, nicht zu Unrecht vermutet man in dieser Ironie und Humor. Die Beschreibung der Frau mit allen Reizen, der körperlichen Schönheit, die sich in der Phantasie des Beobachtenden manifestieren, ist in ihrer überspielten Schärfe mehr Produkt eines Schelms als eines passionierten Dichters der Hohen Minne (Vgl.

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Walther von der Vogelweide kann also durchaus als Revolutionär bezeichnet werden, er betrat mit diesem Lied neue Wege, öffnete Türen für nachfolgende Dichter und Minnesänger. Er führte die Politik ein in das inhaltliche Spektrum der Minnelyrik, nun bricht er ein Tabu, in dem er Unerhörtes, Vertrauliches preisgibt, erotische Begebenheiten präsentiert.

Wie man keck und zugleich unangreifbar die Dame um einen Kuss angehen kann, ist bezeichnend (vgl. Brunner, S.112).

Literaturverzeichnis:

a)      Textausgaben:

Walther von der Vogelweide: Leich, Lieder, Sangsprüche. 14., völlig neubearbeitete Auflage der Ausgabe Karl Lachmanns mit Beiträgen von Thomas Bein und Horst Brunner. Hrsg. v. Christoph Cormeau. Berlin, New York 1996.

Deutsche Lyrik des frühen und hohen Mittelalters. Edition der Texte und Kommentare von Ingrid Kasten. Übersetzungen von Margherita Kuhn. Frankfurt/M. 1995.

Walther von der Vogelweide: Werke. Gesamtausgabe. Band 1: Spruchlyrik. Band 2: Liedlyrik. Mhd./Nhd. Hrsg., übersetzt und kommentiert von Günther Schweikle. Stuttgart 1998.

b)      Sekundärliteratur:

Bauschke, Ricarda: Die „Reinmar-Lieder“ Walthers von der Vogelweide. Literarische Kommunikation als Form der Selbstinszenierung. Hrsg. von Manfred Scholz. Heidelberg 1999.

 

Bein, Thomas: Walther von der Vogelweide. Stuttgart 1995.

 

Brunner, Horst: Walther von der Vogelweide. Epoche-Werk-Wirkung. München 1996.

 

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