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Interpretation - Die Klavierstunde von Gabriele Wohmann .doc

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Faculty
Human Science
Discipline
German
Document category
Interpretation
University, School
Helene-Lange-Gymnasium
Additional information
2001
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TEXTANALYSE: Die Klavierstunde (Gabriele Wohmann)

Die Kurzgeschichte „Die Klavierstunde“, im Jahre 1966 von Gabriele Wohmann geschrieben, handelt von einer Klavierlehrerin und ihrem Schüler, die beide die immer näher rückende Klavierstunde verabscheuen und so in einen inneren Konflikt geraten.

Die Erzählung beginnt mit den verschiedenen Eindrücken, die der Junge auf dem Weg zu der Klavierstunde erlebt. Er durchdenkt auf dem Weg die Möglichkeit umzukehren und sich zu widersetzen.

Letzten Endes tut er es aber doch nicht. Anschließend wendet die Erzählung ganz unvermittelt und die Sichtweise der Klavierlehrerin wird präsentiert. Auch sie hat keine Freude an der Klavierstunde, „den Blick starr, freudlos auf das Klavier gerichtet“. Sie überlegt sogar, ob sie ihn wieder wegschicken soll.

So geht es immer weiter, beide verabscheuen die Klavierstunde und wollen nicht, dass sie stattfindet. Zum Schluss erreicht der Schüler jedoch das Haus, in dem die Klavierlehrerin wohnt und die Stunde stattfinden soll.

Kalt begrüßen sie einander und motorisch gesteuert fangen seine steifen Finger an zu spielen.

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Viele Menschen leben nicht das, was ihnen entspricht und wichtig ist, sondern orientieren sich darauf anderen zu gefallen oder andere zu beeindrucken. Diese Art von Menschen wird durch den Jungen dargestellt; er will seine Eltern, die ihn vermutlich zum Klavierunterricht zwingen und diesen finanzieren, nicht enttäuschen oder verärgern.

Darum besucht er weiterhin die Klavierstunden.

Aber auch das Geld ist für viele Menschen ein Grund Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht tun wollen. Diese Art von Menschen wird durch die Klavierlehrerin verdeutlicht. Sie wird für das Geben der Stunden bezahlt, aber eigentlich will sie überhaupt keine Stunden geben, zumindest diesem Jungen nicht.

Des Weiteren soll durch die Geschichte verdeutlicht werden, dass viele Dinge schnell zur Gewohnheit und sie stillschweigend als solche akzeptiert werden, die man nicht mehr so schnell zu verändern bereit ist.

Die Geschichte ist sehr interessant aufgebaut, mit vielen rhetorischen Mitteln:

Sie beginnt mit einem unvermittelten Anfang. Man findet sich unmittelbar in den Gedankengängen des Jungen wieder. Der Leser weiß eingangs nicht, wo er sich befindet und worum es eigentlich genau geht. Erst nach und nach findet er sich zurecht.

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Diese finden in der Geschichte immer abwechselnd statt und zu Beginn ist ein geregelter Aufbau schwer zu erkennen. Doch nach genauem Hinsehen wird deutlich: Je näher der Junge dem Haus der Klavierlehrerin kommt und je näher die Klavierstunde rückt, desto kürzer werden die Abstände von beiden Erzählsituationen zueinander. Zu Beginn füllen zig Sätze den jeweiligen inneren Monolog, am Ende sind es nur noch 1-2 Sätze. Die Menge von dem, was sie erzählen, nimmt deutlich ab, während gleichzeitig die Erwartung des Lesers und die Spannung zunehmen.

Die Geschichte klingt mit einem offenen Ende aus. Der Leser erfährt nur noch, dass der Schüler zu spielen anfängt, offen bleibt, wie die Stunde abläuft, was beide während der Stunde denken und fühlen.

Diese Geschichte enthält zwei wesentliche Leitsymbole, die eventuell von Gabriele Wohmann gewählt wurden, um männliches und weibliches Verhalten gegenüberzustellen.

Die Einstellung des Jungen zur Klavierstunde manifestiert sich im Verhältnis zu seiner Ledermappe, die alle Noten beinhaltet.

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Also verbindet der Junge seinen Hass auf die Klavierstunden mit der Ledermappe. Ohne diese Mappe wäre er frei und seine Probleme wären beseitigt.

Die Klavierlehrerin klagt über ihre Kopfschmerzen, die diese Klavierstunden in ihr auslösen. Die Tatsache, dass die Frau mit Kopfschmerzen die Situation antizipiert, symbolisiert weibliches Verhalten, dass viele Frauen auf negative Dinge mit körperlichen und psychischen Symptomen reagieren. Hier sind es die Kopfschmerzen.

Frau Wohmann will ausdrücken, dass Frauen oft gefühlsbetonter sind als Männer und macht dies zum einen durch die Leitsymbole der beiden Personen deutlich.

Aber auch durch den gesamten Text hindurch wird die Klavierlehrerin viel positiver dargestellt. Die Kopfschmerzen erwecken beim Leser Mitleid und auch Verständnis. Der Junge wird durchweg negativ dargestellt durch das ihm zugeordnete Leitsymbol und durch Aussagen wie „widerlicher, kleiner Kerl“. Außerdem ist er ja der Grund für die Kopfschmerzen der Klavierlehrerin. Obwohl durch die beiden sich abwechselnden und aufeinander zu eilenden Innensichten dem Leser zwei unterschiedliche Verhaltensmuster zur eigenen Entscheidung oder Identifikation/Imitation angeboten werden, wird dadurch klar, dass die Autorin die weibliche Perspektive favorisiert.

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Genau das Gleiche gilt auch für die widerwärtigen Klavierstunden. Von alleine werden sie nicht enden oder eingestellt, auch wenn sie beiden beteiligten Personen keine Freude bereiten. Entweder die Klavierlehrerin oder der Schüler muss einen Schlussstrich ziehen, schließlich haben beide keine Lust und Freude an den Stunden.

Einer von beiden muss etwas sagen, sonst wird sich nichts ändern.

Der Text ist interessant gestaltet. Seine Situation ist vielfältig bekannt und erlebt. Seine Aussageabsicht ist klar erkennbar.

Ich persönlich finde diesen Text auch sehr gut. Denn ich kann mich sehr gut mit beiden Personen identifizieren. Man hat keine innere positive Einstellung zu einer Sache, tut sie aber trotzdem, um anderen zu gefallen oder um diese nicht zu enttäuschen.

Ich denke, dass jeder Mensch eine solche Situation schon einmal erlebt hat. Außerdem gefällt mir der Erzählstil auch sehr. Es findet kein Dialog statt, sondern man nimmt nur Teil an Gedankengängen. Diese Gedankengänge ermöglichen es viel besser, sich mit den erlebenden Personen zu identifizieren als beispielsweise ein Dialog.

 

Frauke Erdmann


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