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Interkulturelles
Lernen
0.
Terminologie
-
grundsätzliche
Schwierigkeiten bei der Begriffsdefinition:
-
Synonymbezeichnungen:
„Interkulturelles Lernen“, „Interkulturelle Erziehung“, „Interkulturelle
Bildung“, „Interkulturelle Pädagogik“, etc.
-
Der Begriff
„Interkulturelles Lernen“ als Bestandteil im Prozess der „Interkulturellen
Erziehung“
-
Der Terminus
„Interkulturelles Lernen“ hat den Vorteil, in offener und neutraler Weise den
Prozess des Lernens über die Grenzen von Kulturen und Lebenswelten hinweg zu
benennen. (Geisz, 2002)
1.
Definitionen
Sandfuchs (2001): Das Konzept der interkulturellen Erziehung bezieht
sich auf die gemeinsame Erziehung von Menschen aus verschiedenen Kulturen, mit
verschiedenen Sprachen, Religionen und Weltanschauungen.
Interkulturelles Lernen wird nicht nur von den Migranten
(Ausländern) erwartet, sondern auch von der eingesessenen Bevölkerung.
Nieke (1993):
Interkulturelle Erziehung soll auf ein vernünftiges Zusammenleben der
einheimischen Majorität mit den zugewanderten Minoritäten vorbereiten.
Thomas (1988):
Interkulturelles Lernen findet statt, wenn eine Person bestrebt ist, den
Umgang mit Menschen einer anderen Kultur deren spezifisches Orientierungssystem
der Wahrnehmung, des Denkens, Wertens und Handelns zu verstehen, in das
eigenkulturelle Orientierungssystem zu integrieren und auf ihr Denken und
Handeln am fremdkulturellen Handlungsfeld anzuwenden.
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Taylor (1993):
Die Annahme der Gleichwertigkeit ist eine notwendige Voraussetzung für die
Beschäftigung mit dem Fremden.
Luhmann (1991), Speck- Hamdan (2000): Erst das Fremde, die Differenz
gibt die Grundlage für das Erkennen der eigenen Identität
2.
Geschichtlicher Rückblick
2.1
Wieso interkulturelle Erziehung?
§
Politisch,
ökonomisch und gesellschaftliche Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg
- die
internationale Migration
- die
europäische Einigung
- Prozess der
Globalisierung
§
Deutschland:
è 1955: Beginn der Anwerbung von
fremdländischen Arbeitskräften („Gastarbeiter“) zunächst unter dem Prinzip der
„Rotation“ auf Grund der geburtenschwachen Phase der letzten Nachkriegsjahre,
Bau der Berliner Mauer, etc.
è 1972: Anwerbestopp auf Grund des
konjunkturellen Abschwungs und der damit verbunden Arbeitslosigkeit,
Familienmitglieder bereits eingewanderter AusländerInnen werden nachgeholt
=> Zahl der ausländischen schulpflichtigen (Beschluss der KMK von 1964)
Kinder steigt sprunghaft an
è bildungsadministrative Reaktionen notwendig
Mit den Menschen sind viele unterschiedliche Sprachen,
Lebensweisen und Glaubensvorstellungen in die verschiedenen Zielländer,
darunter auch nach Deutschland zugewandert.
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ÞDie
Anwesenheit von Ausländern in deutschen Schulen als Chance zur Bereicherung des
Unterrichts nutzen!
2.2.
Phasen der schulischen Reaktion auf die ausländischen Schüler (Erste chronologische Darstellung: Wolfgang
Nieke (1986, 1992/ 1995, 2000²))
§
Erste Phase:
„ Ausländerpädagogik als Nothilfe“ (Kompensatorische Pädagogik) (1970er Jahre)
-
Zielgruppe: ausländische SchülerInnen
-
Spezielle
Vorbereitungsklassen zur Einführung in die Ortssprache
-
Defizitpädagogik: Defizite vor allem in der Sprache
müssen ausgeglichen werden
-
Assimilationspädagogik: Anpassung an die deutsche Sprache und
Kultur
-
Bildungspolitische
Doppelaufgabe: Integration
in die deutsche Gesellschaft für die Dauer des Aufenthalts und zugleich die
Erhaltung der Rückkehrfähigkeit
-
Grundüberlegungen:
à
Probleme werden sich von selber lösen, wenn die Kinder die Sprache ausreichend beherrschen
à
zeitlich begrenzte Immigration, d.h. man war überzeugt davon, dass die
Immigranten bald wieder heimkehren würden.
§
Zweite
Phase: „Kritik an der Ausländerpädagogik und Assimilationspädagogik“ (1980er Jahre)
-
Kritik: Stigmatisierung der Kinder, Dominanz der Mehrheit
(Germanisierung)
-
Migration wird als
dauerhaft anerkannt
-
Zwei
Richtungen:
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-
Hervorhebung der
interkulturellen Unterschiede steht im Vordergrund
-
Erste
Modellversuche zum zweisprachigen Unterricht
à
Hinwendung zur Kultur des Migranten; auch die deutschen Kinder sollen etwas
über die Heimat ihrer ausländischen Mitschüler erfahren und daraus lernen
können
à
Überbetonung der kulturellen Unterschiede führt zur Verstärkung der
Diskriminierung
§
Dritte
Phase: „Konsequenzen aus der Kritik: Differenzierung von Förderpädagogik und
Interkultureller Erziehung“ (
Mitte der 1980er Jahre)
-
Förderung der
Identität, d.h.
gleiche Chancen gemäß der Möglichkeiten des Individuums sowohl für deutsche als
auch für ausländische Kinder
-
Thematisierung der
verschiedenen kulturellen Hintergründe im Unterricht
-
Forderung nach
Zweisprachigkeit aller Kinder
§
Vierte
Phase: „Erweiterung des Blicks auf ethnische Minderheiten“
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3.
Rechtliche Begründung für Interkulturelles Lernen in der Schule
§
Grundgesetz
Art. 3 Abs.3
Niemand
darf wegen [..] seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat
und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen
benachteiligt oder bevorzugt werden.
§
Bayerische
Verfassung Art. 131 Abs. 2,3
(2)Oberste
Bildungsziele sind [..] Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des
Menschen [..]
(3)
Die Schüler sind [..] im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.
§
KMK –
Empfehlung von 1996
-
wesentliche
Merkmale und Entwicklungen eigener und fremder Kulturen
-
Gemeinsamkeiten
und Unterschiede der Kulturen und ihre gegenseitige Beeinflussung
-
Menschenrechte in
universaler Gültigkeit und die Frage ihrer kulturellen Bedingtheit
-
Entstehung und
Bedeutung von Vorurteilen
-
Ursachen von
Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
-
Hintergründe und
Folgen naturräumlicher, wirtschaftlicher, sozialer und demographischer
Ungleichheiten.
-
Ursachen und
Wirkungen von Migrationsbewegungen in Gegenwart und Vergangenheit.
-
Internationale
Bemühungen zur Regelung religiöser, ethnischer und politischer Konflikte.
-
Möglichkeiten des
Zusammenlebens von Minderheiten und Mehrheiten in multikulturellen
Gesellschaften.
§
Lehrplan
Der
Bereich „Interkulturelle Erziehung“ fällt im Lehrplan unter
„fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsaufgaben“
Interkulturelle Erziehung – Miteinander und voneinander
lernen (LP2000 Kap. IIA)
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