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Informationstypen in zweisprachigen Wörterbüchern
I. Einsprachige und zweisprachige Wörterbücher
-
zweisprachiger Wörterbücher = höchst komplexe
Gebilde
-
im Unterschied zu den einsprachigen Wörterbüchern
sind die sprachliche Anforderungen an den Benutzer bei zweisprachigen WB viel
geringer
-
die zweisprachigen Wörterbücher sind v. a. für die
Unterrichtanfänge einer Fremdsprache und für schnelle Nachschlagen von
Fremdwörtern nützlich
-
der Unterschied zwischen ein- und zweisprachigen
Wörterbücher:
o einsprachige
Wörterbücher = Aussagen über lexikalischen Einheiten einer Sprache (L1) durch
andere lexikalische Einheiten dieser Sprache
o zweisprachige
Wörterbücher = Relationen zwischen lexikalischen Einheiten zweier Sprachen und
Darstellung von Aussagen über lexikalischen Einheiten einer Sprache durch die
andere
-
das Problem der zweisprachigen Wörterbücher liegt
in den Äquivalentbeziehungen zwischen den einzelnen Sprachen – diese Bezihungen
sehr komplex, häufig ungenau oder vag
-
ein weiteres Problem – die Wörterbücher sind in der
Regel 2-teilig (L1 = die Muttersprache, L2 = die Fremdsprache):
o Teil
L1 → L2
o Teil
L2 → L1
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-
Lösung: 4-teilige Wörterbücher:
o L1
→ L2-Teil für Benutzer mit L1 als Muttersprache, auf produktive
Nachschlagebedürfnisse hin konzipiert
o L1
→ L2-Teil für Benutzer mit L2 als Muttersprache, auf rezeptive
Nachschlagebedürfnisse hin konzipiert
o L2
→ L1-Teil für Benutzer mit L1 als Muttersprache, auf
rezeptive Naschlagebedürfnisse hin konzipiert
o L2
→ L1-Teil für Benutzer mit L2 als Muttersprache, auf produktive
Nachschlagebedürfnisse hin konzipiert
-
die Äquivalente in zweisprachigen Wörterbücher =
die Übersetzungsäquivalente im Sinne von Wörtern, die in einem Kontext in einer
L2-Sprache als Entsprechung von Wörtern einer L1-Sprache verwendet werden
können
-
Funktion der Äquivalenten = die Bedeutungsangabe
-
der Informationstyp Bedeutungsangabe ist jedoch bei
den zweisprachigen Wörterbüchern unterschiedlich als bei den einsprachigen
Wörterbüchern
II. Aquivalente im zweisprachigen Wörterbuch
Typen der Äquivalenz
1.
Lexikalische und übersetzungstheoretische
Äquivalenz
-
es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen
lexikalischen Einheiten als Übersetzungsäquivalenten in einem Wörterbuch und
den Einheiten, die im konkreten Text verwendet werden, wenn dieser Text einen
äquivalente Übersetzung darstellt → es ist nötig, die in zweisprachigen
Wörterbüchern angegebene Übersetzungsäquivalente nicht ohne Reflexion und immer
mit Rücksicht auf den Kontext zu verwenden
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-
die Schlussfolgerung: die lexikographischen
Äquivalente ≠ die übersetzungtheoretische Äquivalente
2.
Lexikographische und strukturell-semantische
Äquivalente
Problem:
Arbitrarität der Bedeutungen
-
die Sprachen haben unterschiedliche Inventare von
Konzepten und die Bedeutungen der einzelnen Wörter decken sich miteinander teilweise
oder gar nicht immer über (z. B. engl. small, little x dt. klein)
-
→ es bestehen Unterschiede im emotionalen und
konnotativen Bereich, konzeptuelle Unterschiede, einige Wörter werden in beiden
Sprachen unterschiedlich verstanden (Unterschiede in Prototypen)
-
die Deckung der Denotaten ist nicht gleich
-
die Äquivalenz zwischen lexikalischen Einheiten
zweier Sprachen kann 1:1 sein, in vielen Fällen stehen aber einer Einheit der
L1-Sprache zwei oder mehrere Einheiten der L2-Sprache gegenüber oder gar keine
-
→ Existenz von Divergenzen und Konvergenzen
zwischen den Sprachen
-
ein Lexem kann gleichzeitig in Konvergenz- sowie in
Divergenzbezihung stehen → es besteht also ein ganzes Geflecht von
Äquivalenzbezihungen und die adäquate lexikographische Darstellung ist sehr
komplex
-
daneben tritt noch das Problem der Polysemie ein
-
Unterschied zwischen Divergenz und Polysemie:
o Divergenz
betrifft die Lexeme
o Polysemie
betrifft die Bedeutung
Lexikographische
Äquivalente
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für Beschreibung des Charakters von Äquivalenten im
Verhältnis zum Lemma sind folgende Kriterien nützlich:
o Äquivalente
sind immer Äquivalten zum etwas, zu einem Lemma. Das gilt nicht umgekehrt.
o Äquivalent
und Lemma sind Lexeme → damit die Institutionalisierung des Wortes
impliziert → Ad-hoc-Wortbildungen oder Paraphrasen nicht als Äquivalenten
im Wörterbuch, sondern als Bedeutungsangaben zu sehen
o Äquivalente
sind Lexeme, die in L2-Teilen verwendet werden und semantisch als Entsprechung
zur Verwendung des Lemmas in Texten einer L1-Sprache fungieren können
o Äquivalenzcharakter
kann durch Spezefizeirungen eingeschränkt und präzisiert werden
o Lemma
und Äquivalente sind nur im Hinblick auf den Skopos des Wörterbuchs zu
interpetieren
3.
Lexikographische Darstellungsformen
Spezifizierung
von Äquivalenten
-
aus den Eiträgen eines zweisprachiges Wörterbuches
sollte klar sein, welches Äquivalent im welchen Kontext angebracht wird (bei
den älteren Wörtebüchern problematisch)
-
→ Differenzierung und Kommentierung durch
folgende Mittel:
o Spezifizierung
im Hinblick auf Denotaten oder Verwendungskontext des Lemmas
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o Spezifizierung
hinsichtlich der Kollokatoren, mit denen das Lemma auftreten kann
o Spezifizierung
der Kollokatoren, mit denen die Äquivalente autreten können
-
auch Lexikoparametern der Akkuratheit und
Vollständigkeit sind zu berücksichtigen
Weitere
Markierungen
1.
stilistische Markierungen – nur beim Unterscheiden
zwischen Lemma und Äquivalent
Markierung von
Idiomen
2.
problematisch und nicht immer üblich
3.
die Idiomen einer L1-Sprache werden entweder als
äquivalentes Idiom oder durch eine allgemeine Formulierung übersetzt
III. Bedeutungsangaben im zweisprachigen Wörterbuch
1.
Bedeutungsangabe als Informationsptyp
-
es gibt Fälle, wenn einem Lexem einer Sprache kein
Lexem in der anderen Sprache entspricht – am meisten bei den Kulturuspezifika
-
→ Gefahr – Angeben von unäquivalenten Lexemen
-
→ es ist also erforderlich, den Grad der
Differenzierung anzugeben und semantisch unterzuspezifizieren
-
im Fall, wenn für eine lexikalische Einheit kein
semantisch adäquates Äquivalent existiert → eine Bedeutungsangabe
angegeben
2.
Lexikographische Darstellungsformen
-
zwischen den Informationstyp Bedeutungsangabe und
den Äquivalenten muss im Wörterbuch differenziert werden – das kann auf
verschieden Weisen geschehen:
o durch
Paraphrasen, die sicher mit Informationstyp Äquivalent nicht verwechselt werden
können
o durch
zusätze zu Quasi-Äquivaltenen, die auf diese Weise als semantisch
unterdifferenziert markiert sind
o durch
Differenzierung von Äquivalenten durch eine andere Drucktype oder
entsprechendes Symbol
o durch
Hinzuzufügen eines Kommentar – „cultural note“
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