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Hyperion oder der Eremit in
Griechenland
(Friedrich Hölderlin)
Deutschlandkritik
Einleitung.Es
ist ein elegischer, lyrischer Ich-Roman in Briefform geschrieben. Goethes
Leiden des jungen Wethers diente ihm als Vorbild. Der Unteschied aber
zwischen diesen zwei Romanen liegt darin, dass Werther in geringster
zeitlichen Distanz geschrieben ist, womit die Stimmungen und Gefűhle des
Helden unmittelbar wiedergegeben sind, während es in Hyperion um die
Rekapitulation dessen geht, was schon vollgezogen ist.
Im Rűckblick auf
sein bisheriges Leben , drűckt Hyperion seine Gedanken űber die
Erziehung des Einzelnen und des ganzen Volkes, die Enttäuschung wegen der
gesellschaftlichen Situation zu jener Zeit und Vollkommenheit des griechischen
Volkes aus. Der Roman beginnt mit der Rűckkehr aus Deutschland und beendet
sich mit dem Aufbruch nach Deutschland , womit die ganze Handlung den kreisförmigen
Verlauf bekommt.
Deutschlandkritik.
Ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen.
Handwerker siehst du , aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen,
Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesetzte Leute,
aber keine Menschen .
Das ist die scharfe Strafrede Hyperions gegen das deutsche Volk am Ende des
Romans.
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Unnatűrlichkeit und Berechnung. Diese allberechnenden Barbaren sind aus
der Einheit mit der Natur herausgefallen und achten das Göttliche nicht ,
weswegen sie das Leben selbst in Teilen zerspalten und es durch enge
Lebenssphären betrachten.
Er sucht die ganzen, vollkommenen
Menschen, kann sie aber hier nicht finden. Sie leben in einer begrenzten und
mechanischen Welt der Funktionalität. Diese kapitalistische Berufsabteilung ermöglicht
nur einseitige und oberflächliche Entfaltung der Einzelnen. Der Mensch ist
durch Profitmacherei in einer solchen Gesellschaft unterdrűckt. Man sucht
nur seinen Nutzen und ist auf seinen individuellen Zweck gerichtet.
Jeder treibt seine
Arbeit, jeder will nur das Eigene, ohne wirklich froh und frei zu sein, und
bedarf nur das Notwendigste. Beschränkt in ihren speziellen Tätigkeiten bleiben
sie gefűhllos fűr die Liebe oder Schönheit, die fűr Hyperion die
wichtigsten Kriterien sind. Diese Denkweise űbertragen sie auf ihre
Kinder und so verharren sie in diesem Zustand . Die Deutschen funktionieren als
isolierte Individuen, getrennet voneinander , getrennt von ihrem Ursprung und
vermögen die Kraft der Natur , die alles versöhnt, nicht zu erkennen.
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Die einzigen, die der
göttlichen Natur bewusst sind, sind Dichter und Kűnstler, sind aber
unverstanden, weswegen sie ihre Aufgabe der Korrektur und Aufklärung des Volkes
nicht ausfűhren können.
Deutschland, aber auch
die ganze moderne Welt werden nicht nur hier kritisiert, sondern verhűllend
űberall in Griechenland, wo er auf die verwesten und verwahrlosen
Städter stoßt, die dűrftige Leben fűhren.Sie haben sich auch von
ihrer eigenen Natur entfremdet und sind daher gegen das geistig göttliche
Dimension des Lebens immun. Sinnliche Befriedigung und schnelles,
pragmatisches, kurzfristiges Lösen der Alltagsprobleme sind ihnen wichtig. Sie
sind Knechte ihrer eigenen Leben, weil sie zur Selbstbestimmung oder
Neubestimmung des Lebens unfähig sind. Das ist Hyperions Klage űber das
dűrre Jahrhundert. Doch
ist diese harte Kritik an die Umstände in Deutschland nicht eine Folge des
Hasses Hölderlins gegenűber seinem Volk. Im Gegenteil, er ist höchst enttäuscht wegen der
Untreue des Volkes gegen seinen eigenen Geist. Er glaubt, dass
die Deutschen die Keime fűr eine bessere Zukunft tragen ,die jedoch noch
nicht entwickelt ist. Er wollte damit seine Zeitgenossen mahnen, sich zu
verwirklichen.
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Das bedeutet, dass jedes Volk seinen eigenen Geist
besitzt. Dieser Volksgeist oder das Nationale, Originale ist dem Volk während
seiner mystischen Entstehung von der göttlichen Natur gegeben. Es hat nichts
laut Hölderlin mit dem Klima, der Religion oder Philosophie einer Nation zu
tun.
Diese sind nur deren Frűchte. Diese Eigenart einer Nation erfűllt auch jeden
Einzelnen mit seinem Inhalt. Jedes Volk sollte
seine spezifische Zűge erkennen , entsprechende Form während der
Geschichte finden, und so zu einer neuen Synthese kommen. Aber nicht zu
frűh. Man muss das Eigene gut lernen und beherrschen als das Fremde und so
reif werden. Zur Selbsterkenntnis kommt ein Volk, erst als es zum Nationalen
gewisse Distanz gewinnt, erst als es etwas Neues aufnimmt.
Das Gegebene und Spezifische auf der einen Seite und
das Neuerworbene auf der anderen sind dann Gegensätze, die zu einer
harmonischen Einheit (Harmonisch-Entgegengesetzte ), zum Maß
zusammenzufűhren sind. Das Athenland wird nie wieder hergestellt werden,
weswegen Hölderlin neue Synthese sucht. Den Deutschen ist die Nűchternheit
angeboren, den Griechen dagegen das Pathos und Feuer.
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hängt eng zusammen mit Hegels Dialektik, die sich aus 3 Stufen besteht - These,
Antithese und schließlich neue Synthese. Diese neue Synthese ist noch nicht in
Deutschland zu jener Zeit verwirklicht.
Noch immer ist dort die bloße Vernunft ohne Geistes-
und Herzensschönheit die Königin. Die Klassenspaltung und Verlust des Einklangs
mit den Gesetzen der Natur, die er kritisierte , ist aber in diesem Sinne die
Voraussetzung fűr die Herstellung der natűrlichen Harmonie, der Weg ,den
nicht nur ein Volk, sondern auch ein Mensch gehen muss, um die seelige
Einigkeit zu erreichen. Das ist das eine Ideal, die Vollendung, und das andere
ist die schuldlose Kindheit.
Der Weg zwischen diesen zwei ( durch Negation ) nennt
Hölderlin exzentrische Bahn.
Das Kind befindet sich in einer
vollkommenen Harmonie. Es ist ein göttliches und autonomes Wesen, das noch
nicht vom gesellschaftlichen Zwang , von der Gabelung zwischen Leben und Geist
weiß. Es ist völlig frei: Ein göttlich Wesen ist das Kind, solang es nicht
in die Chamäleonfarbe der Menschen getaucht ist. Es ist ganz, was es ist, und
darum ist es so schön. Der Zwang des Gesetzes und des Schicksals betastet es
nicht ; im Kind ist Freiheit allein.
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