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Diese Arbeit wurde von Carina Unterpertinger und Nina Heidlmeir in
Partnerarbeit erstellt. Im Rahmen unserer Lehrveranstaltung Die historische
Dimension der deutschen Sprache haben wir uns mit verschiedenen
Sprachstufen auseinandergesetzt, bestimmte Textstellen anhand des Leitfadens,
der uns zu Beginn der Lehrveranstaltung ausgeteilt wurde, miteinander
verglichen, grammatische Phänomene herausgearbeitet, analysiert und schriftlich
belegt.
Darüber hinaus haben wir zusätzliche Quellen herangezogen, um unsere
bisherigen Kenntnisse zu vertiefen bzw. zu ergänzen.
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1. Der Tatian-Text ist nicht bairisch,
weil die Medienverschiebung nicht vollständig durchgeführt ist: Für das ahd.
/d/ wird in der Textstelle bis auf eine einzige Ausnahme stets <th>
geschrieben zum Beispiel <ander>.
Es ist also anzunehmen, dass die
Verschiebung von /Z/ noch nicht vollständig durchgeführt ist. Im Bairischen dagegen
setzt das schon früher ein und die Schreibung von <d> ist üblich.
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3. Allographe für die Affrikata [kx]
kommen nicht vor.
Da also in diesem Text aus dem 9. Jhdt. diese drei Merkmale des
Bairischen nicht vorkommen (/kx/ statt /k/, /p/ statt /b/, /d/ statt
<th>), kann man ausschließen, dass er bairisch ist. Da aber vorahd. /d/
schon durchgehend /t/ ist (zB <inti>), ist er wohl ostfränkisch.
Mentel verfasst seine Textstelle um 1466, das Evangelienbuch wurde
1343 von Otfrid von Weißenburg verfasst. Die beiden Texte weisen
unterschiedliche Merkmale auf, die im Folgenden genauer erörtert werden:
Im EB ist noch eher der mhd. Sprachstand vertreten. Der etwas später
entstandene Mentel-Text weist bereits Diphthonge auf. Beispiel: Während das EB
noch von einem <gasthûse> spricht, hat der Mentel-Text bereits den
Lautwandel der Fnhd.
Diphthongierung vollzogen, was am Wort <gasthaus>
deutlich wird. Ein weiterer Diphthongwandel zeigt sich an den Beispielen
<heut> und <euch>, die im EB noch als <ûch> und <hûte>
realisiert wurden. Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass der Mentel-Text
progressiver im Bezug auf die Fnhd.
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Apokope und Synkope sind in den beiden Texten wichtige Hinweise auf
akzentbedingte Reduktion. Dabei sind vor allem (Wortbildungs-) Affixe und
Flexive betroffen:
Es finden sich dabei zahlreiche Beispiele im Mentel-Text, von denen
einige im Folgenden dem EB gegenübergestellt werden:
Belege von
Lukas 2, 6-8:
EB
Mentel
Beschreibung
<tage>
<die tag>
Apokope
<gebornen>
<geborn>
Apokope
<mit
tủcheren>
<in
tủch>
Apokope
<wâren>
<warn>
Synkope
Der Mentel-Text synkopiert bzw. apokopiert deutlich mehr als das EB.
Beim EB hingegen bleibt der Schwa-Laut /ə/ erhalten (Beispiel:
<tage>). Mentel apokopiert die Flexive größtenteils. Er setzt in Folge
jeweils den bestimmten Artikel davor, da ohne diesen die Bestimmung von
Geschlecht, Numerus und Kasus des Substantivs nicht möglich wäre (Beispiel:
<die tag>).
Ein weiteres Phänomen im Mentel-Text ist die Senkung und Öffnung des
Vokals /i/ zu /e/:
EB
Mentel
Beschreibung
<Ãelbin>
<Ãelben>
Akzentbedingte Reduktion: /i/ > /e/
Senkung / Öffnung im Nebenakzent
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Zusätzlich lehnt sich das EB an die ursprüngliche Übersetzung von
Tatian an und verwendet ebenfalls die Präposition <mit> und in Folge
dessen den Dativ Plural.
Aufgrund dieser Überlegungen erscheint uns der Text des
Evangelienbuchs als traditioneller.
Bei der Analyse biblischer Textstellen (Die Weihnachtsgeschichte,
Lukas 2, 6-11) von der Vulgata bis zu Mentel zeigen sich bestimmte
graphematische, phonetisch-phonologische, morphologische, syntaktische und
lexikalische Merkmale der jeweiligen Sprachstufe.
Dies wird im Folgenden an der Textstelle Absatz 7, Zeile 3-4
gezeigt:
Besonders deutlich sind die Unterschiede in der Graphematik
erkennbar. So wird bei Tatian das Graphem <uu>, ein labiovelarer
Halbvokal, ausgesprochen wie das Englische [w], wohingegen Otfrid von
Weißenburg und Mentel <w> für das Phonem /w/ verwenden.
Des Weiteren wird
im EB und Mentel der Präfix <bi-> synkopiert.
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