Allgemeines von Rolf Stangenberg (Homepage im Internet)
Ansonsten lerne auch ich jeden Tag dazu. Die
Erkenntnis der letzten Tage, die mich sehr berührt hat, habe ich in meinem
neuen Artikel zum Ausdruck gebracht. Ich halte sie für mich wie für viele andere
von großer Wichtigkeit, wenn wir uns mit liebevollen Menschen umgeben wollen.
6. Artikel "Der ganz normale
Wahnsinn"
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Das Leben des Menschen hängt ab von seinen
Motiven. Jeder Mensch lebt sein Leben aus der Überzeugung, was er für wichtig
hält und was nicht. Es gibt somit eine meist unbewusste Hierarchie von
Wichtigkeiten, nach denen der Mensch lebt und handelt. Bei allen steht das Ziel
zu überleben normalerweise an erster Stelle. An oberster Stelle stehen also die
Nahrungsbeschaffung und das Dach überm Kopf. Deswegen ist den Meisten
verständlicherweise das Geld so wichtig. Wenn man sich eine finanzielle
Grundlage geschaffen hat, werden die weiteren Aspekte der
"Bedürfnisbefriedigung" wichtig. Aber was steht bei fast allen an 2.
Stelle? Nun, womit wir uns dann am meisten beschäftigen. Das womit wir uns am
meisten beschäftigen, ist das, was uns am wichtigsten ist, nicht wahr? Aber,
was ist das?
Liebe? Freundschaft? Frieden? Freude?
Weit gefehlt!!!
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Das ist es also, Recht haben zu wollen, was
dem „Menschen“ am allerwichtigsten ist. Die Sucht nach Selbstbestätigung. Ob
sie nun über eine Sache reden (diskutieren), sich auf die eine oder andere Art
und Weise darstellen oder eine Rolle spielen, was auch immer, all das soll dazu
dienen, dass wir den einen oder anderen davon überzeugen wollen, dass wir gut
genug sind, ein toller Typ sind, besser als andere sind, es wert sind mehr als
andere geliebt zu werden etc..
Und obwohl wir auf diesem Wege nie erreichen,
was wir wollen, sind wir felsenfest davon überzeugt, dass es Not-wendig ist.
Der Partnersuchende hält es für notwendig, einen für ihn attraktiven Partner
davon überzeugen zu müssen, dass er der Beste für ihn ist. Der Arbeitssuchende
hält es für notwendig, dass er den Arbeitgeber davon überzeugen muss, dass er
der beste Angestellte ist. Einem Freund will man beweisen, dass man sein bester
Freund ist... Und so stehen wir ständig unter einem Überzeugungsdruck, der mich
zwingt, anderen zu beweisen, dass ich gut bin: Seht her! Bin ich nicht toll,
guck mal, was ich alles kann, ich bin doch besser, als die anderen, oder? Seht
her! Ich habe mehr Macht (Geld) und weiß mehr als ihr.
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Jedes Überzeugenwollen schafft Widerstand!
Das ist das Drama. Stell Dir einmal vor, Du
suchst einen Partner. Jetzt lernst Du jemanden kennen, den Du attraktiv findest.
Genau in diesem Moment bekommst Du Angst, dass er Dich ablehnen könnte. Schon
wirst Du damit beginnen, ihn überzeugen zu wollen, dass Du der einzig Richtige
für ihn bist. Und? Was wird passieren? Er wird Distanz zu Dir aufnehmen und
sich langsam von Dir zurückziehen bis er sich irgendwann (manchAmal in einer
Ehe auch nur innerlich) von Dir trennt. So kreieren wir, ohne es zu merken,
unser Alleinsein immer wieder von neuem. Wir verlieren so unseren Partner und
unsere Freunde. Glückliche Beziehungen zu führen gelingt also erst, wenn ich
mich gut genug fühle. Nur, wer fühlt sich gut genug? Nur der, der "nichts
mehr tut", der nicht mehr beweisen muss, dass er gut genug ist.
Kurz, der, der frei ist.
Freiheit ist immer die Freiheit von meinen
Gedanken und von meinen Gefühlen. Ein Meister sagte einmal: "Mir ist es
egal, was ich denke". Diesen unverständlich erscheinenden Satz kann man
jetzt nachvollziehen. Hinter ihm steckt das Wissen, welches uns befreien kann.
Nur der, der sich bedingungslos so akzeptiert und liebt, wie er ist, kann
geliebt werden! Kann Menschen und Kunden für sich gewinnen. Nur, wer kann das?
Diese "Kunst" (jemand sagte einmal "Kunst kommt von
Können") versuche ich in meinem Seminar "Erfüllte Beziehungen und Partnerschaften"
zu lehren.
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Bei einigen Menschen wird der Drang Recht
haben zu wollen sogar wichtiger als zu überleben. Dann wird der Zwang
überzeugen zu wollen dazu führen, dass wir sogar bereit sind, dafür zu sterben.
Wir sind mehr mit unseren Überzeugungen identifiziert als mit unserem Körper.
Der "Verlust unserer Gedanken" scheint zum Verlust unserer Identität
zu führen. In diesem Falle kann es sogar passieren, dass wir uns eine tödliche
Krankheit, einen tödlichen Unfall kreieren oder Selbstmord begehen. Wenn wir
genau hinschauen, wählen wir dann die Krankheit als letztes Mittel, um auf uns
aufmerksam zu machen und zu dokumentieren, dass wir alles menschenmögliche
getan haben, um zu beweisen, dass wir gut genug sind und es trotzdem nicht
geschafft haben. Wir demonstrieren durch die Krankheit unsere
Hoffnungslosigkeit. Es ist der letzte Versuch, ein Hilfeschrei nach Anerkennung
und Liebe. Der letzte Versuch auf diese Weise zeigen zu wollen: Seht her! Ich
bin doch gut genug!
Nur, keiner hat es mitgekriegt. Vor allem ich
selbst nicht! Ich selbst fühle mich nicht gut genug, und denke, dass ich nicht
gut genug bin. Deshalb muss ich es mir und anderen ja immer wieder beweisen.
Was? Dass ich gut genug bin, oder dass ich nicht gut genug bin? Beides !!!
Das ist der ganz normale Wahnsinn!
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Auszug auf
dem Gespräch mit Rolf Stangenberg (mein Mann ist sozusagen über Nacht abgehauen,
ich war panisch, kurz vorm Selbstmord):
Jedes
Müssen ist ein Zwang und jeder Zwang, hinter jedem Zwang, hinter jedem Gefühl: “ich
muss was tun“, steckt Angst. Und wenn Du schon mal bei der Angst bist, bist Du
schon ziemlich nahe an der Ursache, zumindest mal an der Ursache in dem Sinne,
dass, wenn Du keine Angst hättest, Du auch nicht mehr einem Zwang unterliegst,
und dadurch auch nicht mehr dem ständigen Gefühl von „was muss ich denn noch
tun“, was Dich wieder ins Kämpfen bringt, in das Anstrengen, in das Umbringen,
in das Verzweifeln, und Du kommst trotzdem nie an.
Also
das ist etwas, was nicht funktioniert. Man könnte also sagen, dass einzige, was
es zu tun gilt, ist die Angst und die Ängste, die in Dir sind stecken,
aufzulösen. Und wenn die weg sind, dann ist auch jeder Zwang weg, dann ist auch
jedes Müssen weg und jedes Kämpfen, jede Anstrengung, und dann bist Du wie das
Wort es ja umgekehrt sagt, das Wort Angst kommt von dem Wort Enge, und die
Umkehrung wäre eben nicht eng, nicht be-engt zu sein, also frei zu sein, und
das ist – wenn Du das so willst – ein Wort, worum es geht, frei zu werden.
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