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Heinz Abels zu Erving Goffman (Page 3).rtf

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Faculty
Social Science
Discipline
Sociology
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Paper
University, School
Universität Hamburg
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2008 Carsten Heinze
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Sociology

Zusammenfassung Zivilisation und Gewalt
III Zivilisation und Gewalt: Über das Staatsmonopol der körperlichen Gewalt und seine Durchbrechungen · I. · Zivilisation: niemals beendet und immer gefährdet · gefährdet: Sicherung zivilisierten S

Das muss nicht so sein, wenn die Rollendistanz auf eine Art und Weise erfolgt, die eine Neugestaltung der Situation, Fassaden und Zuschauer zulässt. Der Darsteller muss die anderen Rollen, die er noch in seinem Programm hat, durchschimmern lassen (was nach Abels sowieso nicht verhindert werden kann).

Er übt sie erst dann aus und lässt sie erst dann sichtbar werden, wenn ihm der Zeitpunkt geeignet erscheint. Dramatische Darstellungen zeigen immer nur einen kleinen Teil aus einem größeren Spektrum der Wirklichkeit und man spielt immer nur einen Teil der Rollen aus seinem Repertoire. Der Darsteller verwahrt sich stets ein Stück vor der Vereinnahmung durch die Ansprüche an seine Rolle, was seinem Publikum jedoch nicht unbedingt bewusst sein muss.

Er kann verbale „Anzeiger“ als Appell aussenden, nicht alle Hinweise in der Situation zu seiner Selbstdefinition auch als solche zu nehmen. Bei Rollendistanz wird die Verbindung zwischen dem Subjekt und seiner vermuteten Rolle aufgehoben, sie werden sozusagen entkoppelt.

Unwahre Darstellungen

Das Publikum wittert mitunter den Grad des Wahrheitsgehaltes einer Darstellung. Bei unwahren Darstellungen ist das Publikum unterschiedlich strikt, je nach dem, was es verzeihlich findet oder nicht, wenn die unechte Darbietung nicht sogar seine Zustimmung erhält. Das ist der Blick aus der Warte des Empfängerkreises.

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Zwischen den beiden Polen der Wahrheit und der Lüge existiert ein weiter Bereich. Es besteht ein gewisser Spielraum im sprachlichen Austausch, sich nicht genau festzulegen, so dass man keiner direkten Lüge bezichtigt werden kann. Etwas wird nur angedeutet, etwas bleibt bewusst zweideutig, man lässt Dinge aus, man gebraucht irreführende Reihenfolgen.

Ein »falscher Eindruck« birgt die Gefahr des Verlustes der Glaubwürdigkeit oder einer inneren ängstlichen Verspannung, solange die Vorstellung andauert.

Mystifikation

Wenn ein ganz bestimmter Eindruck erzeugt werden soll, ist die Mystifikation ein bewährtes Mittel. Dazu ist es notwendig, einen zwischenmenschlichen Abstand zu erzeugen. Distanz verhindert Nähe und aus der Ferne kann nicht mehr so genau hingeschaut werden. Genauso wirksam ist es, sich geheimnisvoll zu geben, nebelhafte Anspielungen zu machen und vage zu bleiben.

Das alles dient dazu, den Eindruck zu erwecken, etwas Besonderes zu sein.

Dichtung und Wahrheit

Bei der letzten Technik, die Abels vorstellt, geht es darum, die Bereitwilligkeit des Publikums, an die Echtheit der Darstellung zu glauben, zu fördern. Je ursprünglicher und unwillkürlicher ein Verhalten wirkt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Publikum es als echt annimmt.

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Das bezeichnet Abels als »Dilemma von Betrug und Moral«. Das Dilemma glaubt Abels jedoch dadurch aufgelöst, dass es nicht das Entscheidende ist, was realer ist: die konstruierte Wirklichkeit oder die Wirklichkeit, die der Darsteller zu verbergen versucht. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass das, was Menschen als real wahrnehmen, zu realen Auswirkungen führt.

5. Identität - phantom normalcy, phantom uniqueness

Darstellung der Normalität, Darstellung der Einzigartigkeit heißt Abels letzter Abschnitt zu Goffman. Die Individuen beschirmen ihre Identität vor Gefahren. Sie vermeiden Beachtung, um nicht zu sehr aus der Menge herauszuragen, weil dass dazu führen könnte, dass jemand ihre Grenzen überschreitet und sie suchen Beachtung, um nicht in der Anonymität zu verschwinden.

Damit bewegen sie sich zwischen den Polen von Distanz und Nähe, die sie jeweilig herstellen müssen und sie stehen in dem gegensätzlichen Anspruch, gleichzeitig einzigartig und doch genauso wie alle anderen zu sein.


Es ist dem Subjekt ein Bedürfnis, wie alle und doch wie keiner zu sein, jedoch fühlt es sich an beiden Extrempunkten der Pole nicht wohl. Es muss daher versuchen, sich stets in einem Bereich zu halten, der dazwischen liegt.

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Identität ist ein Kampf.

6. Würdigung

Die Subjekte spielen vor- und füreinander, um sich gegen die Zumutungen der Gesellschaft zu schützen. Die Schutzwaffen, die sie gebrauchen, widersprechen den allgemeinen Anstandsnormen. Und der Gedanke, dass die Wirklichkeit vielleicht gar nicht wirklich ist, ist möglicherweise zu schmerzlich, um ihn zuzulassen.

Doch alles dient letztendlich dazu, Erwartungssicherheit zu schaffen. Einige Menschen haben erkannt, wie der gesellschaftliche Hase läuft, andere nicht. Goffmans Soziologie bietet die Chance, das gesellschaftliche System zu durchschauen, sich damit auseinanderzusetzen und gegen die gesellschaftlichen Ansprüche aufzubegehren. Abels zitiert Goffman mit den Worten, die Menschen würden sehr tief schlafen und er, Goffman, wolle die Menschen dabei beobachten.

Abels Beitrag endet mit der Frage: Wie kann man sorglos weiterschlafen, nachdem man darum weiß?

Fazit

Abels beschreibt das Menschenbild, das Goffman unterstellt wird. Abels ist der Auffassung, dass Goffman falsch wahrgenommen wird und er will das Bild von Goffman berichtigen. Es ist Abels gelungen, glaubwürdig zu versichern, dass Goffman von dem Gedanken angetrieben wurde, dass der Mensch aus einem Selbsterhaltungstrieb heraus handelt und dass die ganzen Schlichen, denen er sich bedient, hieraus resultieren.

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Man fällt - vielleicht - nur nicht mehr darauf herein und damit hat Abels den Individuen ein weiteres Schutzmittel in die Hand gegeben.

Literaturverzeichnis

Abels, Heinz: Interaktion, Identität, Präsentation. Kleine Einführung in interpretative Theorien der Soziologie. Opladen: Westdeutscher Verlag 1998.

Goffman, Erving: Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München, Zürich: Piper 2006 (4. Auflage, 1. Auflage 1983: The Presentation of Self in Everyday Life. New York 1959)


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