Handlungsorientierung im
Kontext neuerer lernpsychologischer Theorien (Möller in Kahlert)
Lernen wird als ein
Verändern, Erweitern oder Differenzieren vorhandener Vorstellungen betrachtet. à Oft schwer bereits vorhandene Vorstellungen aufzugeben und adäquatere
Vorstellungen zu entwickeln.
à Gewisse Bedingungen müssen erfüllt sein.
Handlungsintensive Lernprozesse
haben in solchen Fällen die Potenz, günstige Bedingungen für die
notwendige Veränderung von Konzepten zu schaffen:
- Sie unterstützen die für
konzeptuelle Veränderungen notwendige Erkenntnis, dass bereits vorhandene
Vorstellungen Grenzen haben.
- Handlungen können dazu
beitragen, neue Konzepte verständlich zu machen, wenn Denkstrukturen mit
Handlungsstrukturen verknüpft sind.
- Die neue Vorstellung muss
von den Lernenden als wirklich überzeugend erkannt werden. Handlungen, die
in reale Kontexte eingebettet sind, können überzeugende Erfahrungen
vermitteln.
- Im Handeln können Lernende
auch erfahren, dass ihr entwickeltes Konzept sich in der Anwendung bewährt
und es sich lohnt, dieses Konzept beizubehalten. Dies ist möglich, wenn
Lernende Situationen aus ihrer Lebenswelt mit Hilfe erarbeiteter
Vorstellungen verstehen können.
- Konzeptuelle Veränderungen
erfordern Mühe und Anstrengungsbereitschaft. Die Lernenden müssen
motiviert sein. Die Aufmerksamkeit wird durch einen handlungsorientierten
Unterricht vor allem bei jüngeren Lernenden gesteigert.
- Handlungen finden zumeist
in sozialen Gefügen statt. Dabei können individuelle Denkprozesse
stimuliert werden.
à Die genannten Beispiele zeigen, dass
Handlungen auf verschiedenartige Weise den Aufbau angemessener Vorstellungen
begünstigen können
à Fazit nach
Möller: Handlungsorientiertes Lernen ist kindgemäß.
·
Es fördert
psychologisch und physiologisch die Lernbereitschaft
·
Unterstützt
kindliches Denken durch konkrete Erfahrungen
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Bewegung
6. Grenzen und Probleme handlungsorientierten
Unterrichts
(Nach Kaiser, Gudjons, eigene
Punkte)
- Ausschneiden, Einkleben und Anmalen von Bildern ist kein
HU. Handlung muss Anspruch auf Ernsthaftigkeit, Gültigkeit und Echtheit
haben.
- HU für manche Lernaufgaben didaktisch nicht angemessen,
sie fordern andere Verfahren. HU muss Sinn machen, damit er nicht zum
Aktionismus abgeleitet.
- HU bedarf einer aufwendigeren Vorbereitung als der
Frontalunterrichtà Teamarbeit ist hilfreich
- Finanzieller Mehraufwand aufgrund Materialkosten deutlich
höher als beim Frontalunterricht
- HU
findet seine Grenzen in den institutionellen und organisatorischen
Bedingungen der
Schule
Problem bei der Leistungsbeurteilung
und dem Ausstellen von Zensuren: alternative Möglichkeiten der Beurteilung, wie
das Halten von Referaten, das Führen eines Lerntagebuches, ein schriftliches
Ergebnisprotokoll und das Geben der gleichen Noten für die gesamte Gruppe
können zu Problemen führen
- Zudem können auch Probleme mit den Kollegen auftreten.
HU ist in der Regel lärmintensiver, als der Frontalunterrichtà Evtl. Störung des
Unterrichtsvorhabens anderer Klassen.
- Zu beachten: Die Rolle des Lehrers/ der Lehrerin in
einem UR, der sich auf selbstständiges Handeln der Schüler/innen gründet,
ist anders. Er/sie ist stärker Berater, Anreger und Vermittler und nicht:
Alleinplaner, Kontrolleur, direkter Lenker und alleiniger
Lernerfolgsüberprüfer.
- Kritiker werfen dem HU vor, dass dieses Konzept zum Teil
sehr utopische Züge hat.
7. Praktische Umsetzung (
Beispiel Wasserkreislauf)
7.1 Wasser versickert
Experiment 1:
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Material: Humus (z.B. Blumenerde), Sand, Kies,
Ton, vier durchsichtige Kunststoffbecher, vier Gläser, Handbohrer, Wasser
Durchführung: Bohre mit dem Handbohrer kleine
Löcher in den Boden der Becher, befülle jeden Becher mit einer Bodenschicht und
beschrifte dann jeden Becher mit dem Namen der Bodenart! Stelle anschließend
jeden Becher auf ein Glas und gieße Wasser in die Becher!
Beobachtung: Das Wasser sickert durch Humus, Sand
und Kies und tropft anschließend in das Glas. Bei Ton tropft kein Wasser ins
Glas. Hier bleibt das Wasser auf dem Ton.
Antwort: Humus, Sand und Kies sind
wasserdurchlässig, Ton ist dagegen wasserundurchlässig.
7.2 Wasser tritt aus einer Quelle
hervor
Experiment 2:
Frage: Wie kann Grundwasser aus dem Boden
heraustreten?
Material: Ton, Sand, Kies, Humus,
durchsichtiger Kunststoffbecher, Wasser Handbohrer
Durchführung: Fülle den Becher in der oben
aufgeführten Reihenfolge mit den Bodenarten (Ton ist ganz unten) und gieße
anschließend Wasser darüber! Bohre mit dem Handbohrer Löcher in den Becher und
finde durch Ausprobieren heraus, an welcher Stelle im Becher ein Loch sein
muss, damit das Wasser gut heraustreten kann!
Beobachtung: Bohrt man direkt oberhalb der
Tonschicht ein Loch, so sprudelt das Wasser heraus.
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Experiment 3:
Frage: Wie entsteht eine Quelle?
Material: Aquarium, Ton, Kies, Sand, Humus,
flache Schale, Wasser
Durchführung: Baue im Aquarium das Modell eines Berghangs
(Bodenarten schräg übereinander schichten), gieße Wasser darauf und fange das
Wasser in einer flachen Schale an der Austrittsstelle auf!
Beobachtung: Das Wasser sickert durch die
Bodenschichten Humus, Sand und Kies, bis es auf die Tonschicht trifft. Auf ihr
läuft das Wasser abwärts und tritt am Bergabhang aus dem Boden hervor.
Antwort: Tritt das Grundwasser an einem
Bergabhang aus dem Boden hervor, so entsteht eine Quelle.
8. Literaturangaben
- Kahlert, Joachim (u.a.), Handbuch Didaktik des Sachunterrichts,
Heilbrunn 2007.
- Kammerl, Rudolf/ Ragaller, Sabine, Repetitorium für die
Lehramtsprüfung. Sachunterricht, Donauwörth 2007.
- Lillie, B., Sanio - Kühnemund,
G., Siering, R. (2003) : Sachunterricht im 4. Schuljahr. München.
- Möller, Kornelia, Lernen durch Tun.
Handlungsorientiertes Lernen im Sachunterricht der Grundschule, Frankfurt
a.M./Bern/New York/Paris 1987.
- Gudjons, Herbert, Handlungsorientiert lehren und lernen.
Projektunterricht und Schüleraktivität, 2., korr. Aufl., Bad Heilbrunn
1989.
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