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Grundfragen der Erziehung, Bildung und Sozialisation .doc

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Faculty
Social Science
Discipline
Educational Science / Pedagogy
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University, School
Pädagogische Hochschule Freiburg
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2011, Prof. Dr. Fuhr
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Educational Science / Pedagogy

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Basisliteratur: Koller, H.- Ch. (2004): Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungs-

wissenschaft. Stuttgart: Kohlhammer

I. GRUNDBEGRIFFE und THEORIEN

1. Der Erziehungsbegriff der AUFKLÄRUNG: KANT

Warum mit dem Begriff der ERZIEHUNG anfangen?

1.    kommt in der Alltagssprache in klar umrissener Bedeutung vor

2.    entspricht am ehesten der Perspektive, die pädag. Handeln auf die Erziehungswirklichkeit haben à eignet sich deshalb als erster Zugang.

- Erziehungsbegriff um 1800 gefunden

Von 1770 – 1830 à Phase entscheidender Veränderung in der wirtschaftlichen, politischen

Und kulturellen Verfasstheit angesehen.

Zeitraum in der die feudale Ständegesellschaft von einer bürgerlichen Gesellschafts-

ordnung abgelöst wurde.

1.1 Was ist „Aufklärung“?

Nach KANT: Aufklärung = menschlicher Verstand, von dem jeder einzelne selbstständig Gebrauch

Machen kann und soll

Gegensatz zum selbstständigen Gebrauch: Leitung durch andere

Bsp.: - Seelsorger à macht eigene Gewissensentscheidungen überflüssig

- Arzt à erlässt Diätvorschriften

- allgemein „Satzungen und Formeln“ à Fußschellen einer immerwährender

Unmündigkeit, d.h. sie ver- und behindern den selbst ständigen Gebrauch des Verstandes.

 

Zwei Gründe, warum sich Menschen solchen Vorschriften bedienen:

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Entscheidende Bedingung von Aufklärung (lt. KANT):

Freiheit, von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen

à politische Dimension zum Ausdruck: Freiheitsrechte für alle Bürger

d.h. Recht jedes Menschen, seine eigene Meinung in Wort und Schrift öffentlich kundzutun

1.2 Das „pädagogische Jahrhundert“

= 18. Jahrhundert

In diesem Jh. haben sich neue Auffassungen von Erziehung durchgesetzt und wesentliche Momente der praktischen Organisation von Erziehung à ohne dies unser heutiges Erziehungssystem nicht denkbar.

Entscheidende Voraussetzung moderner Erziehungsvorstellungen: „ENTDECKUNG D. KINDHEIT“

-       Kindheit = eine vom Erwachsenenalter abgegrenzte Altersgruppe

-       Eine Errungenschaft der Neuzeit

-       Kam 1500 allmählich auf u. setzte sich im 19.Jh in allen Bevölkerungsgruppen durch

Beleg für diese These von Ariès:

-       Kinder auf Bildern im Mittelalter = verkleinerte Erwachsene

-       Ab 1500 entsteht allmählich der Blick für die Besonderheit kindlicher Körperproportionen

Im Zuge der Entdeckung setzen sich auch besondere, pädagogische Formen im Umgang mit Kindern durch:

-       Wuchsen bisher durch die selbstverständliche Teilnahme am Leben der Erwachsenen in deren Welt hinein

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Parallel etabliert sich seit dem Mittelalter eine besondere Institution zur Vorbereitung der Kinder auf das Leben in der Gesellschaft: DIE SCHULE

-       soll auf das Alltagsleben vorbereiten, indem die Kinder daraus ausgegrenzt werden

-       paradoxe Struktur beruht u.a. darauf, dass das Erwachsenenleben zu komplex, zu störanfällig oder zu gefährlich ist à um Kinder einfach durch Partizipation u.

Nachahmung lernen zu lassen (was zur aktiven Teilnahme daran notwendig ist)

-       Entstehung einer aus dem Alltagsleben ausgegliederter Institution à vermittelt die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten systematisch

1.3 KANTS Begriff von Erziehung

Ausgangspunkt von KANTS Argumentation: „Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das erzogen werden muss.“

Begründung:

- das Verhalten von Tieren ist durch sein Instinkt festgelegt

- der Mensch wird ohne Vernunft geboren (KANT bezeichnet es als ROH) à Hilflos

- der Mensch ist angesichts seiner Instinktarmut auf andere angewiesen à KANT

bezeichnet dies als ERZIEHUNG

Erzogenwerden = Menschsein

„Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht.“

 

PARADOX!!!!

 

Für KANT ist der Mensch

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PARADOX lässt sich AUFLÖSEN:

Man soll das, was den Mensch als Mensch auszeichnet, als eine noch zu entfaltende Anlage begreifen (als entwicklungsoffenes Potenzial, als Möglichkeit, zu deren Realisierung es einer besonderen Praxis bedarf namens ERZIEHUNG)

à „Die Menschengattung soll die ganze Naturanlage der Menschheit, durch ihre eigne Be-

mühung, nach und nach von selbst herausbringen.“

Das ZIEL der Erziehung muss unbestimmt bleiben, da Erziehung selbst ein Werk von Menschen und deshalb notwendigerweise unvollkommen ist.

Ziel der Erziehungen = unbestimmt + Vollkommenheit der menschlichen Natur = Geheimnis

à Vervollkommnung der Menschheit = zukunftsoffener Prozess

Kant beschreibt das Ziel, das durch Erziehung zu bewirkenden Vervollkommnung folgendermaßen:

Das Ziel von Erziehung wird als proportionierliche, d.h. verhältnismäßige oder ausgewogene Entfaltung aller menschlichen „Keime“ bzw. „ Naturanlagen“ beschriebenà Bestimmung des Menschen.

Kein Widerspruch zur These: Ziel = unbestimmt!!!!

Begründung: Bestimmung ≠ Bestimmtheit, d.h. kein vorgezeichneter Weg, dem man un-

problematisch folgen könnte.

SONDERN es ist ein Weg, den es erst noch zu „suchen“ gilt, ein unabgeschlossener

und vielleicht nie ganz abzuschließender Prozess.

 

 

 

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Zwei verschiedene zitierte Passagen von KANT enthalten metaphorische Formulierungen:

  1. „es ist unsere Sache [..], zu machen, dass der Mensch seine Bestimmung erreiche“

à Erziehung als ein herstellendes Machen à vergleichbar mit dem Tun eines Handwerkers, der mit Hilfe angebbarer Mittel ein bestimmtes ‚Produkt’ hervorzubringen sucht.

è betont das aktive, produktive Tun des Erziehers

  1. „ die Menschheit aus ihren Keimen entfalten“

à Erziehung als ein beschützendes Wachsenlassen à vergleichbar mit der Tätigkeit des Gärtners, der das natürliche Wachstum seiner Pflanzen behütend und pflegend begleitet.

è hebt das Bild hervor, dass Erziehung es mit einem Geschehen zu tun hat, das eigenen, nicht

beliebig steuerbaren Gesetzen folgt

Entscheidend für KANT:

Die Entwicklung der menschlichen Anlagen geschieht in keinem Fall von ganz alleine, sofern die Natur dem Menschen keinen Instinkt verliehen hat.

à Erziehung (soll die Entwicklung befördern) = Kunst, d.h. ein spezifisches Können ist erforderlich


Kunst soll nicht mechanisch (planlos, nur den jeweiligen Umständen angepasst), sondern „judiziös“ (planvoll, auf begründeten Urteilen beruhend)

 

Wichtiger Grundsatz dieser Pädagogik = Zukunftsorientierung

„Die Eltern erziehen gemeiniglich ihre Kinder nur so, dass sie in die gegenwärtige Welt, sei sie auch verderbt,

passen. Sie sollten sie aber besser erziehne, damit ein zukünftiger besserer Zustand dadurch hervorgebracht

werde.“


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