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Glaziale Serie Nord-Süddeutschland- im Vergleich
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Geo Sciences
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Uni Kiel
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2008
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2008-11-14


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Die Glaziale Serie Nord- und Süddeutschland im Vergleich

 

Gliederung

1.    Die „Glaziale Serie“

1.1  Einleitung

1.2  Allgemeine Definition

2.    Glaziale Serien Deutschlands

2.1 Nördliches Alpenvorland

2.2 Norddeutsches Tiefland

3.    Gemeinsamkeiten und Unterschiede

4.    Fazit

5.    Literaturverzeichnis

 

1. Die „Glaziale Serie“

1.1 Einleitung

Die „Glaziale Serie“ ist ein vereinfachtes Modell, das eine räumliche Anordnung bestimmter Landschaftsformen und deren Entstehung durch einen Gletscher erklärt. Das Model bezieht sich auf die Vereisung in Mitteleuropa während des Pleistozäns.

Albrecht Penck verwendete den Begriff zuerst für das Alpenvorland und schließlich auch für die Vergletscherung des skandinavischen Gebietes wodurch „Jahrzehnte“ lang global „das Grundgerüst für die Gliederung des quartären Eiszeitalters“ definiert wurde (LIEDTKE & MARCINEK 1994, S.447). Im Pleistozän gab es mehrere Wechsel von Warm- und Kaltzeiten, was dazu führte, dass die entstandenen Gletscher nur teilweise.

In der folgenden Eiszeit konnten somit die Gletscher weiter anwachsen und teilweise bis ins Gebirgsvorland dringen (=hypertrophe Vergletscherung).

 

1.2 Allgemeine Definition

Die Glaziale Serie ist eine Abfolge von Reliefformen, die nur durch von Gletscherbewegung und der Hydrodynamik des Schmelzwassers entstehen können. Eine gut ausgebildete Serie wird dadurch bedingt, dass der Gletscher eine Zeit stationär bleibt. Prozesse wie Glazialerosion und Glazialakkumulation können gleichzeitig stattfinden.

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Eine Grundmoräne entsteht unter dem Gletscher und beinhaltet das vom ihm erodierte und mitgenommene Geschiebematerial. In dem muldenförmigen Zungenbecken lag die Gletscherzunge bevor sich der Gletscher zurückgezogen hat.

In ihm sammelt sich als erstes Schmelzwasser und anschließend durch Niederschlag und Abfluss weiteres Wasser, das den Gletscherendsee bildet. Die Endmoräne zeigt den weitesten Gletschervorstoß an und wird im alpinen Raum als Randmoräne im Norden Deutschlands als Eisrandlage bezeichnet. Die Randmoräne unterteilt sich in Seitenmoräne, an der Seite eines Gletschers zu finden, und die Stirnmoräne, die an der vorderen Seite des Gletschers gebildet wird.

Die Eisrandlage ist nicht immer vollständig erhalten, da sie z.B. durch Schmelzwasser abgetragen wurde.

Die durch die glaziale Serie bedingten Schotter- und Sanderflächen wurden glaziofluvial durch die Schmelzwasser der Gletscher transportiert und abgelagert.

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Abb.1 Aufsicht und Querschnitt der glazialen Serie für Süddeutschland (HENNINGSEN & KATZUNG, 2005, S.52)

 

2.    Glaziale Serien Deutschlands

2.1 Nördliches Alpenvorland

Im Pleistozän hat es vier verschiedene Eiszeiten gegeben, die das heutige Relief stark geprägt haben und bis zu 150m mächtige Ablagerungen hinterlassen haben. Sie sind nach den Alpenvorlandflüssen benannt: Günz-, Mindel-, Riß- und Würm-Glazial (von der ältesten zur jüngsten Vereisung), wobei das Günz-Glazial in das Alt-Pleistozän, die restlichen drei Glaziale in das Jung-Pleistozän fallen.

Es handelt sich im Süden Deutschlands um Gebirgsgletscher, der dem Relief untergeordnet ist. Die Eiszeiten wurden weiter nach einzelnen Gletschervorstößen untergliedert. Ein Beispiel dafür ist die Unterteilung des Würm-Glazials, das aus vier Stadien besteht: Kirchseeoner, Ebersberger, Ölkofener und Stephanskirchener Stadium.

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Als sich die Gebirgsgletscher talabwärts bewegt haben sind, durch das Mitschleifen von größeren Gesteinsbrocken und der gewaltigen Last des Gletschers auf den Untergrund, Gletscherschrammen entstanden. Weiter wurden Täler ausgeschürft oder vorhandene Täler vertieft, wodurch Trogtäler entstanden, deren Talböden relativ eben und die Wände fast senkrecht einfallend sind, wie z.

B.: das Inntal oder das obere Ennstal zwischen Radstadt und Admont.

Alle Eiszeiten haben das Gebiet immer in ähnlicher Weise geprägt, wobei der Riß-Gletscher die größten Ausdehnungen hatte, der bis in das „Rißtal bei Biberach im nördlichen Rheingletschergebiet“ reichte (LIEDTKE & MARCINEK 1994, S.455).

Die gebildeten Moränen sind, wie die der Mindel-Eiszeit, nur noch teilweise vorhanden, da sie schon stark erodiert wurden. Das Überbleibsel ist ein „flachwelliges Altmoränen-Gebiet“ an das sich südlich das Jungmoränen-Gebiet anschließt, das aus der Würm-Eiszeit stammt und eine kuppig-hügelige Landschaftsform bildet (HENNIGSEN & KATZUNG, 2002, S.140).

Die jedoch am Besten erhaltenen glazialen Formen sind die der jüngsten Eiszeit, der Würm, deren glaziale Serie, wie bei allen alpinen Gletschern, von Süd nach Nord verläuft (vgl. Abb.1). Dieser Gletscher-Vorstoß fand am Ende der Eiszeit statt und dauerte nur 10000 Jahre. 18000 J. v. h. erreichte er seinen Maximalstand.

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Seine Gletscher haben das Gestein der Gebirge abgeschürft, große Felsbrocken mit sich gerissen und u. a. viele Erratica und große Findlinge zurückgelassen, die überall zu finden sind. Der größte befindet sich im Ellhofener Moor bei Lindenberg im Allgäu und war ursprünglich 4000m3 groß und wurde durch den Rhein Gletscher transportiert.

Durch die Gletschervorstöße sind Moränen entstanden, die nach Norden hin abflachen und in flach geneigte Schotter- und Schmelzwasserebenen übergehen. Die Schotterebenen liegen außerhalb des Endmoränengürtels, da das Steinmaterial durch Schmelzwässer des Gletschers transportiert worden ist.

Die Schotterebenen der Glazialphasen sind jeweils unterschiedlich ausgebildet: Mindel- und Günz-Schotter sind fast gar nicht erhalten; Riß-Schotter sind durch Karbonat zementiert; Würm-Schotter sind fast gar nicht verfestigt und oft frisch wie lockeres Sediment.

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Es gibt Hoch-, Zwischen- und Niederterassen. In den kalten Perioden des Pleistozäns wurde das Wasser aus den Flüssen in den Gletschern gebunden. Als es wieder wärmer wurde ließen die Schmelzwasserströme tiefere Flussbetten entstehen. So lange eine bestimmte Wassermenge und Fließgeschwindigkeit vorhanden war, konnten die Schotter mitgeführt werden. Wenn die Geschwindigkeit und Wassermengen aber nachließen wurden die Schotter abgelagert und formten so die Terassen.

Die Hochterassen sind die ältesten, die Niederterassen die jüngsten. Zwischenterassen sind durch die Altpleistozäne Vergletscherung des Günz-Gebietes entstanden => Aindlinger Terassentreppe. Da die Riß-Eiszeitgletscher die größte Vorlandvergletscherung mit sich brachte (s.o.) wurden mit ihr die Hochterassen gebildet, die im „Rißtal bei Biberach im nördlichen Rheingletschergebiet“ zu finden sind (LIEDTKE & MARCINEK, 1994, S.455).

Die ausgedehnten Niederterassenflächen der Würm folgen hauptsächlich dem Verlauf der schon vorhandenen Hochterassen.

Das besondere des Würm-Glazials ist, dass nur in einem bestimmten Gebiet Drumlinfelder liegen. Drumlins sind längliche tropfen- bzw. stromlinienförmige Hügel aus Geschiebemergel der Grundmoräne – manche besitzen auch einen Kern aus anstehendem Gestein.

Die Hügellängsachse liegt parallel zur Stoßrichtung des Gletschers und kann bis zu 1km lang und 25m – 50m hoch werden. Sie sind meist in Gruppen angeordnet und sind ein wenig voneinander versetzt. Sie sollen durch Gletscherbewegung entstanden sein, doch die genaue Entstehung ist bis heute noch nicht vollständig geklärt.

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Weiter sind in der würmzeitlichen Vergletscherung zahlreiche Gletscherendseen entstanden, wie z.B. der Ammer-See, der Starnberger See oder auch der Chiemsee.


Abb.2: Eisrandlagen der Saale- & der Weichserl-Eiszeit in Norddeutschland (Schmidtke, 1995, S. 23)

 

2.2 Norddeutsches Tiefland

Auch das Norddeutsche Tiefland wurde im Pleistozän von 2,5 – 3km mächtigen Gletschern bedeckt, die dem Relief übergeordnet waren. Diese großräumigen Inlandgletscher drangen aus verschiedenen Regionen Nord- und Nordost-Europas nach Süden.

Die einzelnen Glaziale wurden nach den Flüssen Elster, Saale und Weichsel benannt Diese werden weiter in einzelne Stadien unterteilt und zwischen den Glazialen treten kürzere Interglaziale auf.

Bis an den Rand der Mittelgebirge drangen die Gletscher zum ersten Mal im Elster-Glazial. Die Moränen, die sie abgelagert haben, sind in der nordöstlichen Umgebung Hannovers, auf Sylt, in der Region von Hamburg und in den Dammer Bergen zu finden.

Das Geschiebematerial stammt aus Skandinavien und den baltischen Ländern, wie z.B. Flintstein und Rapakivi. Tiefe Rinnen sind entstanden, die durch die Gletscherzungen in den Untergrund geschürft und durch die Schmelzwasser erodiert wurden. Diese Rinnen waren bis zu 500m tief, einige km breit und etliche km lang.

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In der Saale-Eiszeit können drei Vorstoßphasen des Gletschers angenommen werden, da sie jeweils unterschiedliche Ablagerungen mit z.B. hohen Kalk- und Ton-Gehalt mitbrachten und teilweise sogar Schmelzwassersande zwischen den einzelnen Phasen zu erkennen sind.

Bis zum Mittelgebirge reichte nur ein älterer Saale-Vorstoß, der den größten Teil der Elster-Moränen überfuhr. Die Ausdehnung der jüngeren Gletscher ging im Nordwesten nicht weiter als bis zu den Weser- und Aller-Tälern, im Nordosten wird vermutet, dass die größte Ausdehnung bis über die Elbe ging.

Die jüngste Weichsel-Eiszeit besitzt die am Besten erhaltene glaziale Serie, die meistens von Nord nach Süd, aber auch von Ost nach West verläuft. Die Gletscher drangen nie weiter als bis zur Elbe vor. Sie prägt das Landschaftsbild Schleswig-Holsteins bis heute.

Es kann in vier große Naturräume gegliedert werden: das östliche Hügelland, die Vorgeest, die hohe Geest und die Marsch.

Das östliche Hügelland, nach Westen begrenzt durch Bordesholm, ist durch die Eisvorstöße der Weichsel-Eiszeit geformt worden. Kennzeichnend ist eine reliefstarke, kuppige Grund- und Endmoränenlandschaft (=Eisrandlage), mit kaum verwittertem Geschiebemergel, gebildet durch die verschiedenen Phasen der Gletschervorstöße mit anschließender Abschmelzphase (Jungmoräne).

Zu den Jungmoränen der Weichsel-Eiszeit gehören aber auch große Teile Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs. Toteislöcher (Sölle) bilden in diesen Gebieten kleine Seen, wie z.B. die Mecklenburgische Seenplatte. Entstanden sind sie aus Toteis-Blöcken, vom Gletscher abgetrennte Eismassen, die geschmolzen sind.

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Teile der Zungenbecken sind die Kieler Förde, die Eckernförder Förde und die Flensburger Förde.

Weiter gibt es auch vereinzelt Drumlins (s.o.) und Oser. Oser entstehen dadurch, dass Wasser in eine Gletscherspalte stürzt und Gesteinsmaterial, wie Kies, mit sich führt. Durch den Druck wird das Material immer stärker verpresst und es entstehen wallartige Formen, die Bahndämmen gleichen.

In der Vorgeest, südwestlich vor dem Gletscherrand, sind die Vorschwemmsande mit den großen, fächerförmigen Sanderflächen, die ebenfalls der Weichsel-Eiszeit zuzuordnen sind und denen meist Kiessande vorgelagert sind.

Weiter haben Löss und Flugsande ein großes Verbreitungsgebiet. Sie sind südlich der Elbe, um Hamburg, der Altmark und im Fläming um die 3m mächtig. Bänderartig ziehen sich die Gebiete vom Dümmer-See (West-Niedersachsen) bis ~50km südlich von Berlin. Kiese, Sande, Löss und Flugsande sind glaziofluvial und äolisch entstanden und sehr gut sortiert.

Das Relief der hohen Geest besteht aus Teilen der Endmoräne der Saale-Eiszeit (Altmoräne) und wurde durch nachfolgende Abtragung und Sedimentation zu einer flachhügeligen Landschaft umgeformt.

In größerer Entfernung vom Eis, im Hamburger, wie auch im Eberswalder, Berliner, Baruther und Magdeburger Raum, verliefen die Urstromtäler, die die Hauptentwässerungsrinnen nach Nordwesten bzw. Westen bildeten und heute den Flüssen Elbe, Aller, Weser und Ems entsprechen.


Abb. 4 Die glaziale Serie in Norddeutschland (BAUER, ENGLERT, MEIER, MORGENEYER, WALDECK, 2005, S.55)

 

3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Die glazialen Serien in Nord- und Süddeutschland besitzen natürlich die gleichen Abfolgen des Reliefs, wenn auch unterschiedlich stark ausgebildet. Ebenso besitzen beide Schmelzwassertätigkeiten und weisen nur vereinzelt Drumlins auf.

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Im Alpenvorland ist ein Gebirgsgletscher für die glaziale Serie verantwortlich, im Norden ein Inlandeisgletscher, der um ein vielfaches größer ist. Durch das im Süden vorhandene Gebirge können die Gletscher Gletscherschrammen und Trogtäler bilden.

Glaziale Rinnensysteme befinden sich größtenteils im Norden, da hier flaches Land vorhanden war und die Gletscher ungehindert in das Land vorstoßen konnten.

Schotterebenen mit den Schotterterassentreppen konnten sich im Süden bilden, da hier gröberes Material vom Gebirge abgetragen werden konnte. Sander liegen im Norden fächerförmig vor der Eisrandlage ohne eine deutliche Terassenbildung.

Weiter heißt die Endmoräne im Alpenvorland Randmoräne und wird in Seiten- und Stirnmoräne geteilt, im Norden wird sie als Eisrandlage bezeichnet. Toteislöcher findet man eher in Nord- als in Süddeutschland.

 


Abb. 4 Zeittafel vom Alt-Pleistozän bis heute (HENNINGSEN & KATZUNG, 2002, S,178)

 

4. Fazit

Schlussfolgernd kann man sagen, dass eine Vereisung der Landmassen immer mit einer kompletten Neugestaltung der Landschaft verbunden ist und über mehrere Hunderttausend Jahre dauert. Die glaziale Serie wird je Untergrund unterschiedlich stark ausgebildet und kann vereinzelt Erweiterungen, wie z.B.

Drumlins, Oser oder auch Gletscherschrammen aufzeigen.

 

 

 

5. Literaturverzeichnis

- Liedtke, H.; Marcinek, J. (1994): Physische Geographie Deutschland. Bad Langensalza.

-       Bauer, J.; Engelert, W.; Meier, U.; Morgeneyer, F.; Waldeck; W. (2005): Physische Geographie kompakt. 4. Auflage. München.

-       Schmidtke, K.-D. (1995): Die Entstehung Schleswig-Holsteins. 3.Auflage. Neumünster.

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-       Leser, H.; Haas, H.-D.; Mosimann, T.; Paesler, R.; Fröhli, J. (1997): Wörterbuch Allgemeine

Geographie. Nördlingen.

- Henningsen, D.; Katzung, G. (2002): Einführung in die Geologie Deutschlands. 6.Auflage.

Berlin.

-       Press, F.; Siever, R. (2003): Allgemeine Geologie. Einführung in das System Erde. 3.

Auflage. München.


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