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Glas oder Plastik .doc

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Faculty
Economics
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Macroeconomics
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University, School
Fachhochschule Brandenburg - FH
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Walter Schmitting

Auf den Inhalt kommt es an - Glas oder Plastik?

Investitionscontrolling

1 Aufgabenstellung

Das State-of-the-Art-Meeting ist nun schon einige Monate her. Die „originären Leistungs­kennziffern" haben sich nach den wenig zufriedenstellenden Erfahrungen aus dem hausin­ternen Sprachgebrauch weitgehend wieder verabschiedet.

Gelegentlich lässt sich bei der Be­kanntgabe der aktuellen Erfolgs-größen noch eine Verballhornung eines früheren „Olei" ver­nehmen: „Oh wei". Immerhin aber ist seit dem Meeting und der Bekanntgabe der zu erwar­tenden Gewinnentwicklung ein Ruck durch das gesamte Unternehmen gegangen. Nicht mehr das individuelle Bereichsinteresse, sondern das Wohl der REISCH AG steht im Mittel­punkt aller Anstrengungen. Über eine der in diesem Zusammen-hang entwickelten Ideen soll auf der heutigen Vorstandssitzung beraten werden.

Allerdings haben sich infolge der nach wie vor wenig zufriedenstellenden Ertragslage die persönlichen Spannungen zwischen eini­gen Beteiligten noch nicht gelegt ...

„Und nun", kommentiert Dr. Leetmathe, während er in seinen Papieren blättert, „zum letzten Punkt der Tagesordnung. Ihnen allen dürfte die von meinem Sekretariat aus Ihren Angaben zusammen-gestellte Vorlage zu der Frage 'Plastik oder Glas' zugegangen sein.

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Herr Kreiling, der Leiter des Marketing, räuspert sich und trinkt zunächst einen Schluck Wasser. Elend lange hat die Sitzung nun schon gedauert. „Gegenstand der Betrachtung, meine Damen und Herren, ist unser Absatzpotential im Bereich „Joghurt“.

Es handelt sich um einen Verteilungsmarkt. Sofern wir den Markt für Molkereiprodukte nicht mit neuen, inno­vativen Produktkonzepten bedienen, haben wir keine andere Wahl als der Konkurrenz eventuellen Mehrabsatz abzuringen. Dies geschieht zumeist unter Inkaufnahme erheblicher Preiszugeständnisse - und selbst das ist in den letzten Monaten immer schwieriger gewor­den.

Wenn wir in der derzeitigen Konstellation weiterarbeiten, können wir durch den Einsatz präferenzpolitischer Maßnahmen allenfalls noch bescheidene Zuwächse bei den Absatzmen­gen realisieren.

Wir müssen uns also deutlich von unseren Mitbewerbern absetzen. Wie Sie alle wissen, nimmt die ökologische Empfindsamkeit unserer Kunden immer weiter zu. In diesem Sinne schlagen ich und meine Mitarbeiter vor, zukünftig unseren REISCH-Ghurt in Gläsern statt in Plastikbechern zu vertreiben.

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Ins ökologische Produkt­-Gesamtdesign passen natürlich nur Mehrweggläser. Wir denken an ein Pfand von DM 0,20 pro Glas,

welches von den Händlern beim Warenbezug an uns zu zahlen ist. Bei Pfandglä­sern müssen wir - das zeigen die Erfahrungen der Getränkeindustrie - mit einem gewissen Schwund beim Gläserrücklauf rechnen.

Einige Verbraucher werden die Gläser nicht zurück­bringen, sondern als Trinkbecher o.ä. zweck-entfremden bzw. zum Altglas geben. Auch in dieser Beziehung haben wir bereits Daten prognosti-ziert; Sie finden dieselben in Tabelle 3 der Vorlage. Über einen eventuellen Schwund durch Glas-bruch in der Produktion müsste allerdings zusätzlich Herr Pradel Auskunft geben.“

Der Angesprochene rückt seine Brille zurecht, kramt in seiner Aktentasche und knallt ein dickwandiges Glasgefäß auf den Mahagonitisch. „So. Da haben wir's. Ich habe schon mal ein geeignetes Glas ausfindig gemacht.

Das ist nicht kaputtzukriegen. Das hält zwanzig Jahre. Die Produktion arbeitet fehlerfrei. Bei uns gibt's keinen Glasbruch."

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„Ja", fährt Dipl.-Ing. Pradel fort, „das ist ganz einfach. Wir müssen die Abfüllmaschine um­rüsten. Dreikommafünf Millionen. Dann benötigen wir eine Reinigungsmaschine.

Rund acht Millionen. Schließlich müssen wir auch noch Gläser kaufen. Ich habe mich erkundigt. Die Preise und Rabattstaffel stehen in den Tabellen 4 und 5 der Vorlage.

Die Gläser brauchen wir übrigens nicht im Zeitpunkt der Anschaffung, sondern immer erst am Jahresende zu bezahlen - dann wird der Rabattsatz auf die Gesamtkaufsumme entsprechend der Anzahl gekaufter Gläser pro Jahr angewandt. Klar.

Wie hoch schätzen denn die werten Herren der Marketingabteilung die Umlaufzeit pro Glas ein - sofern Sie sich darüber Gedanken gemacht haben?“

Herr Kreiling wahrt eine bemerkenswerte Ruhe. „59 Tage dauert es unserer Schätzung nach, bis ein verkauftes Glas uns wieder erreicht ..."

„Wie auch immer", fällt Herr Pradel dem Chef des Marketings ins Wort. „Ist ja auch egal. Rechnen wir mit sechzig Tagen inklusive des Spülens, bis die Gläser wieder zum Abfüllen bereitstehen.

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Insgesamt runde vierhunderttausend per anno. Rechnen Sie gleich mit einer Lohnsteigerungsrate von fünf Prozent pro Jahr. Mehr Anlagen bedeuten natürlich auch einen höheren Energiever­brauch. Zwölftausend Mark zusätzlich pro eine Million Gläser Abfüllung, würde ich sagen.

Zu den Angaben in Tabelle 6 der Vorlage kommen übrigens noch die Kosten für Spülmittel und Wasser hinzu."

Tischvorlage: Joghurt in Glas- oder Plastikbechern?

Absatzmenge (Mio. Becher)

Jahr

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

 

Glas

31

33

35

38

40

41

43

44

44

45

 

Plastik

32

32

33

34

34

35

35

35

36

36

Tab. 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Absatzpreise (DM/Becher)

Jahr

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

 

Glas

0,70

0,70

0,70

0,80

0,90

0,90

0,80

0,80

0,70

0,70

 

Plastik

0,70

0,70

0,70

0,60

0,60

0,60

0,60

0,60

0,50

0,50

Tab. 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schwundrate pro Umlauf, bezogen auf das Verkaufsjahr

Jahr

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

 

Rate (%)

5%

10%

15%

20%

20%

20%

15%

15%

10%

10%

Tab. 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Preise für neu zu kaufende Gläser (DM/Glas)

Jahr

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

 

 

0,08

0,08

0,08

0,08

0,08

0,10

0,10

0,10

0,10

0,10

Tab. 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rabattstaffeln für neu zu kaufende Gläser

Menge von ...

... bis

Rabatt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

0

5.999.999

0%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6.000.000

7.999.999

5%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8.000.000

...

10%

 

 

 

 

 

 

 

 

Tab. 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszahlung für Betrieb und Wartung Reinigungsmaschine (TDM)

Jahr

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

 

 

400

400

400

600

600

800

600

1500

800

800

Tab. 6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zinssätze für kurzfristige Geldanlage/-aufnahme (%)

Jahr

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

 

Haben (%)

4%

4%

5%

5%

6%

6%

8%

6%

5%

5%

 

Soll (%)

11%

11%

12%

13%

14%

15%

16%

14%

13%

14%

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tab. 7

Er steht auf, geht nach vorne zum noch laufenden Tageslichtprojektor, nimmt die dort lie­gende Folie herunter und wirft eine andere darauf, in deren Mitte einige Tabellen in Minia­turschriftgröße zu erkennen sind. „Zu klein.

Na, egal. Also, mit einem Kubikmeter Wasser spülen wir etwa 7.000 Gläser. Der Wasserpreis pro Kubikmeter wird meiner Prognose nach etwa acht Mark im Durchschnitt der nächsten zehn Jahre betragen. Dazu kommen die Ab­wasserkosten. Pro Kubikmeter sechzehn Mark. Spülmittel rechnet sich mit zwei Mark pro Kubikmeter Wasser.

Soweit zur Produktion. Jetzt die Logistik. Entsprechend der Gläser­menge brauchen wir spezielle Transportbehälter. Macht vier Mark pro Stück, jeder nimmt 20 Gläser auf. Den Transport zu den Abnehmern sourcen wir out. Wir zahlen dafür drei Mark pro Transportbehälter, sobald der hier mit vollen Gläsern rausgeht.

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