These: Geteilte
gesamtgesellschaftliche Werte sind das Fundament der gesellschaftlichen
Integration. Ohne sie drohen Gesellschaften auseinanderzubrechen
Was hält eine
Gesellschaft zusammen? Wie stabil ist eine Gesellschaft in Bezug auf äußere
Einflüsse und wie reguliert sich eine Gesellschaft? Es wird die These
aufgestellt, dass geteilte gesamtgesellschaftliche Werte grundlegend für
Gesellschaften sind. Um diese These zu hinterfragen, wurden die beiden Thesen
der Theoretiker Talcott Parsons und Niklas Luhmann betrachtet, die sich auf
unterschiedliche Weise mit dem Thema Gesellschaft befasst haben. Zunächst
stelle ich Parsons Position vor, der mit der These konform argumentiert und
Werte und Normen als essentiell für soziale Ordnung ansieht.
Im Anschluss stelle
ich den Ansatz von Luhmann vor, der in seiner Systemtheorie den Grund für
Stabilität von Gesellschaften im Grad der Komplexität sieht und dem
Normativismus als Begründung keinen Platz einräumt.
Das Interesse
Parsons besteht in der Frage, wie soziale Ordnung möglich ist. Hierzu
beschäftigt er sich mit Thomas Hobbes und dem Utilitarismus. Nach Meinung der
Utilitaristen streben Individuen danach, Schmerz zu vermeiden und Lust zu
maximieren.
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An dieser Stelle
setzt die Kritik Parsons an, der hinterfragt, weshalb sich Individuen dem
Leviathan unterordnen sollen. Warum sollten Individuen mit großer Macht diese
aufgeben und wer hört zuerst mit dem Kampf auf? Soziale Ordnung lässt sich
durch den Utilitarismus nach Hobbes nicht hinreichend erklären!
Parsons hat eine
Lösung für dieses Problem. Allein auf einem Kosten – Nutzen Kalkül basierende
Handlungen erklären nicht das Bestehen sozialer Ordnung. Vielmehr müssen
Handlungsentscheidungen von weiteren Bedingungen beeinflusst werden. Parsons
führt die Kritiken und auch Lösungsansätze am Utilitarismus von Durkheim,
Weber, Marshall und Pareto fort und entwickelt seine normativistische
Handlungstheorie. Diese besagt, dass Handeln in Werte und Normen eingebettet
ist und die Entscheidung in Handlungssituationen von ihnen bestimmt wird. Die gemeinsam geteilten Werte und Normen sind für Parsons
ausschlaggebend für Ordnung in der Gesellschaft: „Thus a social order is always
a factual order in so far as it is susceptible of scientific analysis but, as
will be later maintained, it is one which cannot have stability without the
effective functioning of certain normative elements” (Parsons 1937: 92).
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die Rolle der Individuen von immanenter Bedeutung: Rollen werden mit bestimmten
Erwartungen besetzt: „Daher finden sich in allen Gesellschaften institutionelle
Definitionen von Rollen, d.h. von Verhaltensweisen, die man von bestimmten
Personen in bestimmte Zusammenhängen und Beziehungen erwartet“ (Parsons 1940:
141). Die Erfüllung von Rollenerwartungen ist obligatorisch. Die Rollen
verdeutlichen die Funktion eines Individuums in der Gesellschaft.
Ihre Erfüllung
geht einher mit der Befolgung gesellschaftlicher Werte und Normen. Die Funktion
von Rollen ist einerseits die Eingrenzung des Handlungsspielraums und
andererseits wird so soziale Ordnung aufrecht erhalten. Das gleiche gilt für
bereits institutionalisierte Werte und moralische Muster. Diese sind notwendig
für die Integration von Individuen in die Gesellschaft, da daraufhin die
jeweiligen Rollen und Funktionen der Individuen bestimmt werden. Das
Übereinstimmen mit den geteilten Werten zeigt die Zugehörigkeit zur
Gesellschaft. Dabei kann das allgemeine Interesse vom Eigennützigen abweichen,
allerdings zeigt Parsons, dass „je stärker das Individuum in ein
institutionalisiertes System integriert ist, dieses moralischen Empfinden auch
umso stärker mit Elementen des Eigeninteresses integriert ist“ (Parsons 1940:
145).
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Die Erfüllung des erwarteten Verhaltens ist mit sozialem
Druck auf das Individuum verbunden und sichert so die Befolgung der
gesellschaftlichen Werte und Normen. Die Verinnerlichung von gesellschaftlichen
Werten und Normen beginnt bereits in der Kindheit durch das Lernen von den
Eltern und dann später in der Schule. Insbesondere die Schule hat die Aufgabe,
die Individuen für das spätere Erwachsenenleben bereit zu machen, wobei sie zur
„]Bereitschaft zur Verwirklichung der allgemeinen Werte der Gesellschaft und
Bereitschaft zur Erfüllung eines bestimmten Rollentypus innerhalb der Struktur
der Gesellschaft“ befähigt (Parsons 1959: 162).
Die Rolle des Individuums bei der Aufrechterhaltung der
Gesellschaft ist damit klar umschrieben. Bis hierhin wurde gezeigt, dass
Integration auf geteilten Werten beruht. Ferner wird jetzt Parsons Betrachtung
von Stabilität einer Gesellschaft dargelegt. Ein Abweichen von der vorgegebenen
Norm wird sanktioniert, da ein nicht – Einhalten dieser das gesellschaftliche
System, so wie Parsons es darstellt, in seiner Stabilität gefährden würde.
Im AGIL – Schema
formuliert Parsons vier Grundbedingungen: Adaption (Anpassung), Goal
Attainment (Zielverfolgung), Integration (Eingliederung), und Latent
pattern maintenance (Aufrechterhaltung). Diese müssen immer gegeben sein,
damit ein System selbstständig existieren kann. Die Bedingungen sind im
Allgemeinen auf das System sowie im Detail auf die Subsysteme der Gesellschaft
zu beziehen.
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Gesellschaft.
Das bedeutet, dass das Eigeninteresse überwiegend
gesellschaftskonform verläuft und dadurch in gewisser Weise einer Ordnung
unterliegt. So lässt sich nach Parsons Argumentation behaupten, dass die
Stabilität der Gesellschaft durch das Einwirken der institutionalisierten Werte
auf das Individuum gewahrt wird.
Zusammengefasst
ist gesellschaftliche Integration von gemeinschaftlich geteilten Werten
anhängig. Die soziale Ordnung besteht durch jene Werte und Normen und bedingt
die Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Andernfalls ist nach Sanktionen und
gesellschaftlicher Achtung die Desintegration die Folge von Handlungen
außerhalb des gesellschaftlichen Wertesystems.
Ausgegangen von
diesen Thesen müssten Gesellschaften über hohe Stabilität und keinen Wandel
verfügen. Für Wandel müssten sich die Normen und Werte verändern und dafür ist
in Parsons Theorie kein Platz, beziehungsweise ist nicht schlüssig zu
argumentieren, wie normativer Wandel möglich sein soll wenn deviantes Handeln
sanktioniert wird. Dessen ungeachtet gibt es sozialen Wandel und die von
Parsons vorausgesetzte soziale Ordnung ist in der Realität nicht gegeben.
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