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Gender-Forschung und Theologie .doc

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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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Frauen- und Geschlechterforschung

Gender-Forschung und Theologie

1. Gender-Forschung und Theologie

Die christlichen Vorstellungen von Sexualität, Askese, Ehe, Fortpflanzung, Frauen und Männern prägen unsere Gesellschaft auch in der heutigen Zeit. In der christlichen Religion stark vertreten war/ist einerseits das Bild der Frau als Sünderin und als Symbol für Begehren, andererseits das der Frau als Mutter, welches für unsere Kultur in Hinblick auf hierarchische Ordnung und Arbeitsverhältnisse prägend war.

2. Der Ort der Gender-Forschung in der Theologie

Am Ende des 20.Jhd ist die christliche Theologie in unterschiedliche Konfessionen unterteilt: röm. katholisch, evangelisch, orthodox.. Ihnen allen gemeinsam ist, dass vorwiegend Männer in Führungspositionen der kirchlichen Hierarchie zu finden sind. Eine besonders drastische Ausprägung davon ist, dass in der röm. kath.

Konfession nur Männer für das Priesteramt zugelassen werden.

In der Theologie beginnt die Frauenforschung um die Jahrhundertwende mit der Gründung von verschiedenen Frauenbewegungen innerhalb der Kirche. Eine Umgestaltung der Gemeinschaft von Männern und Frauen soll durch die 1988 ausgerufene Dekade: „Kirchen in Solidarität mit den Frauen“ forciert werden.

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3. Der Beitrag der christlichen Theologie zu einer Hierarchisierung des Geschlechterverhältnisses

Bei der Paradieserzählung übertritt die Frau das Verbot, vom Erkenntnisbaum zu essen. Gott bestraft daraufhin alle Frauen mit der Mühsal während der Schwangerschaft, der Geburt und dem Verlangen nach dem Mann und dessen Herrschaft. Damit beginnt die geschlechtsspezifische Hierarchisierung zwischen Mann und Frau.

In der Auslegungstradition gilt das Geschlecht als gottgewollte und unveränderliche Größe. Die Frau ist dem Mann untergeordnet.

Augustin und Thomas von Aquin wirkten maßgeblich in der theologischen Hierarchisierung der Geschlechter. Ersterer meinte, dass die gottgleiche Seele des Menschen die Herrschaft Gottes über die Natur darstelle. Da seiner Meinung nach nur der Mann zu Herrschaft fähig sei, unterdrücke er die Frau, welche Natur und Körper repräsentiere.

Aquin meinte, dass die Frau ein abgeleiteter und defizitärer Mensch sei. Beide Gelehrten waren sich darin einig, dass die einzige Aufgabe der Frau darin bestünde, Nachwuchs hervorzubringen und diesen aufzuziehen.

Die negative Bestimmung der Frau wurde jedoch auch von der römischen Kultur und Gesellschaftsordnung maßgeblich geprägt. Die Frau musste sich dem Hausherrn (pater familias) unterordnen, welcher die Allmacht über die Familie inne hatte und für Wohlstand und Sicherheit seiner Angehörigen sorgen musste.

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Durch die Verweigerung des Priesteramtes für Frauen in der römisch-katholischen Kirche wird zusätzlich die Höherwertigkeit des männlichen Geschlechts suggeriert.

4. Die Bibel – Ein heiliger Text?

Ab dem 18. Jahrhundert hat sich die Bibelinterpretation stark verändert und es entwickelte sich eine historisch-kritische Auslegungsmethode.

Wichtig ist die Unterscheidung der Zuordnung der Bibel von Jan und Aleida Assman zwischen klassischem, heiligem und kanonischem Text:

Klassische Texte begründen die kulturelle Identität einer Gruppe oder Epoche und üben eine Vorbildfunktion aus. Für die Rezeption wird ein gebildetes Publikum benötigt. Hierbei gilt die Bibel als Bildungsgut.

Heilige Texte sind Vergegenwärtigung des Heiligen im Medium der Stimme und verlangen eine rituelle und geschützte Rezitation. Hierbei ist die Wörtlichkeit entscheidend, da sie nicht übersetzbar sind.

Kanonische Texte findet man laut kirchlicher Predigtpraxis und theologischer Wissenschaft in der Bibel. Demnach müssen biblische Texte erläutert und in die heutige Lebens- und Vorstellungswelt übersetzt werden, wobei der Horizont des Auslegenden eine wichtige Rolle spielt.

 

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1. Hermeneutik des Verdachts => Diese geht davon aus, dass die Bibel primär von Männern in androzentrischer Sprache geschrieben wurde.

2. Hermeneutik der kritischen Bewertung => Diese gewinnt Kriterien und Prinzipien aus einer systematischen Erforschung weiblicher Erfahrung von Unterdrückung und Befreiung.

3. Hermeneutik der Verkündigung => Diese prüft, welche Bibeltexte als Befreiungsbotschaft ausgelegt werden.

4. Hermeneutik der Erinnerung => Diese gewährleistet die Aufnahme aller Texte und Traditionen durch feministisch-historische Rekonstruktion.

5. Hermeneutik der Aktualisierung => Diese erzählt die biblische Geschichte aus der Perspektive von Frauen neu und eignet sie sich kreativ in Ritualen, Liedern und Tänzen an.

Die Aufbrüche feministischer Theologinnen werden im Folgenden in drei verschiedenen hermeneutischen Modellen dargestellt.

5.1 Das revisionistische Modell der Bibelauslegung

Dieser Ansatz beschreibt eine gegen die bisherige Bibelauslegung gerichtete und diese korrigierende Interpretation. Bereits 1895 hat die amerikanische Frauenrechtlerin Elizabeth Cady Stanton mit der Herausgabe einer Woman’s Bible deutlich gemacht, dass die gängigen Auslegungen der biblischen Texte eine Hierarchisierung der Geschlechter in den Text eintragen.

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5.3 Das dekonstruktivistische Modell der Bibelauslegung

Der die theologische Tradition am stärksten herausfordernde Ansatz untersucht die in den Texten dargestellten Geschlechterrollen auf ihren symbolischen Gehalt hin. Er basiert auf postmoderner Theoriebildung und wendet sich gegen die traditionellen Dichotomien wie weiblich/männlich, Natur/Kultur etc. – Dekonstruktion binärer, hierarchischer Oppositionen.

6. Systematisch-theologische Perspektiven zum Geschlechterverhältnis

Insgesamt lässt sich in der feministisch-theologischen Forschung eine Verschiebung der Fragestellungen aufzeigen. Zunächst wurden Frauen vor allem unter der Opfer-Perspektive wahrgenommen, sodass die befreiungstheologische Perspektive und eine Revision der biblischen Wurzeln im Vordergrund standen.

In der Diskussion um vielschichtige Unterdrückungsmechanismen und die Wahrnehmung differierender Lebenssituationen von Frauen in den 80er Jahren entwickelte sich die Einsicht über die Verstricktheit von Frauen in die Geschichte des Patriarchats. Fortan rückte die Dekonstruktion von Text und Tradition in den Vordergrund.


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