Gedichtvergleich:
Der Liebende (von Hermann Hesse) und Früher (von Dagmar Nick)
Das Gedicht „Der Liebende“ von Hermann Hesse
erschien 1921 und handelt von einem Liebespaar, welches Erfahrungen intimster
Liebe gemacht hat.
Im Folgenden werde ich nun das Gedicht genauer
analysieren um es abschließend mit einem anderen Gedicht zu vergleichen.
Das Gedicht besteht aus einer einzigen Strophe
mit 18 Zeilen, lässt sich jedoch, trotz fehlender äußerer Form in 4
Sinnabschnitte einteilen.
Der erste Abschnitt geht von Zeile 1 bis 4 und
schildert die Situation des lyrischen Ichs in der 3. Person Singular.
Der zweite Abschnitt (Zeile 5-10), findet ein
Wechsel in die 1.Person Singular statt, es wird klar, dass der Liebende
(männlich) das lyrische Ich ist.
Im dritten Sinnabschnitt (Zeile 11-16)
befindet sich das lyrische Ich in einem Gefühlsrausch, in den letzten 2 Zeilen
des Gedichts (Abschnitt 4, Zeile 17/18) werden nun die Folgen dieser Liebe
benannt.
Die Überschrift, „Der Liebende“ weckt im Leser
Assoziationen, dass das Gedicht um einen Mann handelt, welcher eine Frau liebt,
unklar aber ist, ob die Geliebte auch ihn liebt und die Liebe somit auf
Gegenseitigkeit beruht.
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noch völlig vernebelt von dieser Liebe, ein Symbol hierfür ist die „blaue
Nebelluft“ (Zeile 5). Des Weiteren merkt man dies an der Aufzählung in Zeile 3
und der Onomatopoesie, welche in der nächsten Zeile wiederholt wird („O
Mitternacht“, Zeile 3 und „O Mond“, Zeile 4).
Im zweiten Sinnabschnitt wechselt das lyrische
Ich in die 1. Person Singular und verdeutlicht somit, dass der Liebende, der in
Abschnitt 1 beschrieben wurde, das lyrische Ich selbst ist. In diesem Abschnitt
findet man Anspielungen und Andeutungen, welche daraufhin weißen, dass sie
miteinander intim gewesen waren, da er sagt: „in dich, Geliebte..“ (Zeile 5),
„tief“ (Z. 6) sowie „verspritzt“ (Z.7). Entsprechend dem Sexualakt würde dies
bedeuten, dass er „tief“ (Z.6) in sie eindringt (vlg. Z.5) und dort sein
Samengut hinterlässt (vlg. Z. 7). Neben dieser sexuellen Anspielung vergleicht
der Liebende in Zeile 6 und 7 seine Liebe mit der Natur, so ist diese stürmisch
und wild wie das Meer in der „Brandung“ (Z. 7) und gleichzeitig ruhig,
besinnlich und schön wie der „Schaum“ (Z.7), den die Gischt schlägt.
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verdeutlicht seine Sehnsucht nach ihr.
Im dritten Abschnitt nimmt der Liebende seine
Umwelt kaum mehr wahr. Er spricht die Gestirne an, doch sagt, er sehe sie
nicht, da er nur das Gesicht seiner Liebsten vor Augen hat (vgl. Z. 11/12).
Dass dieses Bild nur in seinem Kopf zu sehen ist und sie momentan gar nicht bei
ihm ist macht er dadurch deutlich, dass er ihr Gesicht „nur in Blumenblässe“
sieht (vlg. Z. 12). Das lyrische Ich befindet sich in einem Gefühlsrausch,
weshalb es nicht weiß ob es glücklich oder traurig sein soll, seine Gemütslage
ist konfus (vgl. Z. 13/14). Das wirre Reimschema, welches durcheinander geraten
scheint, stützt die Annahme, dass das lyrische Ich sich in einem Gefühlsrausch
befindet. Der Liebende spricht seine geliebte zweimal an (vlg. Z. 15, „nur du,
nur ich und du..“), dadurch macht er deutlich, wie wichtig sie für ihn ist. In
Zeile 16 versucht er abermals ein Maß für seine Liebe zu ihr zu finden, so ist
diese „tief“, stürmisch und ruhig wie das „Meer“ aber auch unendlich wie das
„All“.
Im vierten Sinnabschnitt folgt nun das Fazit,
welches das lyrische Ich zieht, so ist dieses der Ansicht, dass sie in dieser
Liebe verloren sind, sie ertrinken gewissermaßen darin um völlig miteinander
vereint zu sein, nicht nur körperlich sondern sowohl seelisch als auch geistig,
um daraus als neue Individuen hervorzugehen. Sie erfahren eine
Weiterentwicklung auf Grund der Erfahrungen dieser Liebe.
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Entsprechend dem Titel und auch dem Alter der
Autorin, handelt das Gedicht von einer früheren Liebe. Auf Grund der
Jahreszahlen, besteht eine Assoziation und Verbindung mit Ereignissen mit historischem
Kontext, sprich dem Thema Liebe während des zweiten Weltkrieges und der
Nachkriegszeit.
Im Vergleich zu dem Gedicht „der Liebende“
fällt auf, dass auch dieses Gedicht nur aus einer einzigen Strophe besteht mit
ebenso vielen Zeilen, 18 Stück an der Zahl, mit dem Unterschied aber, dass
dieses sich nicht in Sinnabschnitte teilen lässt.
Beide Gedichte erzählen von der Liebe und
deren subjektiven Eindrücke dessen, im ersten Gedicht ist diese Liebe sehr
Zeitnah im zweiten Gedicht („Früher“) liegt diese etwas länger zurück. Man
könnte sagen, die Liebe, die in Gedicht eins erlebt und beschrieben wird, ist
die, auf welche im zweiten Gedicht zurück geblickt wird.
Während der Liebende in Gedicht eins alles um
sich herum vergisst, sind dem Liebespaar aus Gedicht zwei die äußeren Umstände
wohl bewusst, doch brauchen sie nichts weiter als ihre Zuneigung zueinander um
glücklich zu sein, sie lieben sich trotz erschwerter äußerer Umstände. Die „Albatrosse“
(Z. 11) stehen für die Größe und Stärke der Liebe und auch der Frühling und die
Leuchtkäfer stehen für das Glück welches sie miteinander haben.
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Das Gedicht „Früher“ enthält ebenfalls
Anspielungen auf körperliche Intimität des Liebespaares, so zum Beispiel in
Zeile 12/13 („phosphoriszierten“..“Hinterleibern“).
Dadurch, dass das Gedicht mit „Früher liebten
wir uns“ beginnt und endet, wird das Gedicht in einen Rahmen gefasst, dieser
fehlt in „Der Liebende“.
Abschließend kann man sagen, dass, trotz
unterschiedlicher Entstehungszeiten, die Gedichte einige Gemeinsamkeiten
aufweisen und nicht, wie vielleicht erwartet, viele Unterschiede.
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