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Fragenkatalog Literarische Traditionen II .rtf

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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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1.    Welche Traditions-Stränge überkreuzen sich (gerade zu widersprüchlich) im sogenannten „Pretiosengedicht“? Welchen Widerspruch ergibt das Zusammenführen der Stränge? – zB „Auf einer güldenen Haarnadel“?

Einerseits, nach Ovid, „musa iocosa“, d.h. die Geliebte ist nur zeitweise unnahbahr und die Pretiose gelangt oftmals der Angehimmelten näher als das lyrische, meist männliche Ich und andererseits, kann die Geliebte auch für immer unnahbar bleiben, nach Petrarka, und somit wird die Pretiose auch oftmals zum Nebenbuhler des lyrischen Ichs.

2.    Versuchen Sie eine gattungs- und toposgeschichtliche Bestimmung des Pretiosengedichts!

Dinggedicht, meist in Sonettform (abba, abba, ccd, eed); Das „Ding“ steht im Mittelpunkt. zB „Auf der güldenen Haarnadel“ -> Pretiose = Edelstein, Haarnadel, Band. Das lyrische, männliche Ich an seine ideale Geliebten, die unerreichbar bleibt.

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Im Pretiosengedicht wird Stellvertreter, Bote oder Geschenk oft zum Nebenbuhler. -> Werbendes, lyrisches Ich wird abgelehnt, die Pretiose hingegen sehr wohl angenommen.

3.    Inwiefern ist in der „Mondnacht“ noch ein Anklang an das „Abendlied“ erhalten wie zugleich schon der Stand zweckfreier, autonomier Lyrik erreicht?

Eichendorffs Gedicht hat sich vom religiösen Zweck schon sehr weit entfernt. Die Religiösität bzw. die Religion wird geradezu nur mehr konnotiert. Viel wichtiger sind die Begrifflichkeiten von Seele, Psyche und Himmel (Ambivalenz sky - heaven). „Mondnacht“ braucht keine bestimmte Situation bzw. Publikum in der bzw. vor dem es rezepiert werden kann.

Somit ist es zweckentbunden bzw. autonom.

4.    Inwiefern ist das Gedicht „Der Blinde und der Lahme“ ein typisches Gedicht der Aufklärung?

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5.    Was sind die Charakteristika des idyllischen Gedichts (zB von Voss)?

Es stehen Natur und Mensch im Vordergrund, diese Beziehung ist sozusagen ein allgemeines, gesellschaftliche Anliegen. Es gibt keine Entfremdung zwischen den Natur und Mensch, denn die Natur liefert ja alles „freiwillig“ -> die Natur wird als „Schlaraffenland“ gezeigt.

Das Muster selbst stammt von Theokrit. Voss kritisiert in „Frühlingsliebe“ die Stadt, das Urbane und die dortige Arbeitswelt. Aber es handelt auch vom Gegensatz zwischen dem Paradies (dem naturverbundenen Ländlichen) und den Arkadien (also dem Urbanen).

6.    Charakterisieren Sie die Philosophie, das Denken und die Literatur der Aufklärung.

Philosophie: Kants Theorien zur Vernunft wurden sehr gut aufgenommen. Er geht davon aus, dass der Mensch aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit heraustreten kann und selbst vernünftig handeln kann. Epoche der Rationalität, der Vernunft und des Empirismus (1720 bis 1785) -> Frühaufklärung zwischen 1720 und 1755, Spätaufklärung von 1770 bis 1785. In der Literatur: Descartes, Leibniz, Wolff und Gottsched: Schlagworte deren Literatur: weltimmanente Ethik, Schreiben über die mögliche Welt, Schreiben über die Wahrscheinlichkeit und die Natürlichkeit.

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7.    Wie lässt sich die Sprache der „Soldaten“ charakterisieren?

Lenz verwendet eine sehr einfache, an der Umgangsprache orientierte Ausdrucksform. Er lässt seine Figuren doch sehr emotional sprechen, um so auch die „Erlebnissymptomatik“ zu gewährleisten. Auch der gesellschaftliche Stand der Personen, zB Wesener oder Marie, ist an der Sprache erkennbar. Der einfache Mann spricht anders als ein Adeliger, Desportes.

8.    Wie unterscheiden sich das personale bzw. das perspektivische Drama und das auktoriale Drama?

Das personale bzw. perspektivistische Drama besticht durch seine subjektive Darstellung. D.h. oftmals wird die Sicht aus der Perspektive der Hauptperson geschildert. Das auktoriale Drama hingegen hat einen, meist, neutralen Zugang; vielleicht sogar noch einen Erzähler.

9.    Worin ähnelt die Marie Wesener der Marie im Woyzeck?

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Marie lässt sich vom Adeligen Desportes den Hof machen. Beide müssen, wenn auch auf unterschiedliche Weise, für ihr Verhalten bezahlen. Im Woyzeck wird Marie das Opfer von Woyzecks Eifersucht; hingegen in den „Soldaten“ muss der Nebenbuhler Desportes sterben.

10. Inwiefern ist „Woyzeck“ ein soziales Drama?

Georg Büchner zeigt in seinem Drama einen Handlungsverlauf, der sich aus den sozialen Gegebenheiten der handelnden Figuren ergibt. Woyzeck und Marie schlagen ihren Weg aufgrund ihrer sozialen Positionen ein: Marie strebt nach sozialem Aufstieg und versucht dies durch ein Näher kommen mit dem Trambourmajor zu erreichen.

Woyzeck, in seiner sehr schwachen sozialen Position (Armut!) hingegen, muss sich seinem Schicksal fügen und aufgrund seines niedrigen Dienstgrades und seiner sozialen Not heraus, den Militärarzt zur Verfügung stellen. Weiters treibt ihn seine aussichtlose Position am Ende des Stücks so weit, Marie zu töten, da „er nichts mehr zu verlieren“ hat.


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