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Experiment 1:
Kreuzungsexperimente mit Drosophila melanogaster
1. Einleitung
1.1 Allgemeine Informationen
Drosophila melanogaster,
die Fruchtfliege, eignet sich gut als genetisches Untersuchungsobjekt, da sie
eine große Anzahl an Nachkommen in einer kurzen Generationszeit hervorbringt.
Der Lebenszyklus beträgt ca. 240 Stunden. Diese zehn Tage umfasst zwei Larven-
und ein Puppenstadium.
Des Weiteren weist D. melanogaster deutlich
unterscheidbare phänotypische Merkmale auf. Zum Beispiel durch die
verschiedenen bekannten Mutationen (s. Skript, S. 14). Aber auch die
Geschlechter lassen sich leicht unterscheiden. So hat das Weibchen einen
hellen, länglichen Hinterleib aus sieben Segmenten, das Männchen einen dunklen,
runden Hinterleib aus fünf Segmenten.
Des Weiteren besitzt das Männchen einen
Geschlechtskamm an den Metatarsen der Hinterbeine.
Die Gene liegen bei D.
melanogaster auf vier Chromosomen- den Autosomen oder den Gonosomen. Bei D.
melanogaster gibt es, wie beim Menschen, zwei verschiedene Gonosomen, also
ein X- und ein Y-Chromosom. Das Weibchen besitzt zwei X-Chromosomen, ist also
homogametisch.
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Chromosomen werden auch als
Kopplungsgruppe bezeichnet, da Gene, die auf dem selben Chromosom liegen,
gekoppelt vererbt werden. Dies widerspricht der dritten Mendelschen Regel
(Unabhängigkeitsregel). Diese Genkopplung kann jedoch durch crossing-over
aufgebrochen werden.
Crossing-over findet in der Prophase der ersten
meiotischen Teilung statt. Bei der Anlagerung homologer Chromosomen kommt es
dann zur Überkreuzung von Nicht-Schwesterchromatiden, wobei ein Austausch
homologer Segmente zwischen diesen erfolgen kann.
Je weiter Gene auf einem
Chromosom auseinander liegen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass
crossing-over stattfindet. Anhand dieser rekombinierbarkeit kann man
Rückschlüsse auf die Lage der Gene ziehen, da man immer die relative Lage der
Gene zueinander erhält. Die Genabstände werden in centi-Morgan (cM) angegeben.
Für die Versuche werden Fliegen
mit unterschiedlichen Phänotypen gekreuzt, bzw. jeweils ein Mutantenstamm mit
einem Wilstypstamm. Die in diesem Protokoll dargestellten Kreuzungen wurden
zwischen Individuen des Wildtyps (twl+bw+) mit der
Mutante twirl-brown (twl/bw) durchgeführt.
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1.2 Aufgabenstellung
Auszug aus dem Skript
Durch Kreuzungsexperimente mit
verschiedenen Mutanten von Drosophila melanogaster (Fruchtfliege) sollen
die Mendelschen Regeln überprüft werden. Mit Hilfe der Ergebnisse sollen
genetische Kopplungsgruppen identifiziert, Rekombinationsereignisse
nachgewiesen und Genkarten erstellt werden.
2.1 Material und Methoden
Material:
Nährmedium
- Wasser
- Grieß
(Weizen und Mais)
- Agar
- Trockenhefe
- Sirup
- Nipagin (= Methyl-4-hydroxybenzoat)
Allgemein:
- Lampetten
- Binokular
- Betäubungsglas
- Stopfen
- Diethylether
- Zuchtglas
mit Nährmedium
- Pinsel
-Drosophila melanogaster Wildtyp
- Drosophila
melanogaster Mutante (twirl/brown)
2.2 Durchführung
Zu erst mussten Gläser mit
Nährmedium hergestellt werden, in denen sich die Fliegen fortpflanzen sollten.
Dazu wurde 1 L Wasser mit 100 g Grieß und 8 g Agar unter ständigem rühren zum
Kochen gebracht und anschließend 2-3 g Trockenhefe und 1 Esslöffel Sirup hinzu
gegeben. Nach dem Abkühlen auf 70 °C wurden 4-5 g Nipagin (=
Methyl-4-hydroxybenzoat) dazu gegeben.
Nach dem Abkühlen auf 50 °C wurde
das Medium auf 25 Gläser verteilt und während dem vollständigen Abkühlen mit
Papier bedeckt, damit keine freifliegenden Drosophila-Weibchen Eier in
die Gläser legen konnten.
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Damit beim Ansetzen der F1-Generation
die jungen Weibchen nicht schon von den Elterntieren begattet werden, werden
diese nach einer Woche aus den Gläsern freigelassen. Zu diesem Zeitpunkt sind
bereits genügend Eier für die spätere Kreuzung vorhanden. Eine Woche später
wurden die Gläser zunächst auf ihre Reinerbigkeit hin untersucht und dann je
zwei reziproke Kreuzungen angesetzt (♀ twl+bw+ x
♂ twlbw und ♀ twlbw x ♂ twl+bw+
).
Nach einer weiteren Woche wurden wieder die Elterntiere aus den Gläsern
gelassen um unbefruchtete F1-Weibchen zu erhalten. Eine Woche später
wurden die Fliegen betäubt und auf Phänotypen und Geschlecht untersucht und
getrennt.
3. Auswertung
Die
rezessive Merkmalsausprägung wird im heterozygoten Organismus von den
dominanten Wildtyp-Allelen unterdrückt. Da von einer homozygoten
Parentalgeneration ausgegangen werden kann, müssen in der F1-Generation
alle Individuen phänotypisch den Wildtyp aufweisen.
Der Genotyp müsste bei
allen Fliegen heterozygot im Hinblick auf die untersuchten Merkmale sein, wenn
man von einer Rekombination der mütterlichen und väterlichen Chromosomen
ausgeht.
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wobei: twl+
= Wildtyp-Allel für voll ausgebildete Flügel
bw+
= Wildtyp-Allel für Augenfarbe rot
twl
= Mutanten-Allel für das Merkmal gezwirbelte Flügel
bw = Mutanten-Allel
für das Merkmal braune Augen
Die
Nullhypothese würde nun darin bestehen, dass alle Induviduen phänotypisch dem
Wildtyp entsprechen. Da die Induviduen jedoch nicht ausgezählt wurden kann
kein χ2-Test durchgeführt werden. Allerding
wurden beim Auswerten der F1-Generation nur Induviduen mit
dem Wildtyp-Phänotyp beobachtet, wodurch die Annahme bestätigt ist.
Die
Nachkommen der F1-Generation, die F2-Generation,
entstand durch reziproke Kreuzungen der F1-Generation mit einem homozygoten
Mutanten- Elter und durch eine Selbstung der F1-Generation.
Kreuzungsschemata für die F2-Generation:
1.)
♀: heterozygote F1
♂: homozygoter Elter
2.)
♀: homozygoter Elter
♂: heterozygote F1
3.)
Selbstung der F1
wobei: twl+
= Wildtyp-Allel für voll ausgebildete Flügel
bw+
= Wildtyp-Allel für Augenfarbe rot
twl
= Mutanten-Allel für das Merkmal gezwirbelte Flügel
bw = Mutanten-Allel für das Merkmal
braune Augen
Bei den reziproken Kreuzungen
ergibt sich eine phänotypische Aufspaltung von 1:1 (twl+bw+ :
twlbw ), bei der Selbstung eine von 3:1 (twl+bw+ :
twlbw ). Allerdings traten beim Auswerten der F2-Generation
auch andere Phänotypen auf (s. Tab. 1-3).
Tab.1 : verschiedene Phänotypen
der F2-Generation, 1. Kreuzung