Film Noir
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 1
2. Gesellschaftlich-historische Situation
der USA in den 1940er Jahren. 2
3. Der Film noir in den 1940er Jahren. 4
3.1 Stimmung. 4
3.2 Ästhetik. 4
3.3 Handlungen. 5
3.4 Männer im
Film noir. 6
3.5 Frauen im
Film noir. 7
3.6 Familie im
Film noir. 8
4. Fazit. 8
Quellenverzeichnis. 11
1.
Einleitung
Die 1940er Jahre gelten
als der Beginn des klassischen Film noir und markieren gleichzeitig seinen
Höhepunkt. In dieser Zeit entstanden Filme wie „The Maltese
Falcon“ (1941), „Double Indemnity“ (1944), „The Woman in the Window“ (1945),
„The Big Heat“ (1946), “Somewhere in the Night” (1946) und “White Heat” (1949)
(vgl. Walker 1992). Gleichzeitig markiert das Jahrzehnt einen
Wendepunkt des Genres:
Dominierten in den 1930er Jahren noch Gangsterfilme als Vorläufer des Film noir,
welche zwar auf gesellschaftliche Missstände hinwiesen, jedoch den „American
Way of Life“ nicht infrage stellten, begannen in den 1940er Jahren Filme zu
erscheinen, welche von einem tiefen Pessimismus geprägt waren und das
konventionelle, traditionelle Wertesystem negierten (vgl. ebd.). Ging es in der
vorhergegangenen Ära um äußere Miseren, die die konventionelle Ordnung (Gut
gegen Böse) gefährdeten, ist im Film noir der 1940er Jahre diese obsolet; es
werden korrumpierte Charaktere und psychologische Nöte dargestellt. Als Grund
hierfür gilt die Erfahrung des Zweiten Weltkrieges, welche die amerikanische
Gesellschaft mit bisher unbekannten Problemen konfrontierte.
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Von der Prämisse
ausgehend, dass das Medium Film soziale und psychologische Zustände, ebenso wie
Träume, Hoffnungen und Ängste einer Gesellschaft zu einem gewissen Zeitpunkt
abbildet (vgl.
Kellner 2000), ist das Ziel dieser Hausarbeit, der Frage
nachzugehen, inwieweit der Film noir die historisch-gesellschaftlichen
Bedingungen seiner Entstehungszeit in Hinblick auf Darstellungsformen, Themen,
und Figuren widerspiegelt. Hierzu soll zunächst auf die geschichtliche
Situation der USA in den 1940 Jahren eingegangen werden, um anschließend den
Film noir in Beziehung auf seine spezifischen Merkmale hin zu untersuchen, und
abschließend unter Hinzuziehung der theoretischen Erkenntnisse, eine Antwort
auf die Ausgangsfrage zu geben.
2.
Gesellschaftlich-historische Situation der USA in den 1940er Jahren
Mit dem Angriff auf den
Militärstützpunkt der Amerikaner im Pazifischen Ozean „Pearl Harbor“ durch die
Japaner (als Verbündete der Deutschen) am 07.12.1941 begann für die USA
offiziell die Teilhabe am Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig war der Angriff von
einschneidender Bedeutung für die Psyche der Nation, und hinterließ sie, als
erster Angriff auf dem Territorium der USA in der Geschichte, in einem
Schockzustand; war doch das bisher vorherrschende Gefühl der
Unverletzlichkeit/Unangreifbarkeit hierdurch erschüttert worden.
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Befanden sich die USA
1939 noch in einer Depression, so führte der Kriegseintritt zu einem massiven
wirtschaftlichen Aufschwung: innerhalb kürzester Zeit fand eine Entwicklung von
20% Arbeitslosigkeit hin zur Vollbeschäftigung statt. Bis 1944 hatten sich die
Gehälter mehr als verdoppelt und die Kaufkraft war immens angestiegen. Da
während des Krieges 3 von 4 Männer zwischen 18 und 32 Jahren Militärdienst
leisteten, war es „patriotische Pflicht“ der Frauen, arbeiten zu gehen, um die
leeren Stellen, die die Männer hinterlassen hatten, zu füllen. Mehr als 6,5
Mio. Frauen übten zum ersten Mal in ihrem Leben eine bezahlte Tätigkeit aus;
zuvor hatten nur Frauen, die jung, alleinstehend und arm waren, arbeiten gehen
müssen. Nun wurde „Rosie the Riverter“ zur Nationalheldin, und zum Ansporn für
Frauen, die Kriegsindustrie tatkräftig zu unterstützen. Nichtsdestotrotz
erzielten sie lediglich 65% der Höhe des Einkommens der Männer. Somit führte
der Krieg zwar einerseits zu einer dramatischen Veränderung der Rolle der Frau,
allerdings blieben gleichzeitig traditionelle Muster der Diskriminierung
erhalten. Zu betonen ist jedoch, dass zu Kriegsbeginn noch die Mehrheit der
arbeitenden Frauen nach Kriegsende ins Hausfrauendasein zurückkehren wollten -
gegen Ende des Krieges hatte sich diese Situation jedoch dahingehend umgekehrt,
dass 3 von 4 Frauen sich nicht mehr vorstellen konnten, ihre Arbeitsstelle aufzugeben.
Nach Kriegsende musste ein Großteil der ca. 75-80% der weiblichen Personen,
welche Arbeitsstellen während des Krieges angenommen hatten, diese infolge von
gesellschaftlichem Druck und antifeministischer Propaganda aufgeben.
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Während des Krieges
waren ca. 14 Mio. amerikanische Männer als Soldaten außerhalb der USA stationiert.
Diese kehrten mit Ende des Krieges - nach Jahren der Abwesenheit - in ihre
Heimat zurück und standen vor der Herausforderung sich in eine Gesellschaft zu
integrieren, die nicht mehr dieselbe war. Deshalb hatten, anders als erwartet,
die Kriegsveteranen massive Reintegrationsprobleme; viele litten unter
Psychosen und verfielen dem Alkohol bzw. nahmen Drogen. Grund hierfür war, dass
die Erfahrungen dieses Krieges, im Gegensatz zu denen des Ersten Weltkrieges,
die Soldaten psychisch stark traumatisiert zurückließen. Während des Einsatzes
in Europa, und insbesondere während der Befreiung der Konzentrationslager,
wurden die Soldaten mit einer Realität konfrontiert, welche sie vorher nicht
für möglich gehalten hätten: einer Vernichtungsmaschinerie, die innerhalb
weniger Jahre Millionen von Menschen das Leben gekostet hatte. Ihr bisheriges
positives Menschenbild und die korrespondierende Weltordnung wurden angesichts
der schrecklichen Bilder, welche sie zu Gesicht bekamen, komplett zerstört
(vgl. Christopher 2009). Wieder in den USA fühlten sie sich allein gelassen mit
ihren Erfahrungen, und waren unfähig, sich wieder in ihr altes Leben zu
integrieren.
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Noch kurz vor Kriegsende
demonstrierten die USA ihre militärische Macht den anderen Großmächten
gegenüber, und übten gleichzeitig Rache an Japan, indem sie am 6. August 1945,
eine Atombombe auf Hiroshima fallen ließen und drei Tage später eine zweite
Atombombe auf Nagasaki. Hierbei verloren 96 000 Menschen ihr Leben. Infolgessen
kapitulierte Japan, und der Zweite Weltkrieg kam zu einem endgültigen Ende.
Jedoch mündeten die Gegensätze zwischen den Siegermächten USA und Sowjetunion,
welche sie während ihres Bündnisses zugunsten des gemeinsamen Zieles
unterdrückt hatten, direkt in den Kalten Krieg. Dieser führte welcher zu einer
Teilung Deutschland und Europas sowie zu einem Wettrüsten der beiden
Supermächte. In den USA begann unter dem neuen Präsidenten Truman die „Holy
crusade between good and evil” (Chafe 2009, S.146), welche eine massive
anti-kommunistischen Propaganda, ebenso wie die Verfolgung aller
„un-amerikanischen“ Elemente beinhaltete. Das HUAC (House Committee on
Un-American Activities) verfolgte und diskreditierte jedwede Person, die unter
dem Verdacht systemfeindlich zu sein stand. Diese Verfolgung hielt auch in
Hollywoods Filmindustrie Einzug; so wurde eine sogenannte „Blacklist“ mit Namen
verdächtiger Schauspieler und Regisseure herausgegeben, und der Präsident der
„Motion Picture Association“ erklärte, dass Personen, welche nicht mit dem HUAC
kooperierten, nicht beschäftigt werden dürften.
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