Die propositionale Form trägt der Tatsache Rechnung, dass
Informationen nicht in der Originalform in das Gedächtnis überführt werden,
sondern in abstrahierender Weise, d.h. nach ihrem Sinngehalt. Reihenfolgen
werden vermutlich nicht voll ausformuliert gespeichert, sondern als Information
über die Reihenfolge selbst (à wenn es der Fall ist, dass A vor B
kommt und B vor C kommt, so wird nicht noch zusätzlich die Proposition A kommt
vor C gespeichert, sondern aus dem Wissen um eine Reihenfolge erschlossen).
Bilder werden nach dem Modell der hierarchisch verschachtelten Repräsentation
von Palmer (1977) gespeichert (à bekanntlich kann man relativ genaues
Wissen über die relative Position eines Objektes haben, auch wenn man über
deren genaues Aussehen nichts sagen kann, z.B. kann man sich zwar ein Zebra
vorstellen, nicht aber – im Unterschied zu einer gegebenen Wahrnehmung – sagen,
wie viele streifen es hat).
·
Im Prozeduralen
Gedächtnis sind Prozeduren als Wenn - Dann - Beziehungen gespeichert
(à z.B. „Wenn du den Plural eines Wortes bilden willst,
dann füge ein ‚e’ an das Wort“; dieses Beispiel zeigt, dass diese Prozedur
unvollständig ist und in dieser Form zwar oft, aber nicht immer zu einem richtigen
Ergebnis führt).
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·
Im Arbeitsgedächtnis
sind alle Informationen, die dem Bewusstsein im Moment zugänglich sind,
aktiviert.
Für den Wissenserwerb in beiden
Gedächtnissystemen werden unterschiedliche Prozesscharakteristiken angenommen.
Im deklarativen Gedächtnis ist der Lernvorgangdirekt und abrupt, im
prozeduralen Gedächtnis verläuft der Lernprozess indirekt und über die
allmähliche Schwächung alter bzw. Stärkung neuer Prozeduren, d.h. Prozeduren
können erst nach langem Üben erworben werden. Allmählich werden dabei neue
Prozeduren entwickelt, die dann die Stärke der alten erreichen oder übertreffen.
Die Prozedur wird solange geübt bis
sie automatisiert ist.
4.3 Prinzipien des Wissenserwerbs
Modell zum Erlernen einer Fertigkeit
am Beispiel des Autofahrens:
1.Schritt: Erlernen der Fakten, z.B.
Wissen über Schaltvorgänge
2.Schritt: Faktenwissen wird in
prozedurales Wissen umgewandelt, indem man etwa die erforderlichen Bewegungen
ausführt, z.B. Anwenden der Kombination von Kupplung und Gang
3.Schritt: Automatisierung, während
wenig oder überhaupt nicht darüber nachgedacht wird
Konkrete Prinzipien des
Wissenserwerbs:
à
Wissenserwerb durch sprachliches Lernen: Erwerb von Sachwissen wird häufig
durch sprachliches (verbales) Wissen erworben
à
Regellernen von Gagne: Erwerb von Regeln (Merksätze und Aussagen in jeder Form)
- Begriffe sind die Bausteine des
Wissens
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- Assimilation bedeutet Verankerung des
neuen Wissens in die kognitive Struktur
- Wissenserwerb besteht immer aus
aktiven kognitiven Strukturierungsprozessen
- Die kognitive Struktur ist
hierarchisch/vernetzt aufgebaut
- Bruner verweist zusätzlich auf
Folgendes:
àneben
dem sprachlich übermittelten Wissen gibt es auch eine unmittelbare Erfahrung
durch den Umgang mit Dingen
àneben
dem Inhalt des Wissens ist die spezifische Art des Erwerbes durch eigenes Entdecken
und Problemlösen gleichermaßen wichtig
àneben
dem sprachlich expliziten Wissen gibt es auch ein intuitives Wissen
àder
Prozess der aktiven Verknüpfung von bereits gespeichertem Wissen mit neuem Wissen
ist die Elaboration (Assimilation und Akkomodation zusammen)
Kodierung: Jede Art der Bearbeitung
des Materials während des Lernens. Am Besten für die Behaltensleistung ist die
duale (Abspeicherung von Bild und Sprache) bzw. die Mehrfachkodierung.
Das Erfassen der Umwelt im Laufe der
Kindheit (nach Bruner):
Ø Handlungsmäßige (enaktive)
Darstellung: v.a. im ersten halben Lebensjahr. Das Kind erfasst seine Umwelt
durch Verhaltensweisen wie greifen und festhalten
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Ø Symbolische Darstellung: Dinge haben
Namen, Zeichen und Symbole sind Informationsträger, die für das stehen, was sie
bezeichnen oder symbolisieren; Sprache als wichtigste Form der symbolischen
Darstellung
Aspekte des Wissens:
- unmittelbare Erfahrung oder sprachliche
Vermittlung
- Assimilation
- Kognitive Strukturen
4.4 Problemlösen (Transfer)
Das Problemlösen beinhaltet drei
Fähigkeiten:
- die Erfassung des Kerns eines
Problems
- einen optimalen Ansatz für die
Bearbeitung eines Problems finden
- eine gute und richtige
Entscheidung treffen
Die Kennzeichen eines Problems sind
ein unerwünschter Anfangszustand, ein erwünschter Endzustand und eine Barriere,
die dem Übergang des Anfangszustandes in den Endzustand im Wege steht.
Arten des Problemlösens:
(Problemlöseverfahren = Heurismen / Gesamtheit der Problemlöseverfahren eines
Menschen = Heuristische Struktur des Menschen)
v Problemlösen durch Versuch und Irrtum:
Besonders bei unübersichtlichen Problemsituationen
v Problemlösen durch Umstrukturieren und
Erkennen von Ordnungsprinzipien:
à
Was ist gesucht? Warum geht es nicht? (Situtionsanalyse)
à
Allgemeines Lösungsprinzip
à
Entwicklung eines Lösungsmodells
à Mittelaktualisierung: Die Anwendung der brauchbaren
Mittel führt zur spezifischen Lösung
v Problemlösen durch Anwenden von
Strategien: Planung und Durchführung eines Gesamtkonzeptes
v Problemlösen durch systematisches
Denken:
à
Zielpräzisierung
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à Schwerpunktbildung: Maßnahmen werden in eine Reihenfolge
gebracht
à Planung von Eingriffen
Netzdenken, komplexes
multiperpektivisches und multikausales Denken hat
sich dabei als erfolgreicher erwiesen als lineares Denken. Dabei sind alle komplexen
Bedingungsgefüge in die Überlegungen mit einzubeziehen. Besonders bei Ökosystemen
oder sozialen Systemen anzuwenden.
v Problemlösen durch Kreativität: Lösung
wird durch scheinbar spontanen Einfall gefunden
Problemlöseprozess:
Problemraum: Innere Repräsentation der
Problemsituation
Situationsanalyse: Problem definieren,
Zielanalyse (Was ist gesucht?) und Konfliktanalyse (Warum geht es nicht?)
Suchraum: Verbindung von Merkmalen der
Problemsituation mit den Handlungsmöglichkeiten des Problemlösens
Lösung und Evaluation: Lösung wird bewertet,
eventuell werden Möglichkeiten für einen zukünftigen Transfer gefunden
Strategien des Problemlösens:
Der Problemlöseprozess beruht sowohl
auf verfügbarem Sachwissen über die zu bewältigende Situation, als auch auf der
Umorganisation, dem situationsspezifischen Einsatz der neuarteigen Verknüpfung
dieses Wissens im Sinne entsprechender Problemlöseprozeduren
(Problemlösefertigkeiten = Strategien).
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