1.Essay: Chantal Mouffe:
Pluralismus, Dissens und demokratische Staatsbürgerschaft
Daniela Kühr, Matrikel: 73842
12.06.2008
Die Autorin
beginnt den Text mit der grundlegenden Frage danach, wie eine gute Gesellschaft
aussehen könnte und eröffnet dem Leser zunächst den Vorschlag einer politischen
Öffentlichkeit, in der ein möglichst großer Konsens herrscht. Als zweites
verweist sie auf eine politische Öffentlichkeit, die den Konflikt beinhaltet,
indem die Wahl verschiedener Alternativen möglich ist. Die Autorin positioniert
sich anschließend auf eben dieser Seite eines konfliktorientierten
Politikmodells mit der Begründung, dass die „Bedeutung eines Dissenses für die
demokratische Gesellschaft“ in den vorherrschenden Demokratietheorien übersehen
wird. Antagonismen, die durch ethnische, religiöse oder nationalistische
Konflikte hervorgerufen werden, sind Probleme der modernen Gesellschaft, für
die sich mittels dieser Theorien keine Erklärung finden lässt. Mouffe
kritisiert dabei vor allem die liberalen Theorien, die hauptsächlich das
rationale Individuum mit einem bestimmten Eigeninteresse betrachten. Diese
Theorien erklären aber aus ihrer Sicht nicht, wie „kollektive politische
Indentitäten konstruiert werden“, oder wie sich zwischen ihnen Antagonismen
entwickeln können.
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in „perfekter Harmonie und Transparenz“ nicht geben kann, da dies bedeuten
würde, dass jeder „partikulare soziale Akteur“ homogen ist zu einem anderen und
somit ein jeder „Repräsentation der Totalität“ für sich selbst beanspruchen
könnte.
Im Folgenden
stellt die Autorin das Buch „hegemony and socialist strategy“ vor, in dem sie
den Grundgedanken einer Theorie des „agonistischen Pluralismus“ verarbeitet
hat. Hierbei geht sie darauf ein, wie sich diese kollektiven Identitäten
konstituieren und stellt dabei heraus, dass dies durch Macht erfolgt. Macht ist
also etwas, dass nicht aus den Beziehungen zwischen zwei bereits konstituierten
Identitäten entsteht, sondern sie selbst ist es, die diese konstituiert. Man
könnte also sagen, Machtbeziehungen konstituieren das Soziale und somit auch
die Antagonismen. Daraus entsteht für Mouffe eine Erweiterung ihrer
Fragestellung. Diese soll zum einen zwar die Existenz von Machtbeziehungen
akzeptieren, aber gleichzeitig danach fragen, wie man Macht transformieren
kann, damit sie sich mit demokratischen Werten vereinbar machen lässt. Die
Lösung dieser Fragestellung ist der „agonistische Pluralismus“. Um diesen zu
verstehen trifft Mouffe zunächst eine Grundunterscheidung die als Voraussetzung
dienen soll.
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auch sie konflikthaft angelegt. Das soll aber nicht heißen, dass diese den
Antagonismus entspannen soll, sondern „Politik zielt vielmehr auf die Schaffung
von Einheit im Kontext von Konflikt und Diversität“. Politik schafft quasi
einen kompetitiven Rahmen, in der sich die Identitäten nicht als Feinde, wohl
aber als Gegner ansehen sollten. Hier bringt Mouffe den Begriff der Legitimität
ins Spiel. Der Gegner wird nun als „legitimer Feind“ betrachtet, der sich
ebenso wie der andere Gegner am ethisch-politischen Prinzip der Demokratie orientiert.
Mouffe führt dazu noch an, dass dieser Antagonismus nicht durch Deliberation
oder rationalen Diskurs zerstört werden kann, schließt aber gleichzeitig die
Möglichkeit eines Kompromisses als realen Aspekt von Politik nicht aus. Er kann
aber nur zu einer kurzfristigen Stabilisierung von Macht dienen und ist deshalb
auch immer wieder konfliktiv. Die Autorin leitet daraus das Ziel einer
demokratischen Politik ab. Es liegt darin, Antagonismen in Agonismen zu
verwandeln und durch diesen Wandel demokratische Institutionen und Prozesse zu
fördern.
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