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Erwerben rituellen Wissens und sozialer Kompetenz .doc

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Faculty
Social Science
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Sociology
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Specialised paper
University, School
Universität Osnabrück
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2007
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Universität Osnabrück

FB 3 Erziehungs- und Kulturwissenschaften

Allgemeine Pädagogik

Schriftliche Arbeit für Zwischenprüfung

Erwerben rituellen Wissens und sozialer Kompetenz

Bildungstheoretische Bedeutung schulischer Rituale

vorgelegt von Yingying Hong

Jahnstr. 32 WG oben

49080 Osnabrück

yhong@uos.de

16.08.2007

Erstprüfer: Prof. Dr. Hans Rüdiger Müller

Zweitprüfer: Wassilios Stravoravdis

Inhaltsverzeichnis

Einleitung......................1

1 Zum Begriff des Rituals 3

1.1 Ritualdefinition..............3

1.2 Die Charakteristik der Rituale...............4

1.3 Soziale Funktion..................6

1.4 Feiern und Feste als schulische Rituale.............7

2 Bildung im Ritual 9

2.1 Bildungsprozesse...............9

2.2 Erwerben rituellen Wissens................10

2.3 Erwerben sozialer Kompetenz...........11

3 Beispiele schulischer Rituale 12

3.1 Einschulungsfeier..............12

3.2 Die szenischen Arrangements.............13

Zusammenfassung..................18

Literaturverzeichnis........................19

Einleitung

Beim Begriff „Ritual“ denken viele an Einordnung und Unterwerfung, an Verlust von individuellen Gestaltungsmöglichkeiten. Doch die positive Seite der Rituale kann man nicht einfach übersehen: „Rituale bringen nicht nur Formen des Sozialen hervor; sie sind Formen des Sozialen“ (vgl. Gebauer/Wulf. 1998:128).

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Auch in Prozessen der Sozialisation, Erziehung und Bildung spielen Rituale und Ritualisierungen eine zentrale Rolle und deren Bedeutung wird zunehmend in den Erziehungswissenschaften thematisiert.

Aus der historischen Forschung wissen wir, dass Rituale in der Schule seit Entstehung dieser Institution eine große Rolle spielen. In dieser Institution stellen Rituale einerseits die Voraussetzungen für Lehren und Lernen her, das sich andererseits in ihnen vollzieht und zugleich nach seinen Zielsetzungen gestaltet.

Mit Hilfe von schulischen Ritualen werden die allgemeinen gesellschaftlichen Aufgaben der Schule, die Qualifikation, Integration und Selektion der Schüler, in konkrete Unterrichtsprozesse und situationsspezifische Rituale überführt.

Meine zentrale These dieser Arbeit lautet: Bildungsprozesse sind in rituelle Aufführungen der Schulfeiern und Schulfeste eingebettet. Dabei geht die Bildungswirkung der schulischen Rituale mit ihrem performativen und symbolischen Charakter einher.

Bildung bedeutet hier zunächst weniger die Aneignung curricularer Inhalte und formaler Fähigkeiten, sondern eher den Erwerb rituellen Wissens und sozialer Kompetenz, die im Unterricht häufig nur in eingeschränkter Weise vermittelt werden, die jedoch für die Allgemeinbildung der Kinder und Jugendlichen unerlässlich sind.

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Im zweiten Kapitel wird der Zusammenhang zwischen Bildungsprozessen und performativen Prozessen der schulischen Rituale durch Erweiterung des Bildungsbegriffs verdeutlicht.

Im dritten Kapitel werden der spezifische Charakter und ihre bildende Wirkung schulischer Rituale anhand einiger praktischer Beispiele aufgezeigt und erörtert.

Im Schlusskapitel schließlich werden alle wichtigen Thesen, die im jeweiligen Kapitel vorgelegt werden, zusammengefasst.

Kapitel 1: Zum Begriff des Rituals

Das Wort „Ritual“ bedeutet ursprünglich „Gottesdienst“ oder die schriftlichen Anweisungen dazu. Die anfängliche Nähe zwischen Ritual und Religion verdeutlicht eine religionswissenschaftliche Abhandlung von Mircea Eliade (1996) mit dem Titel „Ritual and Myth“, in der dargelegt wird, dass jedes Ritual ein „göttliches Modell, einen Archetyp“ hat, und eine symbolische Rückkehr zur Zeit und zum Ort des Ursprungs beinhaltet.

Dennoch ist man sich heute einig, dass die Einschränkung des Begriffs „Ritual“ auf Handlungen, die nur in Bezug zum Religiösen stehen, nicht geeignet ist. Der Ritualbegriff wird heute auf symbolische Handlungen ganz allgemein angewandt.

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1.1 Ritualdefinition

Platvoet hat in seinem Aufsatz „Das Ritual in pluralistischen Gesellschaften“ eine operationelle Definition von Ritual vorgeschlagen:

Ein Ritual ist eine Reihenfolge stilisierten sozialen Verhalten, das von normaler Interaktion durch seine besondere Fähigkeiten unterschieden werden kann, die es ermöglichen, die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer – seiner Gemeinde wie auch eines breiteren Publikums – auf sich zu ziehen, und welche die Zuschauer dazu bringt, das Ritual als ein besonderes Ereignis, das an einem besonderen Ort und/oder zu einer besonderen Zeit, zu einem besonderen Anlass und/oder mit einer besonderen Botschaft ausgeführt wird, wahrzunehmen.

Dies wird dadurch erreicht, dass das Ritual geeignete, kulturell spezifische, übereinstimmende Konstellationen von Kernsymbolen benutzt.“ (vgl. Platvoet, zitiert aus Belliger et al. 1998: 187)

Nach Platvoet ist „Ritual“ als weites Feld an Formen sozialer Interaktion zwischen Menschen und zwischen Gemeinschaften von Menschen betrachtet. Die Interaktion verteilt die daran Beteiligten in zwei „Rollentypen“, der eine als „Akteure“, die bestimmte Handlungen vorführen, die stilisiert d.h.

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1.2 Charakteristik der Rituale

„Ritual“ oder „Ritualisierung“ sind heute häufig als Oberbegriff für unterschiedliche soziale Formen wie Konventionen, Zeremonien, Litualisierung, Feiern zu verwenden (vgl. Gebauer, Wulf, 1998: 135ff.). Außerdem ergibt sich aus ihrem Anlass eine Unterscheidung zwischen Übergangs-, Einsetzungs-, Intensivierungs-, Widerstands-, Interaktionsritualen und jahreszeitlichen Ritualen (vgl. Wulf, 2002).

Trotz der vielfältigen Darstellungsformen haben Rituale einige wesentlichen Merkmale, die von Platvoet als „Dimension“ bezeichnet. Er hat dreizehn Dimensionen von Ritualen vorgeschlagen. Ich werde nicht auf alle Dimensionen eingehen, sondern nur auf fünf davon, die für schulische Rituale, die im letzten Abschnitt dieses Kapitels vorgestellt werden, typisch und von zentraler Bedeutung sind.

n  Die performative bzw. Performance-Dimension

In den zahlreichen Beiträgen der Ritualtheorien stößt man häufig auf den Begriff der „Performance“. Der Bezeichnung „Performance“ scheint den Begriff des Rituals oft sogar zu ersetzen. Unter den Autoren, welche die Begrifflichkeit der Performance aufgenommen haben, finden sich Victor Turner, der vom „sozialen Drama“ spricht, Erving Goffman, der die zeremoniellen Aspekt vieler unauffälliger Alltagshandlungen aufzeigt, und Stanley Tambiah, Richard Schechner und andere, welche die Idee der „kulturellen Performance“ als Darstellung und zugleich als Reproduktion kultureller Sinn- und Handlungsmuster ausgearbeitet haben.


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