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Ernst Jandls Poetik .doc

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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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2006
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S c h r i f t l i c h e H a u s a r b e i t

 

Ernst Jandls Poetik

entwickelt aus dem Gedicht „beisel“

Inhaltsverzeichnis

1. Autobiografische Notizen. 3

2. Begriffsdefinition Poetik und Poetologie. 4

2.1 Poetik. 4

2.2 Poetologie. 4

3. Ernst Jandls Poetik. 4

3.1 Die Poetik des Gedichts „beisel“. 5

4. Literaturverzeichnis. 7


1. Autobiografische Notizen

Ernst Jandl, geboren am 1. 8. 1925 in Wien, gestorben am 9. 6. 2000 ebenda. Nach Abschluß des Gymnasiums wurde Jandl 1943 zum Kriegsdienst eingezogen und geriet 1945 in amerikanische Gefangenschaft in England. Hier lernte er die neuere amerikanische Literatur kennen, vor allem das Werk Gertrude Steins, was nachhaltigen Einfluß auf seinen künstlerischen Werdegang haben sollte.

Zurückgekehrt nach Wien studierte er Germanistik und Anglistik und war bis 1979 als Gymnasiallehrer in Wien tätig. Bereits 1952 veröffentlichte Jandl erste Gedichte in der Zeitschrift "neue wege", 1956 erschien der erste Gedichtband "Andere Augen". 1954 kam es bei den Innsbrucker Kulturwochen zur Begegnung mit Gerhard Rühm und vor allem mit Friederike Mayröcker, fortan Jandls literarische und private Lebensgefährtin. Aufgrund der eingeschränkten Publikationsmöglichkeiten für avancierte Literatur in den 50er und 60er Jahren konnte Jandls bekanntester Gedichtband "Laut und Luise" erst 1966 erscheinen.

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Jandls Hörspiele aus den späten 60er und den frühen 70er Jahren etwa haben entscheidend zur "Hörrevolution" in jener Zeit beigetragen. Mit "Fünf Mann Menschen" (einer 1968 entstandenen Gemeinschaftsarbeit mit Friederike Mayröcker) und mit "das röcheln der mona lisa" (1972) war ein Maßstab gesetzt.

Die formalen Möglichkeiten des Hörspiels ebenso wie des Theaters - mit Jandls einziger größerer szenischer Arbeit, dem konsequent in der dritten Person und im Konjunktiv geschriebenen Stück "Aus der Fremde" (1980) - waren damit entscheidend erweitert worden. Bis hin zum Gedichtband "Peter und die Kuh" (1996) hat Jandl seine Art, Gedichte zu schreiben, ständig verändert.

Als 1978 der Gedichtband "die bearbeitung der mütze" erscheint, hat der Autor eine neue Sprache gefunden. In stärkerem Maß bricht sich nun eine radikale Subjektivität Bahn. Sie findet ihren Ausdruck in einer "heruntergekommenen", "verhunzten" Infinitivsprache: "seinen mistigen / leben er nun nehmen auf den schaufeln von worten / und es demonstrieren als einen den stinkigen haufen / denen es seien".

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2. Begriffsdefinition Poetik und Poetologie

2.1 Poetik

Der Terminus entstammt dem Griechischen und trägt die Bedeutung „Kunst des Dichtens“. Eine Poetik definiert die konstitutiven Elemente der Literatur im Allgemeinen oder einzelner literarischer Gattungen. Ebenso wird der Begriff für das literarische Verständnis eines Autors, im zugrunde liegenden Fall Ernst Jandls, bzw. jenes einer literarischen Epoche verwendet. Seit dem Aufkommen der Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird Poetik mehr und mehr in Bezug auf Literaturprogramme gebraucht, die in ihrer Form avantgardistischen Manifesten oder strukturalistischen Funktionsbestimmungen entsprechen.

Hierbei handelt es sich zumeist um einen Versuch, Literatur zu erneuern. Die erste und bis heute wohl einflussreichste Poetik verfasste Aristoteles cirka 330 v. Chr. Gedacht war diese als polemische Schrift gegen Platon mit dem Ziel, die Dichtung, ihre Formen und deren Eigenarten sowie die Frage der Stoffgestaltung zu klären.

Das bekannteste deutschsprachige Werk einer Regelpoetik ist Johann Christian Gottscheds „Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen“[2] aus dem Jahre 1730. Darin spielen das Primat des Vernunftprinzips und der im Zuge der Aufklärung sich seiner Würde und Freiheit bewusst werdende Mensch eine zentrale Rolle.

 

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3. Ernst Jandls Poetik

Bezeichnete man Ernst Jandls Dichtung als schmutzig, derb und grauslich, hätte der Meister selbst wohl am wenigsten dagegen. Denn Jandls Dichtung ist schmutzig, derb und grauslich, und darüber hinaus in hohem Maße pragmatisch. Der Pragmatismus besteht darin, dass Jandl die Sprache in ihren mannigfaltigen Formen einer linguistischen Analyse unterzieht.

Er extrahiert Laute und Silben, Wörter und Phrasen, beschäftigt sich eingehend mit den Eigenheiten der Umgangssprache, der Dialekte, benutzt Formen der Alltagssprache wie Anekdote, Lied oder Witz, lässt Fremdsprachen, primär Englisch, einfließen. Mit diesem breiten Repertoire verwischt der Dichter die Grenze zwischen Volks- und Hochliteratur.

Das Vorgefundene kann in traditionellem poetischem Vokabular bestehen, aber auch aus einer Sprachschicht, um die Gedichte üblicherweise einen großen Bogen machen. Egal worum es sich handelt, Ernst Jandl legt die Regel dahinter frei und führt sie bisweilen ad absurdum. Bei ihm liegt die Manipulation der Sprache in der Natur der Dichtung.

Neben den strukturellen Elementen der Sprache spielt in der Jandl’schen Poetik die Mündlichkeit eine wesentliche Rolle. Jandl möchte keine saubere Sprache, er will das Schmutzige, weil erst darin das wahre Potenzial der Sprache sichtbar wird. Und nichts ist schmutziger als der Volksmund.

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3.1 Die Poetik des Gedichts „beisel“[3]

Wie in 1. schon erwähnt, kreierte Ernst Jandl mit seinem 1978 erschienen Gedichtband „die bearbeitung der mütze“[4], der u.a. den Achtzeiler „beisel“ enthält, eine neue Form der Sprache.

Aufgrund der konsequenten Verwendung des Infinitivs erinnert dieses Idiom an den italienischen Futurismus, wie ihn Filippo Tommaso Marinetti in seinem futuristischen Manifest verfolgte. Allerdings sind die Parallelen ausschließlich formaler Natur, Jandl hätte die Gewaltbereitschaft und die Kriegsverherrlichung der Futuristen mit Sicherheit abgelehnt.

Anhand der Kleinschreibung internationalisiert Jandl, in Anlehnung an das Englische, die deutsche Sprache.

Inhaltlich drückt das zum Zyklus „tagenglas“, eine Anspielung auf die Vergänglichkeit, zählende Gedicht Verzweiflung aus. Jandl bedient sich einer heruntergekommenen Sprache, die an das Deutsch von Gastarbeitern erinnert. Damit begibt sich Jandl auf eine sprachliche Ebene, die noch unter jener der Alltagssprache positioniert ist, wodurch er alle Konventionen die klassisch-poetische Sprache betreffend bewusst missachtet.


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