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Erich Kästner: Kurt Schmidt... .doc

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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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Erich Kästner: „Kurt Schmidt, statt einer Ballade“

 


Der Mann, von dem im weiteren Verlauf
die Rede ist, hieß Schmidt (Kurt Schm., komplett).
Er stand, nur sonntags nicht, früh 6 Uhr auf
und ging allabendlich Punkt 8 zu Bett.

10 Stunden lag er stumm und ohne Blick.
4 Stunden brauchte er für Fahrt und Essen.
9 Stunden stand er in der Glasfabrik.
1 Stündchen blieb für höhere Interessen.

Nur sonn- und feiertags schlief er sich satt.
Danach rasierte er sich, bis es brannte.
Dann tanzte er. In Sälen vor der Stadt.
Und fremde Fräuleins wurden rasch Bekannte.

Am Montag fing die nächste Strophe an.
Und war doch immerzu dasselbe Lied!
Ein Jahr starb ab. Ein andres Jahr begann.
Und was auch kam, nie kam ein Unterschied.

Um diese Zeit war Schmidt noch gut verpackt.
Er träumte nachts manchmal von fernen Ländern.
Um diese Zeit hielt Schmidt noch halbwegs Takt.
Und dachte: Morgen kann sich alles ändern.

Da schnitt er sich den Daumen von der Hand.
Ein Fräulein Brandt gebar ihm einen Sohn.
Das Kind ging ein. Trotz Pflege auf dem Land.
(Schmidt hatte 40 Mark als Wochenlohn.)

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Er merkte, daß er nicht alleine stand.
Und daß er doch allein stand, bei Gefahren.
Und auf dem Globus, sah er, lag kein Land,
in dem die Schmidts nicht in der Mehrzahl waren.

So war´s. Er hatte sich bis jetzt geirrt.
So war´s, und es stand fest, daß es so blieb.
Und er begriff, daß es nie anders wird.
Und was er hoffte, rann ihm durch ein Sieb.

Der Mensch war auch bloß eine Art Gemüse,
das sich und dadurch andere ernährt.
Die Seele saß nicht in der Zirbeldrüse.
Falls sie vorhanden war, war sie nichts wert.

9 Stunden stand Schmidt schwitzend im Betrieb.
4 Stunden fuhr und aß er, müd und dumm.
10 Stunden lag er, ohne Blick und stumm.
Und in dem Stündchen, das ihm übrigblieb,
brachte er sich um.

 

 


Das Gedicht „Kurt Schmidt, statt einer Ballade“ von Erich Kästner (1899-1974) erschien zum ersten Mal im Jahre 1930 in seinem Gedichtband Ein Mann gibt Auskunft. In diesem Gedichtband befinden sich 48 humorvolle, satirisch-ironische Gedichte, die um verschiedene Themen handeln wie z.

B. Liebe, Frauen, Partnerschaft, Natur, Leben, Großstadt, Selbstmord usw. Auch mit dieser Gebrauchslyrik stufte Kästner zu der Epoche Neue Sachlichkeit auf.

Das Gedicht „Kurt Schmidt, statt einer Ballade“ erzählt über einen Durchschnittsmenschen Kurt Schmidt, über seine Hoffnungslosigkeit und vor allem über seinen stereotypen und trostlosen Leben, das er nach einem langen Arbeitstag mit Selbstmord endet.

Aus der formalen Seite ist das Gedicht in 11 Strophen geteilt, wo jede (bis auf die letzte) aus vier Versen besteht.

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Die Sätze sind oft kurz (V.9 „Ein Jahr starb. Ein anderes begann.“) und beschränken meistens sich auf einen Vers. In dem Gedicht findet man kein Lyrisches-Ich, sondern einen Er-Erzähler.

In den ersten Strophen macht uns Autor mit dem Kurt Schmidt und seinem Leben bekannt.

Wir erfahren, dass sein Leben sehr monoton ist. Jeden Tag steht er um 6 Uhr auf und geht pünktlich um 8 Uhr abends ins Bett. 10 Stunden schläft er, 4 Stunden braucht er um zu essen und zu fahren, 9 Stunden verbringt er in der Arbeit und die eine letzte Stunde bleibt ihm für „höhere Interessen“.

Sonntags und feiertags hat er Zeit für Tanzen und Frauen. Aus der vierten Strophe wissen wir, dass sich diese Routine Woche nach Woche, Jahr nach Jahr ohne Unterschied wiederholt. Im Vers 15 finden wir dafür auch eine Personifikation: Ein Jahr starb ab. In der nächsten Strophe sieht man, dass Schmidt doch einige Erwartungen und Hoffnungen hat.

Das sieht man in den Versen 18 und 21: „Er träumte nachts manchmal von fremden Ländern.“… „Und dachte: Morgen kann sich alles ändern.“ Aus der sechsten Strophe erfahren wir, dass Schmidt mit einer Fräulein, Fräulein Brandt, ein Kind hatte, einen Sohn, der aber trotz Pflege auf dem Lande gestorben ist.

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Er begriff, dass es zur keiner Änderung kommt und Nichts woran er hoffte, wird sich irgendwann verwirklichen. Er findet keinen Sinn des Lebens mehr. Der Mensch ist für ihn nur eine Art Gemüse „…das sich und andere ernährt“ und seine Seele ist auch nicht der Rede wert.

Die letzte Strophe des Gedichts ist sehr der zweiten ähnlich.

Kästner beschreibt hier wieder einen Tag- jetzt aber den letzten Tag von Kurt Schmidt. Wieder 9 Stunden in der Fabrik, 4 Stunden, die er beim Fahren und Essen verbracht hat, 10 Stunden im Bett und die eine letzte, die ihm übrig blieb und die bis jetzt immer den höheren Interessen diente, nutzte er ironisch für den Selbstmord aus.

Trotzdem ich im allgemeinen Gedichte und Lyrische Texte nicht besonders mag, fühle ich mich durch dieses Gedicht, wie auch durch die anderen aus der Epoche der Neuen Sachlichkeit und vor allem vom Erich Kästner angesprochen.

Seine Themen und besonders sein Stil gefallen mir sehr. Was mir nämlich als erstes einfällt, wenn ich das Wort „Gedicht“ höre, sind Liebe, Natur, viele Metaphern und verstecke Symbole. Hier bei Kästner ist es aber ein anderer Fall. In den meisten von seinen Gedichten, wie auch in diesem über Kurt Schmidt und sein Leben, äußert sich Kästner zu den Problemen (nicht nur seiner) Zeit und das in einer verständlichen und zugänglichen Form.

 

 


 


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