Bei Beidem soll der Dichter die erkennbare Welt
abbilden. Der erste Unterschied ist, dass in Werken des Realismus das negative
möglichst nicht dargestellt wird, wogegen der Naturalismus genau darauf abzielt
dieses detailliert wiederzugeben. Der Naturalismus gibt die äußere Wirklichkeit
mit allen Facetten wieder, der Realismus dagegen versucht die innere Wahrheit
darzustellen und zu poetisch zu überhöhen. Ein weiterer Unterschied ist, dass
der Realismus das Idealbild subjektiver menschlicher Autonomie zeigt und der
Naturalismus an die Bedingtheit des Menschen durch Vererbung glaubt. Der letzte
Unterschied ist, dass der Naturalismus die soziale Wirklichkeit ohne
Beschönigung wiedergeben sollte und der Realismus die Lebensumstände des
Bürgertums verklärte.
- Autoreninformation
/ Gedicht
Der Autor:
Arno Holz wurde am 26.04.1863 in
Rastenburg in Ostpreußen geboren und starb am 26.10.1929 in Berlin. Er war ein
bedeutender Dichter und Dramatiker uns spielte im Naturalismus und im
Impressionismus eine Rolle. Hals sein Hauptwerk gilt der 1898 verfasste
Gedichtband Phantasus. Er erhielt mehrere Auszeichnungen und Ehrungen für seine
Werke.
Das Gedicht:
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Dort sass er nachts vor seinem Lichte.
- duck nieder, nieder, wilder Hohn! - .
und fieberte und schrieb Gedichte,.
ein Traeumer, ein verlorner Sohn!.
Sein Stuebchen konnte grade fassen.
ein Tischchen und ein schmales Bett_;.
er war so arm und so verlassen,.
wie jener Gott aus Nazareth!.
Doch pfiff auch dreist die feile Dirne,.
die Welt, ihn aus: Er ist verrueckt!.
ihm hatte leuchtend auf die Stirne.
der Genius seinen Kuss gedrueckt..
Und wenn vom holden Wahnsinn trunken.
er zitternd Vers an Vers gereiht,.
dann schien auf ewig ihm versunken.
die Welt und ihre Nuechternheit..
In Fetzen hing ihm seine Bluse,.
sein Nachbar lieh ihm trocknes Brot,.
er aber stammelte: O Muse!.
und wusste nichts von seiner Not..
Er sass nur still vor seinem Lichte,.
allnaechtlich, wenn der Tag entflohn,.
und fieberte und schrieb Gedichte,.
ein Traeumer, ein verlorner Sohn!.
- Gedichtinterpretation:
Das Gedicht „Ihr
Dach stieß fast bis an die Sterne“ von Arno Holz hört sich so an, als wolle
Arno Holz die Themen des sozialen Elends zur Zeit des Naturalismus zusammenfassen.
Die Probleme des Bürgertums zu behandeln ist typisch für den Naturalismus.
Viele versteckte Details zeigen die Problematik der damaligen Zeit. „Die
stampfende Fabrik“ wird erwähnt, weil es damals noch keine
Lärmschutzbestimmungen gab, der Leiermann spielt auf das Proletariat
abgestimmte Musik, die im Keller nistende Ratte spricht für mangelnde Hygiene
und der Abschnitt „parterre gab’s Branntwein, Grog und Bier“ steht für ein
zunehmendes Alkoholproblem. Für die elenden Zustände spricht auch der Abschnitt
„Vorstadtelend“. Dieser könnte sich auch auf Prostitution anspielen.
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Zeile „In Fetzen hing ihm seine Bluse“ zeigt, dass die Person zerschlissene
Kleidung trägt und es wird auch deutlich, dass er kaum Nahrung besitzt, weil
erwähnt wird, dass er sich von seinem Nachbarn trockenes Brot leihen musste.
Holz idealisiert
den armen, verlassenen Dichter mit religiösen Bezügen auf die Geschichte von
dem verlorenen Sohn, und auf Jesus von Nazareth.
Mit dem in der
zweiten Strophe beschriebenen „wilden Hohn“ ist der Spott der Welt über den
verrückten weltfremden Außenseiter, den Träumer, den armen Poeten gemeint.
Anscheinend hält Holz den verträumten jedoch für genial und verurteilt den
Spott in der Zeile „- duck nieder, nieder, wilder
Hohn! -“. Seinen Wahnsinn bezeichnet er in Zeile 5 als Hold und sagt außerdem,
dass ihm die Not nichts anhaben kann. Schließlich sagt Holz noch, dass gerade
dieser Dichter der Mietkaserne trotz der Verelendung Glanz verleiht. Dies sieht
man in der ersten Zeile mit dem Dach, das fast bis an die Sterne stieß, mit dem
nicht das Haus mit den beachtlichen fünf Stockwerken gemeint ist, sondern der
Idealismus des im fünften Stock hausenden Dichters der unbekümmert um seine materielle Not ganz der Kunst
lebt.
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Das
Thema des Gedichtes ist typisch für die Epoche des Naturalismus und auch die
genauen Beobachtungen stimmen mit den Merkmalen dieser Epoche überein. Nur die
Tatsache, dass der Autor eine Sympathie für eine Figur im Gedicht entwickelt
hat, ist nicht ganz Epochenspezifisch. Doch gerade diese Unentschiedenheit beim
Umsetzen der Literaturtheorie in die Praxis ist typisch für zahlreiche Gedichte
der deutschsprachigen Lyrik des Naturalismus.
Außerdem ist es sehr spezifisch für den Naturalismus, dass die Hauptperson sehr
arm ist und trotzdem vom Gedichtverfasser geschätzt wird, weil ja davon
ausgegangen wurde, dass der Mensch nicht die Schuld an seinem Charakter hat,
sondern z.B. das Milieu in dem er lebt.
- Schlussinformation:
Wichtige Autoren
des Naturalismus waren zum Beispiel Max Bernstein, Max Halbe, Gherhart
Hauptmann, Arno Holz, Johannes Schlaf, August Strindberg und Émile Zola.
Wichtige Werke des
Naturalismus waren unter anderem Bahnwärter Thiel (1888 Hauptmann), Vor
Sonnenaufgang (1889 Hauptmann), Papa Hamlet (1889 Holz/Schlaf) und Revolution
der Lyrik (1899 Holz).
- Quellen:
www.erfindungen.at
www.wikipedia.de
http://www.literaturwelt.com/epochen/natural.html#werke
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