Theorie von Piaget
Piagets Theorie der kognitiven
Entwicklung betont Interaktion zwischen Anlage und Umwelt, Kontinuität und
Diskontinuität sowie den aktiven Beitrag des Kindes zu seiner eigenen
Entwicklung
à
reifendes Gehirn, reifende Wahrnehmungs- und Handlungsfähigkeiten sowie
zunehmende reichere und variablere Erfahrungen im Umgang mit der Umwelt
ermöglichen es Kindern, sich auf immer mehr verschiedene Umstände und
Situationen einzustellen
à
nach Piaget entsteht Kontinuität in der Entwicklung durch Assimilation,
Akkomodation und Äquilibration – Assimilation: Vereinfachung der einströmenden
Information, damit sie verstanden wird; Akkomodation: Anpassung des eigenen
Denkens an die Umwelt, um Einordnung der Erfahrungen zu erleichtern;
Äquilibration: Balance zwischen Assimilation und Akkomodation, ermöglicht eine
stabile Verstehensleistung
à
Diskontinuitäten der Entwicklung umfassen vier diskrete Stufen –
sensumotorisches Stadium (Geburt bis 2 Jahre): Kinder beginnen die Welt durch
die Sinneswahrnehmung und durch motorische Aktivitäten zu begreifen;
vor-operatorisches Stadium (2 bis 7 Jahre): Kinder werden zu mentalen
Repräsentationen fähig, sie neigen aber noch zum Egozentrismus und sich bei
einem Problem nur auf eine Dimension zu konzentrieren; konkret-operatorisches
Stadium (7 bis 12 Jahre): Kinder könne logisch über konkrete Aspekte ihrer
Umwelt nachdenken, aber noch Schwierigkeiten bei abstrakten Schlussfolgerungen;
formal-operatorisches Stadium (ab 12 Jahre): Kinder erwerben vor und während
der Pubertät Fähigkeit zum abstrakten Denken
Wichtige Beobachtungen innerhalb
der Stadien:
a. sensumotorisches Stadium
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- Stufe 4 (8-12 Monate): A./nicht-B-Suchfehler:
Tendenz, dorthin zu greifen, wo man ein Objekt zuvor gefunden hatte, und nicht
dorthin, wo es zuletzt versteckt wurde
- Stufe 6 (18-24 Monate):
zeitlich verzögerte Nachahmung: Wiederholung des Verhaltens anderer Menschen zu
einem Zeitpunkt, der deutlich nach dem ursprünglichen Auftreten des Verhaltens
liegt
b. vor-operatorisches Stadium
- wichtigste Errungenschaft: Entwicklung
der symbolische Repräsentationen: die Verwendung eines Objekts in einer
Funktion, für ein anderes Objekt zu stehen
- auffälligste Schwäche:
Egozentrismus: Tendenz, die Welt ausschließlich aus der eigenen Perspektive
wahrzunehmen; und Zentrierung: Tendenz, sich auf ein einzelnes, perzeptuell
auffälliges Merkmal eines Objekts oder Ereignisses zu konzentrieren
c. konkret-operatorisches Stadium
- Konzept der Erhaltung
(Invarianzkonzept): Vorstellung, dass bei einer Veränderung der bloßen
Erscheinung eines Objektes ihre Schlüsseleigenschaften erhalten bleiben
(Versuche: Objekte werden so transformiert, dass es nachher anders aussieht,
ohne dass sich dabei die fragliche Dimension verändert; mit Flüssigkeiten,
Zahlen, Mengen) fehlt Kindern in dieser Phase noch!
d. formal-operatorisches Stadium
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Wichtigsten Stärken der Theorie: breiter Überblick über die Entwicklung,
attraktive Perspektive auf das Wesen des Kindes, ihr Einbezug verschiedener
Aufgaben und Altersgruppen sowie vieler faszinierender Beobachtungen
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Wichtigsten Schwächen: Unschärfe bei den kognitiven Mechanismen, Unterschätzung
der kognitiven Kompetenz von Säuglingen und Kleinkindern, fehlende Beachtung
der Beiträge aus der sozialen Umwelt sowie Überschätzung der Konsistenz im
Denken von Kindern
Soziokulturelle Theorien
(besonders Wygotski)
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Ansätze, die den Beitrag anderer Menschen und der umgebenden Kultur zur
Entwicklung von Kindern betonen.
à
Theorien sehen Kinder als soziale Wesen, die von ihren kulturellen Kontexten
geformt werden und die selbst formen; legen Wert darauf, dass sich Kinder in
einem kulturellen Kontext entwickeln, der andere Menschen und menschliche
Erfindungen einschließt
à
durch gelenkte Partizipation helfen Menschen, die es besser können, Kindern
beim Erwerb von Fähigkeiten im Umgang mit diesen Kulturwerkzeugen; die
Verwendung der Werkzeuge selbst verändert wiederum das Denken der Kinder;
außerdem Fähigkeit, Intersubjektivität mit anderen Menschen herzustellen
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Wichtige Begriffe:
- Kulturwerkzeug: die zahllosen
Produkte der menschlichen Erfindungskraft, die die Denkleistungen erhöhen
- Intersubjektivität: das
wechselseitige Verständnis, das Menschen bei der Kommunikation füreinander
aufbringen
- Geteilte Aufmerksamkeit: ein
Prozess, bei dem soziale Partner ihre Aufmerksamkeit bewusst auf einen
gemeinsamen Gegenstand in der äußeren Umwelt richten
- Soziales Referzieren: die
Angewohnheit, Sozialpartner anzuschauen, um eine Hilfestellung zu bekommen, wie
man auf unbekannte oder bedrohliche Ereignisse reagieren soll
- Zone proximaler Entwicklung:
der Bereich der Leistungsfähigkeit zwischen dem, was das Kind ohne
Hilfestellung kann, und dem, was es mit optimaler Unterstützung bewältigt
Die frühe Kindheit
- Motorische Entwicklung -
à
Kinder zeigen normalerweise bei der Entwicklung ihres motorischen Verhaltens
eine ähnliche Abfolge der wichtigsten Schritte; beginnt bei Neugeborenen mit
angeborenen Reflexen und bei der Entwicklung der eigenständigen Fortbewegung
(krabbeln, laufen) praktizieren Kinder eine Vielzahl von unterschiedlichen
Bewegungsmustern, um möglichst überall hinzukommen und verschiedenen
Herausforderungen in der Umwelt zu bewältigen
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Näheres zu Reflexen:
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Definition: angeborene, festgefügte Handlungsmuster, die als Reaktion auf eine
bestimmte Art der Reizung auftreten
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Greifreflex: schließen Finger um alles, was ihre Handinnenfläche berührt;
Suchreflex: Drehung des Kopfes bei Berührung an Wange, Öffnung des Mundes;
Saugreflex: bei Kontakt des Mundes mit Brustwarze
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Prereaching movements: die ungelenken, ausschlagenden Bewegungen von Säuglingen
in die grobe Nähe von Objekten, die sie sehen; eine Vorform der Greifens
- Lernen -
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Kinder beginnen von Geburt an, etwas über die Welt zu lernen; sie habituieren
auf wiederholt auftretende Reize, bilden Erwartungen über sich wiederholende
Ereignisfolgen aus und lernen Assoziationen zwischen bestimmten optischen und
akustischen Eindrücken, die regelmäßig zusammen auftreten
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Klassisches Konditionieren bei Neugeborenen und Kindern nachgewiesen; besonders
wichtig beim Lernen emotionaler Reaktionen; erlernen von Kontingenzbeziehungen
zwischen ihrem eigenen Verhalten und seinen Folgen
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bei älteren Kindern wirksame Form des Lernens ist Beobachtungslernen: ab 6
Monaten lernen Kinder viele neue Verhaltensweisen einfach durch die Beobachtung
dessen, was andere tun; Intentionalität spielt wichtige Rolle
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