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Universität Erfurt
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Literatur-Wissenschaften

I)                   Was ist Literatur?

[è Sonderfall der Kommunikation, kein einheitl. Literaturbegriff]

deskriptiv (extensiv/erweitert): alles schrifl. Verfasste

ó intensiv (enger): literarisch Relevantes

a)      inhaltl. Aspekte

- Fiktionskriterium è Merkmal fiktionaler Texte: Konstituierung des Gegenstands + keine genaue Entsprechung in realer Welt

- Auftauchen schon in Antike (Sokrates/ Platon) mit „Mimesis“-Begriff (gr.: Nachahmung)

- Platon (eher negativ): Dichter = Nachahmer des Nachgeahmten è Dichter = Lügner

- Aristoteles (eher pos.): Dichter schafft eigene, auf Realität bezogene Welt è erkenntnisfördernde + affektregulierende Wirkung

- gr.: „Katharsis“ als Wirkziel der Tragödie (Zuschauer kann sich durch Identifikation mit Held von neg. Affekten reinigen)

b)      formale Aspekte

1) Struktur des Dargebotenen (sprachl. Mittel, literarischer Sprachgebrauch)

2) Rahmen d. Inszenierung (mediale Präsentation)

3) ästhetische Einstellung d. Zuschauers gegenüber fiktionalen Texten

[Arbeitsfelder der Lit-Wis:

1) Arbeit am Text 2) Literaturgeschichte 3) Editionsphilologie]

II) wissenschaftl. Bibliografieren:

 

1) Titelangaben bei Verfasserschriften (Monografien) è kursiv [handschriftl.: unterstreichen]

Verfassername, Vorname: Titel. Nebentitel. Auflage (nicht die erste). Ort: Verlag Jahr

(= Reihentitel).

Bsp.:

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2) Titelangaben bei Zeitschriftenaufsätzen:

Verfassername, Vorname: „Titel. Nebentitel“. In: Zeitschriftentitel Jahrgangsnummer (Jahr), S.x-y.

Bsp.:

Moenighoff, Lisa: „Die Bibliothek als Schauplatz“. In: Literatur für Leser 23 (2000), S.121-135.

3) Titelangaben bei Sammelschriften: (Herausgeberschriften)

Herausgebername, Vorname/(Hg.) oder (Hrsg.): Titel. Nebentitel. Auflage. Ort: Verlag Jahr (=Reihentitel). è bei mehreren Herausgebern: alphabetisch ordnen

4) Titelangaben bei Aufsätzen in Herausgeberschriften

Verfassername, Vorname: „Titel. Nebentitel“. In: Herausgebername, Vorname (Hg.): Titel. Nebentitel. Auflage. Ort: Verlag Jahr (= Reihe), S.x-y.

III) Hannelore Link: Modell (zentrales Analyseschema narrativer Texte):

E1: außertextuelle Kommunikat° (realer Autor – realer Leser)

E2: Konstruktebene (impliziter Erzähler – impliziter Leser)

E3: intertextuelle Kom./ Pragmatik/ Discoursebene [Erzählsituat°: Wie wird erzählt?] (fiktiver Erzähler – fiktiver Leser)

E4: Welt im Text/ Semantik/ Histoire [Raum, Zeit, Figurenkonstellat°)


[Link: 2 Kommunikationsformen:

a)      face-to-face:

- wechselseitig, mündl. Unmittelbar

- Ich (sprecher) – Du (Angesprochener) – Es (Sprachgegenstand)

- Mimik, Gestik!

b) schriftl. Kom.:

- Textprodukt°

- Unterschied: Produktion ó Rezeption è Missverständnisse

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IV) Erzählsituationen [Narrativik]: nach Genette/ Stanzel

1) Erzählinstanz: homo~ (Ich~) ó heterodiegetischer (Er~) Erzähler

2) Wahrnehmungsperspektive: auktorial (außen) ó personal (innen)

[3) Erzählsituat°:

a) auktorial: Er-Erzähler + externe Fokalisation

b) personal: Er-Erzähler + interne Fok.

c) Ich-Erzähler + externe Fok. /// Ich-Erzähler + interne Fok.

VORSICHT: aukt. Erzähler kann sich selbst mit „Ich“ bezeichnen => keine Ich-Erzählsituat°]

V) Kommunikationssituation:

narrativ: Medium = Buch (Produkt° + Rezept° zeitl. getrennt)

ó dramatisch: !!! kein Autor/ Erzähler !!!

-          Produkt° + Rezeption simultan

-          Plurimedialität d. Textpräsentat°

-          Ebene d. Geschichte: Konflikt

[ direkte Wirklichkeitsdarstellung durch Schauspieler/ Bühnenbild/ Beleuchtung/..]

VI) Aktantenmodell: Greimas

-          Funktion: Einteilung der Handlungsträger in Texten

-          Aktanten: Subjekt (Bond) Sender (engl.Königin) Adjuvant (gute Frau)

Objekt (Weltrettung) Empfänger (Welt) Opponent (Gegenspieler)

VII) Mittelalter [MA]: 500-1500 n. Chr.

-          Mündlichkeit è Schriftlichkeit

-          Lat. Schriftsprache è volkssprachl. Literatur

-          Weiterentwicklung zu Heldenepik : Chanson de geste („Rolandslied“)

-          Weiterentw. zu Troubadourlyrik: Besingen einer unerfüllten Liebe („Erec + Enide“)

 

 

 

VIII) 1. Moderato Cantabile:

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[E3] Discours-Ebene:

1)      Erzähl-Situat°: heterodieget.

2)      Perspektive: nicht eindeutig definierbar (Kameraperspektive Annes; 7. Kapitel: auktorial; sonst: personal)

[E4] Histoire-Ebene:

a)      Figurenkonstellat°: 2 Hauptfiguren (Anne + Chauvin); Nebenfiguren (u.a. Kind = Reflektorfigur)

b)      Raumstruktur: Opposition: Haus ó Café (Verbindung: Bd. de la mer)

[auch soziale Räume dargestellt, deren Umkehrung durch Annes Bewegung]

VIII) 2. Nouveau Roman: keine literar. Schule sonder Gruppe von Autoren

-          50er – 70er Jahre [Sartre: Existenzialismus ó Camus: Absurdes]

-          Ausgangspunkt: Kritik d. trad. Romans à la Balzac (bürgerl. Realismus)

-          Zerstörung von/ Absage an:

1)      Mythos: „Autor = genialer Schöpfer“ è Textautonomie

2)      psycholog. Analyse

3)      traditionelle Romanfigur

4)      klass. Autor-Leser-Verhältnis

5)      polit. Engagement

-          Aufwertung des Erzählers als Vermittlungsinstanz

-          Ziel: Suche neuer Ausdrucksformen

ANOALOGIE: Moderato

-          keine Figurencharakterisierung

-          starke Leser-Involvierung

-          extrem reduzierte Handlung

-          Erzählinstanz nicht genau feststellbar

IX) Realismus: [Begriff retrospektiv von Malerei auf Literatur übertragen] 1830-1870

1)      Roman wird dominante Gattung (löst Drama ab)

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3)      Geschichtlichkeit des Darstellbaren (Verweise auf histor Ereignisse)

4)      Senken der Fiktionsschwelle (Einführen realer Orte/ Figuren)

[- Bedeutungszuwachs von Beschreibungen

- erstmals Aufwertung der Unterschicht

- Figurencharakterisierung

- Alltägliches im Zentrum]

Autoren: Flaubert (Madame Bovary), Balzac (Le père Goriot), Standhal (Le rouge et le noir)

X) Absurdes Theater:

-          keine literar. Gattung sondern retrospektiv geprägte Bezeichnung für best. Strukturmerkmale von Stücken

-          Problematik: absurd (lat.): sinnlos/ misstönend, ABER: Theater hat immer Sinn

(è sinnlos ist die Darstellung der Welt [nach Sartre + Camus])

Merkmale d. abs. Theaters in „En attendent Godot“: (Suche nach menschl. Existenz)

-          Handlungsreduktion (nur „Warten“)

-          reale Handlung von kreisender Bewegung abgelöst (analoge Struktur der Akte)

-          Reduktion der Figuren (nicht kontextualisiert)

-          Redukt° des Raumes (reduziertes Bühnenbild in unendl. offenem Raum)

Chrétien de Troyes (Auszug aus Prolog von „Erec + Enide“, 1170)

-          einer der Autoren des MA

-          bereits Bewusstsein des Autors als Beruf

-          kommt wahrsch. aus Champagne („Troyes“)

-          Geistlicher, hatte 2 Mäzene (= Gönner)

-          Einer de wichtigsten Texte: „Comte du graal“ (Perceval)

Prolog von „Erec + Enide“:

- Kennzeichen einer mündl. Kultur (Sprichwort/ faire oeuvre sage/ conte d’aventure/ jongleurs)

- Kennzeichen einer schriftl. Kultur (Namensnennung/ belle composition/ Erinnerung)


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