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Einführung in die germanistische Mediävistik .doc

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Human Science
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German
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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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VO, Vorlesung
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2. VO Einführung in die germanistische Mediävistik

Begriffserklärung Mediävistik

Mediävistik ist die Lehre vom Mittelalter. Mediävistik versteht sich als interdisziplinäres Fach (siehe MA s.1). Hinter dem Begriff Mediävistik steht das Lateinische medium aevum [Mittleres Zeitalter d.h. Zwischen Antike und Neuzeit].

Diese Bezeichnung ist nur möglich wenn man aus der Retrospektive auf eine dann schon vergangene Zeit zurückblickt und sie als etwas dazwischen Liegendes, in der Mitte stehendes sieht. Das Mittelalter liegt zwischen Antike und Renaissance. In der Renaissance erfolgt ein Rückblick auf die Antike. Was diesen Blick stört ist das medium aevum (das mittlere Zeitalter).

Die Humanisten blicken also zurück und sind begeistert von der klassisch griechischen und römischen Antike und von deren Sprache (bes. dem klassischem Latein). Man sieht das Mittelalter, als eine Zeit in der man Latein nicht entsprechend pflegt, in der Latein eine Eigendynamik bekommt (Latein entwickelt sich im Mittelalter als damals wichstige Sprache weiter).

Humanisten vermissen das was klassisches Latein ausmachte (Klarheit der Sprache, natürliches Gefühl für Rhetorik und Metrik). All das hätte man im Mittelalter, als Zeit des „Küchenlatein“ verloren. Die Humanisten sehen sich selbst als moderni und blicken zurück auf die antiqui (die klassischen Lateiner).

 

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Die germanistische Mediävistik ist Teil der Forschung im Bezug auf das Mittelalter.

Zentraler Forschungsbestand der germanistischen Mediävistik ist der mittelalterliche volkssprachliche Text im deutschen Sprachraum. Natürlich auch in Betrachtung gleichzeitiger lateinischer Texte, der Philosophie, der Geschichte, der anderen Volkssprachen (das Altenglische, das Altfranzösische), der Theologie, der Kunst dieser Epoche.

All diese Aspekte müssen mit einbezogen werden will man mittelalterliche Texte verstehen.

Beispiel: „Parzival“. Ein mittelalterlicher Bildungsroman über die Figur des Parzival. In der deutschen Volkssprache gestaltet von Wolfram Eschenbach. In diesem Roman erleben wir die ritterliche Lebenswelt. Diese wird uns vorgeführt durch die tägliche Umgebung, in der Parzival aufwächst, in der er sozialisiert wird, in der er sich richtig und vielfach falsch benimmt.

Es gibt weite Sequenzen die von Ritterlichkeit und ritterlichem Lebensstil handeln. Es findet sich in diesem Text aber auch detaillierte Beschreibungen der Ausrüstungsgegenstände solcher Ritter und ihren Umgangsformen beispielsweise Begrüßungen. Solche Texte dienen auch der Gegenüberstellung von Idealität und Realität.

Parzival enthält auch Informationen zu Heilkräftigen Mitteln(pharmakologisches Wissen, im Zusammenhang mit verletzten, sterbenden Rittern).

 

Zu MA Seite 2:

 

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Nicht im Zentrum stehen die viel breiter gestreuten lateinischen Texte. Literatur respektive Text stehen immer in Wechselbeziehungen, welche auf den Text einwirken und aus diesem auch wieder herausfilterbar sind, zu ihrer Umgebung etc.

Siehe MA Seite 2:

1.) Sozialhistorisches Umfeld: (Autor sowie Publikum projizieren ihre Interessen an ihrer Zeit, ihre Position im sozialen Gefüge in Texte hinein.)

2.) Kulturelles Umfeld: (Beispiel: Höfische Kultur prägen Texte.) Wissen (Theologisch, Zeitgeschichte etc.)

3.) Literaturhistorisches Umfeld: (Wechselwirkungen innerhalb von Texten, Gattungen sind geprägt von formalen Normen die sich innerhalb einer Gattung immer wiederholen, Schon Bekanntes wird bearbeitet, ergänzt usw.)

Wollen wir Kontakt zu historischen Texten benötigen wir ein Maß an allgemeinen kulturhistorischen Kenntnissen: Grundkenntnisse in Geschichte, literaturhistorischen und sprachlichen Kompetenzen denn eine lebendige Sprache ist ständig im Wandel (Umso weiter man in der Zeit zurückgeht umso schwerer Fassbar werden solche sprachlichen Wandlungen).

Das Mittelalter

Ein Begriff der 1000 Jahre umfasst. Der Begriff Mittelalter gaukelt eine nicht existierende Einheitlichkeit vor. Selbstverständlich ist das Mittelalter von charakteristischen Konstanten in Mentalität, Weltbild und Lebensformen andererseits aber auch von fundamentalen Andersartigkeiten (Alteritäten) geprägt.

 

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„Das Mittelalter ist ein Paradoxon. Es ist uns nah und fern zugleich“, Barbara Tuchmann: Buch über das 14 Jhd. „A distand mirror“.

Wenn man sich mit dem Mittelalter beschäftigt hat man es mit der Grundlegenden Epoche unserer auch heute noch existierenden Kultur zu tun. Diese Phase der 1000 Jahre ist die Zeit in der das geistige Erbe der griechisch, römischen Antike verschmilzt mit allem was wir christlichen Glauben und Katholizität nennen.

Als drittes Element fügt sich das germanische und keltische Erbe (Erzählungen, Feste, Rituale) hinzu. Vormals einzelne Elemente, die für sich existiert haben fügen sich zu einem neuen Ganzen zusammen (Amalgamisierung).

Das Mittelalter besitzt Modellhaftigkeit und auch die Attraktivität des Fremden. Modelle die einen dunklen Schatten werfen und durchaus über das Mittelalter hinaus wirken sind beispielsweise die Inquisition (Präzise Terrorapparate, Massenhysterie und die Verfolgung von Minderheiten haben in der Menschheitsgeschichte weit über das Mittelalter hinaus Kontinuität).

Zwei Vorurteile:

Mittelalter als Zeit des Aberglaubens der Massenreligiosität und des Hexenwahns (Dark Ages). Andererseits gibt es Mittelalterromantiker welchen dem die heile Natur, die romantischen Städte etc. entgegenhalten.

Beide Vorurteilsgruppen vertreten unreflektierte Teilbilder eines viel komplexeren Ganzen das diese Epoche ausmacht.

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Im naturwissenschaftlichen Denken existiert Kritikfähigkeit. Weiter kommt es zu Entwicklungen in der Physik und der Optik, genialen Ingenieursleistungen und auch zu ökonomischen Entwicklungen(Im Bargeldlosen Geldtransfer und im Versicherungswesen). Schließlich zeigen sich vor allem im Spätmittelalter erste Grundlagen des modernen Staates (Ein Staat der Territorien ausbildet und zentrale Verwaltungsmechanismen instrumentalisiert.)

Heute gibt es viele Bestrebungen mittelalterliches Wissen zurückzugewinnen. Beispielsweise wissen aus dem Bereich der Pharmakologie (Wissen über verschiedene Pflanzen und Mineralien).

Zur zweiten Gruppe: Unterworfenheit der Menschen unter die erwähnte heile Natur. Beispiel: Unbefestigte Verkehrswege, Unerklärliche Naturkatastrophen (beginnend bei Hagelunwettern).

Unerklärbares im Bereich von Krankheiten, Naturkatastrophen etc. führen mit zu Aberglauben. Mittelalter war eben auch eine Zeit der Ängste.

Zur Folie:

Darstellungen von Brillen (rund um 1350) als Beweis für feinmechanische Fähigkeiten.

Joachim Heinzle: „Das Mittelalter hat Konjunktur“ Laut Hans Robert Jauß hängt dies mit drei Aspekten zusammen: Wir empfinden ästhetisches Vergnügung bei der Betrachtung von Mittelalterlichem (Bücher, Bilder etc.). Weiters Freude an der befremdenden Andersartigkeit des Mittelalters.


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