Einführung in die
germanistische Mediävistik
Germanistik: urspr. Wissenschaft von den
germanischen Völkern; heute: Wissenschaft von der deutschen Sprache und
Literatur
Mediävistik: Wissenschaft vom
Mittelalter
Germanistische Mediävistik: Wissenschaft
von der deutschen Literatur/Sprache des Mittelalters
Mittelalter = Jahrtausend von 500 bis 1500
Beginn der Sprachgeschichte -> 750
Frühmittelalter (500-1050): lateinische Lücke von 950-1050 -> keine
schriftlichen Aufzeichnungen
Hochmittelalter (1050-1250)
Spätmittelalter (1250-1500)
Süden und Westen waren immer früher entwickelt als Norden und Osten!
Kontinuität = Aktualität des
Mittelalters (z.B. Umgangsformen)
Alterität = Andersartigkeit/Fremdartigkeit (betrifft nicht nur
Vergangenheit sondern auch andere Kulturen) z.B. politisches System,
Gesellschaftsordnung, Kulturtechniken, kein Gewaltmonopol des Staates,
Wahrnehmen von Religion/Tod/Raum
Rezeption = Überlieferung einzelner Werke über Zeiträume und Grenzen
hinweg
Christlich – abendländische Kultur: griechisch-römische
Antike + christlicher Glaube + keltische Kultur
Verstehen
mittelalterlicher Texte
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Papstlied 1 & 2 von Franz Josef Degenhardt (stammt eigentlich
von Walther; nachgedichtet um es für uns verständlicher zu machen) – er bekam
Probleme mit der Baader-Meinhof Gruppierung
Das Verstehen eines mittelalterlichen Textes wird von Historischen
Kenntnissen, Literaturwissenschaftlichen Kenntnissen, Kulturwissenschaftlichen
Kenntnissen und der heutigen Sprachkompetenz beeinflusst.
Wege zum besseren Verstehen:
1) Schrift entziffern können
2) Sprachliche Anlehnung
3) Formanalyse (z.B. Prosa oder Vers)
4) Textaussage (nimmt Text Bezug auf die Wirklichkeit?, Thema?, was will
Dichter damit sagen?)
5) Bedeutung (Hermeneutik)
Das deutsche Sprachgebiet
in der ahd. Zeit
Germanen ließen sich im 6. JH nieder -> versch. Dialekte aber
keine richtige Schrift
Deutsche Sprache bildete sich nach dem Sesshaft werden
Nur Geistliche konnten lesen und schreiben (sie übertrugen die
lateinischen Buchstaben auf die deutsche Sprache; geschrieben wurde nur in
kulturellen Zentren = Klöster)
In den Klöstern wurde meistens AHD Gesprochen (ca. 2/3)
AHD war dominanter als Altniederdeutsch (nur ca. 1/3)
4 Stammessprachen aus denen Deutsch
entstand: Hochdeutsch (Fränkisch, Bairisch, Alemannisch) und Niederdeutsch
(Sächsisch)
Die Benrather Linie trennt Niederdeutsch (hat Ähnlichkeiten
mit dem Englischen) von Hochdeutsch (=hypothetische Grenzlinie)
An der Grenze zu Frankreich mündet die Benrather Linie in den Rheinischen
Fächer (nahe der Grenze wurde doppelt gesprochen – Nd und Hd)
Wichtigsten Schreiborte: Fulda, St. Gallen, Salzburg, Mainz,
Weissenburg
Latein war Amtssprache; Deutsch (theodiscus) war die Sprache des
Volkes
Ältestes deutsches Buch = Wörterbuch (um
750 entstandene Übersetzung von lateinischen Wörtern – „Abrogans“)
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Lebensbedingungen im
Mittelalter
Bevölkerungsentwicklung:
Anfang des 6. JH gab es 2 Millionen Menschen in Deutschland; Mitte
14. JH gab es große Pestwellen -> ¾ der Bevölkerung starben
Klima:
Um 500 war das Klima kühl und nass; im 12. JH (=höfisches Jahrhundert)
gab es dann eine Hitzeperiode
Landwirtschaft:
Zwischen dem 9. – 12. JH konnte die Landwirtschaft ver3facht werden
-> die Entwicklung der Städte war nur möglich weil es genug zu essen gab; es
gab aber auch Naturkatastrophen/Seuchen/Hungersnöte und es wurde unökonomisch
gewirtschaftet
Karl der Große (768-814)
·
Fühlt sich als Schwert Gottes
·
Wollte einen heiligen Krieg gegen Heiden führen
(-> Sachsen)
·
Schutzherr über Rom
·
Setzte eigenmächtig Bischöfe ein
·
Setzte sich über Befehle des Papstes hinweg
·
Papst erkannte neue Macht in Europa an ->
Karl wurde Kaiser, König der Langobarden und Franken (wurden zum führenden Volk
in Rom/Fortführung des römischen Kaiserreichs durch die Franken)
·
Bemühte sich um Religion und Bildungswesen
(Bildungsreform)
·
Verwaltungssystem: Kaiser war nicht sesshaft
-> hatte mehrere Pfalzen (= Herrscherhöfe); Aachen war sein beliebtester
Aufenthaltsort (-> heiße Quellen) ->Königspfalz (wurde 2. Rom genannt)
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o
Kämmerer = „Finanzminister“
o
Marschall = Stallmeister (wurde später zum
Oberbefehlshaber der Reitertruppen) oder „Verteidigungsminister“
o
Truchsess od. Seneschall = Küchenmeister; bekam
mit der Zeit die Leitung des Hofes übertragen; „Innenminister“
o
(Mund)Schenk = Verwalter der königlichen
Weingärten; „Landwirtschaftsminister“
o
Hofkapelle = Sammelbegriff für alle geistlichen
am Hof; nur sie konnten lesen & schreiben; übten Verwaltungsarbeiten aus;
„Kanzler“
·
Lies alle Gesetzt sammeln und aufschreiben
·
Admonitio generalis: Reform zur Verbesserung der
Ausbildung; Errichtung von Schulen und Bibliotheken in allen Klöstern; die
Reform wurde Aufgrund großer Missstände eingeführt
·
Vereinheitlichung der Schrift: karolingische
minuskel; nur Kleinbuchstaben; er verschriftlichte auch die bis dahin nur
mündlich überlieferten Volkssprachen (z.B. Heldenlieder Sammlungen)
·
Pfalzkapelle in Aachen =heute: Aachener Dom; er
demonstriert mit dem Bau seinen Renaissancewillen für die antike Kultur (z.B.
Goldkuppel); von Papst Leo 3. Eingeweiht; auf dem Thron Karls wurden 32 Könige
des Mittelalters gekrönt
·
1165 Heiligsprechung Karls (trotz mehrerer Ehen
& Kriege)
·
Gilt als Begründer des modernen Europas
·
Viele Sagen über sein Leben und seinen Tod (z.B.
Karlszyklus -> Rolandslied)
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ü
Nur Geistliche konnten antikes Wissen über
Landwirtschaft usw. verstehen -> gaben es an Bevölkerung weiter
ü
Normale Bevölkerung musste auf Wissen aus
eigener Erfahrung zurückgreifen; man konnte nur in den Domschulen etwas lernen
ü
Analphabetismus war normal; Lesen &
Schreiben war Ausnahme (-> nur Geistliche konnten es)
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Christentum = Buchreligion -> Motivation für
Klöster die Schriftlichkeit zu pflegen; Bibel = wichtigstes Buch=Buch der
Bücher->steht über allen anderen Büchern und besteht aber auch aus mehreren
Büchern:
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Liturgische Bücher (enthalten Messtexte u.
Melodien)
o
Brevier (Textbücher)
o
Misale
o
Lektionar (Lesungsbuch)
o
Evangelie
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Abendländisches Mönchstum ist geprägt von
Benedict von Nurcia (schuf Ordensregel) Aufgabe der Mönche: Ora et labora et
lege!
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2. Missionierungswelle ab 700 ->
Angelsächsische Mission: Hl. Bonifatius hat in Mainz & Fulda gewirkt ->
wichtige Schreiborte; Bonifatius war wichtigster Kirchenreformer in Frankreich
(wird als Apostel der Deutschen bezeichnet)
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Kirchenglocke rief Mönche zum Gebet & diente
zur Orientierung; an Fasttagen nur 1 Mahlzeit; gemeinsamer Schlafsaal
(=Dormitorium)->im frühen MA; einzelne Zellen erst im späten MA
Schreib- und Buchkultur
Ø
Ab 4./5. Jh. löst Codex (=Buch) die
Schriftrolle ab
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