Universität Passau
Lehrstuhl Didaktik der Geographie
Klausurenkurs: Didaktik der Geographie für Examenskandidaten
mit schriftlicher Prüfung
Seminarleitung: Dr. Gerd Bauriegel
Wintersemester 2009/10
Examensaufgabe
Herbst 1995
Thema 1: In der geographiedidaktischen Literatur werden drei
Wege zur Einführung in das Kartenverständnis genannt. Stellen Sie die drei Wege
in ihren einzelnen Phasen dar, und nennen Sie Vor- und Nachteile des jeweiligen
Verfahrens!
1. Einführung in das Kartenverständnis
2. Drei Wege zur Einführung in das
Kartenverständnis
2.1 Das synthetische Verfahren
2.1.1 Die Phasen des synthetischen
Verfahrens
2.1.2 Vorteile
2.1.3 Nachteile
2.2 Das genetische Verfahren
2.2.1 Die Phasen des genetischen
Verfahrens
2.2.2 Vorteile
2.2.3 Nachteile
2.3 Das analytische Verfahren
2.3.1 Die Phasen des analytischen
Verfahrens
2.3.2 Vorteile
2.3.3 Nachteile
3. Fazit
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1. Einführung in das
Kartenverständnis
In der heutigen
globalisierten Welt gehört die Topographie zum Basiswissen. Deshalb ist es umso
wichtiger, dass die Kinder eine Einführung in das Kartenverständnis bekommen.
Dabei werden kindgemäß grundlegende Elemente in topographischen und
thematischen Karten erarbeitet, mit dem Ziel Karten zu lesen und einfache Kartenskizzen
erstellen zu können.
Im Folgenden
werden drei verschiedene Verfahren der geographiedidaktischen Literatur
vorgestellt.
2. Drei Wege zur Einführung in das
Kartenverständnis
2.1 Das synthetische Verfahren
2.1.1 Die
Phasen des Verfahrens
Dieses Verfahren
baut die für das Kartenverständnis notwendigen grundlegenden Einsichten und
Erkenntnisse systematisch in kleine, logisch aufeinanderfolgenden
Einzelschritten auf:
Lineare
Verkleinerung, Grundrissdarstellung, Orientierung nach Himmelsrichtungen, geographische
Grundbegriffe, Symbole und Farben (ENGELHARDT/GLÖCKEL).
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- Messen und
Verkleinern
- Umfahren von
Gegenständen und Modellen
- Draufsicht
- Luftbild
- Abdruck im
Sand
- Zeichnen von
Grundrissen
- Herstellung
von einfachen Karten
Bei dieser
Methode steht also vor allem das Verständnis der Kartenentstehung und der
Begriffe im Vordergrund. Die Kinder werden von der Wirklichkeit über das
selbsttätig erstellte Modell zur eigenen kartenmäßigen Darstellung geführt.
An einem kleinen
Ausschnitt der Wirklichkeit, dem Klassenzimmer und später des Schulhauses,
sollen die Kinder die lineare Verkleinerung und die Grundrissdarstellung
einführend verständlich gemacht. Zudem wird eine erste Hürde für das spätere
Verständnis von Plan und Karte genommen.
Anschließend
wird das Schulviertel oder ein Ausschnitt aus dem Ortsplan erarbeitet. Der
kleinere Maßstab hat zur Folge, dass es zu einer stärkeren Vereinfachung und
Generalisierung kommt. Zudem werden die Grundrissdarstellung, lineare
Verkleinerung und Orientierung an den Himmelsrichtungen erneut geübt.
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Ausgehend vom
Dorf bzw. der Stadt folgt die Erkundung der näheren Umgebung. Verbunden damit
ist eine Einführung geographischer Grundbegriffe und deren Darstellung durch
Zeichen oder Farben.
Sinnvollerweise
bedient man sich bei diesen Verfahren eines von den Schülern überschaubaren und
vertrauten Raumes (RINSCHEDE). Jede dieser Vorgehensweise ist bei der
Erarbeitung unterschiedlicher Räume in sich straff gegliedert:
Im ersten
Schritt wird nach dem Prinzip der Originalen Begegnung der entsprechende Raum
(Schulhaus, Schulviertel, Stadt, Umgebung) von den Schülern erkundet und
anschließend im Sandkasten oder in einem Modell in dreidimensionaler
Verkleinerung dargestellt. Der Raumausschnitt des Sandkastens bzw. Modells wird
danach beispielsweise mit Hilfe einer darüberliegenden Glasplatte abgezeichnet
(Grundrissdarstellung). Nach diversen Orientierungsübungen mit Hilfe der
Grundrissdarstellung, werden geographische Grundbegriffe eingeführt, sowie
Symbole und Farben in die Karte eingetragen.
2.1.2 Vorteile:
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- Gefahr einer
Bastelstunde, zeichentechnische und handwerkliche Probleme dürfen nicht im
Vordergrund stehen
- Hoher
Zeitaufwand
- Unterforderung
leistungsstarker Schüler und Schüler mit viel Vorwissen
2.2 Das genetische Verfahren
2.2.1 Die
Phasen des Verfahrens
Bei diesem
Verfahren wird von der erlebten Wirklichkeit ausgegangen. Kinder fertigen
selbst Karten eines Raumabschnittes an, wobei der Wert auf kindlichen
Raumerlebnissen und -darstellungen liegt. Anschließend werden die
unterschiedlichen Darstellungen analysiert, verglichen und bewertet. Die
Kinder erkennen dabei, dass gemeinsame Konventionen bei der Kartendarstellung
notwindig sind. Um zu einer allgemeingültigen Kartendarstellung zu kommen, wird
das Verfahren durch Elemente anderer Vorgehensweisen ergänzt.
Umsetzung im
Unterricht:
- Erleben und
Erfahren des Heimatraumes (Unterrichtsgang)
- Sammeln und
Darstellen des Erfahrenen
à Karten anfertigen, Bildkarte
der Kinder als Anfangsstufe für weitere Schritte
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