Eine Analyse des Stückes Arturo Ui
2. Zur Entstehung des Arturo
Ui
Bertold Brechts Interesse an Amerika fokussierte sich
stark auf die korrupten Verstrickungen von Politik und Kapitalismus.
Informationen über realistische Details dieses Gefüges aus
Politik und Wirtschaft, sammelte er während seiner Bearbeitung des Stoffes zum Dreigroschenroman.
Mit dem so gewonnenen Einblick und dem intensiven Befassen dieser Thematik,
stellte sich Brecht gegen die faschistische Form des Kapitalismus, in der
die Regierung
schrittweise in die Hand von Verbrechern fällt, die das bestehende System mit
aller Macht zu verteidigen gewillt sind und nicht davor zurückschrecken, das
Volk in Kriege zu treiben, um ihre Geschäfte ungehindert weiterführen zu
können.
Bei seinen zahlreichen Recherchen und seinem Studium dieser
Thematik, weckte das Organisierte Verbrechen, in seiner Funktion und
Vorgehensweise, das besondere Interesse Brechts.
Als Brecht im Oktober 1935 zur Uraufführung der Mutter
Courage zum ersten Mal nach Amerika reiste, dauerte sein Aufenthalt ganze
zwei Monate. Die dort verbrachte Zeit nutzte er um die Lebensumstände vor Ort
näher kennen zu lernen.
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Es war eine Zeit in der Brecht intensiv versuchte die
sozialen, kulturellen und politischen Gegebenheiten dieses Landes aufzunehmen.
Dabei stieß er auch auf den, in Amerika grade aktuellen,
Bandenkrieg in New York, der eine immense Serie von Ermordungen mit sich
brachte.
Brecht sammelte Stöße von Berichten aus verschiedenen
deutschen und englischen Zeitungen New Yorks und brachte das ganze Material mit
nach Dänemark zurück.
Unter all den abgefassten Artikeln und Berichten befand
sich auch derjenige, in dem beschrieben wurde wie Al Capone zum Gangsterboss
von Chicago aufgestiegen war.
Diese Geschichte hatte einen ausschlagebenden Einfluss auf
das von Brecht verfasste Stück vom aufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui.
Die Arbeit an diesem Stück wurde aber erst später
begonnen. In seinem Arbeitsjournal am 10. März 1941, also bereits im finnischen
Exil, notierte er:
An das
amerikanische theater denkend, kam mir jene idee wieder in den kopf, die ich
einmal in New York hatte, nämlich ein gangsterstück zu schreiben, das gewisse
vorgänge, die wir alle kennen, in die erinnerung ruft. (the gangsterplay
we know). Ich entwerfe schnell einen plan für 11-12 szenen. Natürlich muß es im
großen stil geschrieben werden
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Der Anspruch an das Stück war, dem amerikanischen Publikum
den Aufstieg Adolf Hitlers in einer ihm vertrauten Umgebung bzw. in einem ihm
vertrauten Rahmen nahe zu bringen.
Bereits am 28. März 1941 schreibt Brecht:
inmitten all des
trubels um die visas und die reisemöglichkeiten arbeite ich hartnäckig an der
neuen GANGSTERHISTORIE. nur noch die letzte szene fehlt. die wirkung der
doppelverfremdung – gangstermilieu und großer stil – kann schwer vorrausgesagt
werden.[...].
An den beiden vorangegangenen Auszügen aus dem
Arbeitsjournal Brechts, ist die kurze Zeitspanne in der das Stück entstand sehr
auffällig.
Der Grund warum Brecht es in so kurzer Zeit niedergeschrieben
hat, findet sich in den historischen Verhältnissen.
Das faschistische ´Deutsche Reich` war auf
dem Höhepunkt seiner Macht. Die Nationalsozialisten eroberten Land um Land. In
kürzester Zeit wurden Österreich, die Tschechoslowakei, Polen, Frankreich,
Belgien, Holland und Dänemark erobert.
Das Imperium des
deutschen Faschismus und der mit ihm verbündeten Diktaturen hat einen
unvorstellbaren Umfang angenommen.
Das finnische Exil war für Brecht mehr und mehr zu einem
unsicheren Ort geworden, da es nur noch eine Frage der Zeit war bis die
deutschen Truppen auch in Finnland einfallen würden.
Der „Arturo Ui“ ist das letzte im europäischen Exil
geschriebene Stück von Brecht.
3. Die Handlung
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Der Schauplatz an dem sich das Geschehen abspielt ist
Chicago. Die Ausgangslage ist eine große Krise, entstanden dadurch, dass
der Karfiol-Trust sein Gemüse nicht mehr absetzten kann. Die Gründe dafür
sind die Übersättigung des Marktes und die mittellose Bevölkerung. Arturo Ui,
bis zu diesem Zeitpunkt nur ein kleiner Ganove, tritt zum ersten Mal in
Erscheinung als die Veruntreuung einer Staatsanleihe droht aufzufliegen.
Ab diesem Zeitpunkt beginnt sein Aufstieg in der
Gangsterhierarchie.
Er terrorisiert die kleinen Gemüsehändler, um von ihnen
Schutzgeld erpressen zu können. Sein Plan aus der Krise, den der Trust
unterstützt, ist die totale Unterwerfung des Kleinhandels und Zerschlagung der
Unruhen von Arbeitern und Arbeitslosen.
Uis Leute zünden den Speicher eines Händlers an und lassen
einen Arbeitslosen vom Gericht dafür schuldig sprechen. Als Chicago unterworfen
ist, tötet Ui die plebejischen Elemente seiner Gang und wird so zum
gleichberechtigten Partner vom Trust.
Er unterwirft den benachbarten Ciceroer Gemüsetrust, der
mit den Kleinhändlern ebenso verfährt und kündigt an weiter Städte zu erobern.
4. Die Parallelen zwischen Ui –
Capone – Hitler, als primäre Verfremdung
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Wie bereits in Punkt 2 erwähnt wurde, hatte Brecht die
Karriere Al Capones schon in Amerika mit großem Interesse verfolgt. Was ihn dabei faszinierte war
die
Vergleichbarkeit der Verbrecherorganisationen mit der Bildung kapitalistischer
Monopole.
Diese Vernetzung von Kriminalität, Wirtschaft und Politik
beobachtete Brecht auch in Deutschland. Die frappierenden Ähnlichkeiten und die
Tatsache, dass in beiden Situationen jeweils eine Person als Stellvertreter
dieser Geschehnisse ins Zentrum der Öffentlichkeit gerückt wurde, ist ein
Grund dafür, dass in der fiktiven Ui Figur Einflüsse von Hitler und Capone
vorhanden sind.
Ein weiterer Grund ist, dass sich unter den mitgebrachten
Artikeln über die Bandenkriege in Amerika auch ein Bericht vom Verfasser der
ersten Al Capone Biographie befand.
Stellt man die Biographie Hitlers daneben, zeigt
ein gründlicher
Vergleich der biographischen Einzelheiten beider historischer Figuren[...], daß die Geschichte vom Aufstieg des fiktiven Arturo Ui
eine geschickte Kombination ihrer Karieren ist.
Diese Parallelen in den Biographien lassen sich an vielen
Stellen des Textes ausmachen. Alle drei Figuren arbeiten sich im Verlaufe ihres
Werdegangs konsequent nach oben – Capone und Ui innerhalb ihrer
Verbrechersyndikate, Hitler innerhalb der Politik.
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