Die Zukunft der Zeitung
Das
Ende der Zeitung wird schon seit Jahren heraufbeschwört. Doch erstmals trifft
es in den USA eine Reihe bedeutender, überregionaler Tageszeitungen, die ihr
Erscheinen in den letzten Monaten einstellen mussten. Neben einer Wirtschatfskrise
wird die gedruckte Tageszeitung jedoch vor allem von einem übermächtigen
Konkurrenten bedroht: dem Internet.
Das größte Zeitungssterben in der US-Geschichte
Immer mehr
Zeitungen in den Vereinigten Staaten geraten finanziell so sehr unter Druck,
dass sie ihren Betrieb einstellen müssen. Im Februar 2009 stellte eine der
ältesten Zeitungen, die 150 Jahre alte Rocky Mountain News, ihr Erscheinen ein.
Vier Verlage, die zusammen 33 Zeitungen besitzen, haben in den ersten vier
Monaten des Jahres 2009 Insolvenz angemeldet. Bedroht sind bedeutende,
überregionale Zeitungen wie der Boston Globe, die Los Angeles Times oder die
Chicago Tribune. Auch das Flaggschiff der US-amerikanischen Zeitungen, die New
York Times, kämpft um ihr Überleben.
Während die
Auflage der US-Zeitungen in den letzten 15 Jahren um 14% zurückgegangen ist,
sind nun auch die Anzeigeneinnahmen dramatisch eingebrochen. Zur Strukturkrise
der Zeitungen – 1960 lasen noch vier von fünf US-Bürgern eine Papierzeitung,
heute sind es weniger als die Hälfte – gesellte sich eine Wirtschaftskrise.
Allein zwischen 2005 und 2007 sind die Gesamteinnahmen der US-Zeitungen um 11%
geschrumpft.
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Der globale Zeitungsmarkt wächst
Global
gesehen sind gedruckte Tageszeitungen allerdings keineswegs ein Auslaufprodukt.
Die gedruckte Auflage ist 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 3,7% gestiegen. Auch
die verkaufte Auflage ist um 2,6% höher als 2006. Vor allem in Osteuropa,
Afrika und Asien boomen Zeitungen.
Einbrüche erleiden allerdings die
klassischen Tageszeitungsmärkte in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und
eben den USA. Zurückzuführen ist diese Entwicklung auf eine Spaltung zwischen
Industrie- und anderen Ländern („digital divide“). Verlage in Entwicklungsländern
profitieren nun von später Alphabetisierung und technischem Rückstand.
Die Lage in Österreich
Hierzulande sind die Tageszeitungen vor
allem durch einen Einbruch bei Kleinanzeigen bedroht, die ins Internet
abgewandert sind, und durch Inseratenrückgänge infolge der Wirtschaftskrise.
Eine Auflagenkrise wie in den USA ist dagegen nicht zu verzeichnen.
Allgemeine Trends in Europa
Die Auflagen von Europas Zeitungen sind
generell rückläufig, vor allem in Westeuropa. Mittlerweile gibt es in den
meisten europäischen Ländern auch kostenlose Tageszeitungen. Das Internet
gewinnt zudem auch als Nachrichtenkanal an Bedeutung. Junge Leser fehlen als
Abonnenten.
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Wie die Zeitungen auf die Krise reagieren
Experten beim
diesjährigen European Newspaper Congress in Wien konstatieren vor allem eine
Qualitätsoffensive der Tageszeitungen im Kampf gegen die Krise. Seriosität und
Eleganz der Titel, die zur täglichen Wochenzeitung mutieren, werden gestärkt.
Die magazinige Zeitung hat längere Aufmacher (monothematisch über die ganze
Titelseite), weniger Meldungen und Geschichten, dafür aber mehr
Hintergrundberichte.
Die
Veränderungen sind schon an den Titelseiten erkennbar. Große, ausdrucksstarke
Bilder finden sich am Cover, Schwerpunkausgaben werden konzipiert und eine
Extra-Version für den Verkauf soll die Auflage steigern.
Auch die
News-Seiten werden umgebaut. Große Bilder, auch mit mehreren Szenen, weniger
Text, mehr Weißraum und extreme Bildschnitte sind kennzeichnend für diese
Entwicklung.
Einige
Zeitungen haben mit diesen Veränderungen vor allem auf die geänderten
Lesebedingungen reagiert. Die Leser haben unter der Woche wenig Zeit zum Lesen
und heben sich gute Texte fürs Wochenende auf. Aktuelle Neuigkeiten werden
meist schon online gelesen, lange bevor sie in der Zeitung stehen.
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weniger Medien leisten wollen und können.
Neben dem Ruf
nach staatlichen Finanzspritzen für das „Kulturgut Zeitung“ ruht die Hoffnung
vor allem in den USA auf Rechercheinitiativen, die sich durch
Mitgliedsbeiträge, Spenden und Erlöse aus Dienstleistungen finanzieren.
Experten-Meinungen
Abschließend
noch einige Einschätzungen und Meinungen von Experten:
Zur
Qualität des Online-Journalismus: „Online-Angebote
können dem klassischen Journalismus in puncto Informationsdichte und
Professionalität bis auf Weiteres nicht das Wasser reichen. Sie ersetzen
durchweg keine gute Zeitung und erreichen auch nicht die professionelle und
ästhetische Qualität“ (Siegfried Weischenberg, „Verkäufer ihrer selbst“, Die
Zeit Nr. 43/2007)
Zur
Zukunft der gedruckten Zeitung: „Trotz aller
Veränderung wird die gedruckte Zeitung in den Verlagen noch für viele, viele
Jahre der Kern des Geschäftsmodells sein. Denn man kann im Netz auf absehbare
Zeit nicht so viel verdienen, wie man im Printgeschäft verlieren kann“
(Medienökonom Horst Röper in der Zeit Nr. 39/2007)
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