Heinrich Heine
Die schlesischen Weber
(1844)
Das Gedicht wurde von Heinrich
Heine im Jahre 1844 verfasst. Heinrich Heine wurde 1797 in Düsseldorf geboren und
stammte aus einem jüdischen Kaufmannshaus. Er studierte Jura in Bonn, Berlin
und Göttingen, nachdem er eine Kaufmännische Lehre gemacht hatte. Seit 1831
arbeitete er in Paris als freier Schriftsteller und geriet dort auch in
literarische Kreise. Durch einen Bundestagsbeschluss wurden alle Jungdeutschen
Schriften ab 1835 in Deutschland verboten. Das Verbot traf auch Heine. Er
unternimmt Reisen nach England, Italien und mehrere in seine Heimat Deutschland.
Die Reise 1843/ 1844 war seine letzte Deutschlandreise. Im Jahre 1846 erkrankte
Heine schwer und war seit 1848 an sein Bett gefesselt und starb nach langer
schwerer Krankheit im Jahre 1856 in Paris.
Das Gedicht "Die
schlesischen Weber" handelt von der mühseligen Arbeit der Weber in
Schlesien und beschreibt die Situation der Weber nach dem verlorenen
Weberaufstand im Juni 1844. Es kann als unmittelbare Reaktion auf die blutig
niedergeschlagenen Weberaufstände (1844) verstanden werden.
This paragraph has been concealed! Download the complete document for free! • Click on download to get complete and readable text • This is a free of charge document sharing network • First upload your own document, and you get a word document per email • No registration necessary, gratis Swap homeworks and notes at no charge! Gratis scripts for students and pupils! Es übt Kritik am Verhalten der Reichen
und deren Ausbeutung der Arbeiter, die wie streunende Hunde schliesslich
erschossen werden. Der Titel des Gedichtes assoziiert bei mir die politische
und gesellschaftliche Situation von 1844:
In der Zeit, in der Heinrich
Heine das Gedicht geschrieben hatte, begann in Deutschland die erste Phase der
Industrialisierung. Durch die Einführung der Bauern- und Gewerbefreiheit kam es
zur Landflucht in die Städte, wo sich die Landflüchtigen ein besseres Leben
erhofften. Es entstand eine neue Gesellschaftsschicht der Arbeiter, dem
Proletariat, die vom Bürgertum, den Fabrikherren, ausgebeutet wurden, die am Existenzminimum
lebten und dem Hungertod jeden Tag näher ins Auge blicken mussten.
Diese Stimmung der Verzweiflung
bzw. die düstere Grundstimmung ist im Gedicht sehr gut erkennbar, wobei sie als
Hass und Fluch auf die Reichen und Mächtigen in Erscheinung tritt. Meine
Leithypothese kann ich also zusammenfassend so formulieren: Heine übt in seinem
Gedicht, bezugnehmend auf den blutig niedergeschlagenen Weberaufstand in
Schlesien, Kritik an jeglicher Art von Obrigkeit: an Gott, am König, weil er
der König der Reichen ist und an den falschen Versprechungen des Vaterlandes. Die
Form, der Aufbau und der Klang des Gedichtes unterstützen dabei den Inhalt.
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Volksliedes entschieden, was den Hinweis ergeben könnte, dass er dieses Webergedicht
an die breite Masse richten wollte. Im Gedicht gibt es eine Verbindung zwischen
der ersten und letzten Strophe, welche die äussere Situation bzw. die Arbeit
der Weber beschreibt.
Diese Klammer dient dem Gedicht
als Rahmen. Die drei "inneren" Strophen widerspiegeln die innere
Gefühlswelt der Weber und ihre Situation. Die erste und letzte Strophe gleichen
sich daher sehr. Bei beiden Strophen kommt "Deutschland, wir weben dein
Leichentuch" vor, wobei am Schluss das Leichentuch in Bezug auf "Altdeutschland"
genannt wird. Bei beiden Strophen heisst es im letzten Vers: "Wir weben
hinein den dreifachen Fluch".
Der Fluch zieht sich als roter
Faden durch die drei "inneren" Strophen. Jede der drei Strophen wird gleich
mit einem der drei Flüche eingeleitet. Die bevorzugte Wortwahl des Autors sind
eigentliche Schlagwörter, die wie eine geballte Ladung Wut die starken Gefühle
zum Ausdruck bringen: Fluch, Tränen, Hungersnöte, Elend, Schmach, Schande,
Fäulnis, Moder, geben starke Chiffren für eine verzweifelte Situation ab. Die
Verse beginnen zum grössten Teil mit "wir", welches die Masse der
hungernden Arbeiter betont. Die Syntax besteht aus einem kontinuierlichen
Rhythmus, den man mit einem Webstuhl vergleichen kann bzw. sich einen Webstuhl
vorstellen kann.
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Gedicht erhält durch seinen Klang und der Wortwahl des Autors etwas
Bedrohliches. Der Rhythmus des Gedichts deutet vielleicht auch auf die
Akkordarbeit der Weber und insofern auf das nie endende Weben und somit auf das
wachsende Elend. Der dreifach gewobene Fluch an Gott, dem König und dem
Vaterlande soll dereinst das Leichentuch für Deutschland sein.
In der ersten Strophe wird im
ersten Paarreim mit den Worten "düster", "Träne" und
"fletschen die Zähne" die Situation durch einen aussenstehenden
Beobachter ("Sie sitzen am Webstuhl
") beschrieben. Mit
diesen einleitenden Worten wird die dunkle, düstere Grundstimmung schon zu
Beginn verdeutlicht. Die düsteren Augen, die keine Träne mehr hervorbringen, habe
ich vorerst mit einer Gefühlskälte und Emotionslosigkeit von den Webern assoziiert.
Doch denke ich, dass die Weber einfach
zu keiner Gefühlsregung mehr fähig sind, auch deshalb, weil ihnen niemand in
ihrer Hoffnungslosigkeit hilft. Die Alliteration "sie sitzen" lässt
vorerst nichts Negatives verlauten, doch der nachfolgende Satz "und
fletschen die Zähne" relativiert diesen eigentlich normalen Arbeitsablauf
des Sitzens und Webens. "fletschen" ist ein Begriff aus dem
Tierreich, wobei die Weber mit Hunden verglichen werden. Somit wird eine
Parallele im Bezug auf ihre Rechtlosigkeit gezogen.
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also auch die Reaktion und Entschlossenheit der Weber, etwas gegen ihre
Situation unternehmen zu wollen.
Im
folgenden Paarreim verschwindet die aussenstehende Beobachtung und die Weber
kommen selbst zu Wort. Das lyrische Ich der Weber ("wir") bleibt bis
zum Schluss bestehen. Deutschland wird in der dritten Zeile personifiziert:
"Deutschland, wir weben dein Leichentuch". Es
verdeutlicht nochmals die drohende Gefahr, die von den Webern ausgeht.
Vorstellbar wäre, dass die Weber an den ewig erscheinenden Arbeitstagen, das immer
grösser werdende Tuch als Produkt ihrer Wut betrachten, in dem alles Elend zu
einem Ganzen, zu etwas Bedrohlichem, verwoben wirbt. Danach folgt wieder der
Refrain, als eine Art bedrohlicher Ruf aller Weber, wie das hin und her
schiessende Schiffchen bei einem Webstuhl.
Die
folgenden drei "inneren" Strophen werden alle durch einen der drei
Flüche eingeleitet. Der erste Fluch in der zweiten Strophe, gilt dem Gott, der
sie, trotz aller Gebete, in der Winterskälte und den Hungersnöten im Stich
gelassen hatte. Aus der einstigen Hoffnung ist durch das vergebliche Warten auf
Erlösung ein Fluch geworden. Dieser verlorene Glaube an Gott wird mit der Alliteration
"vergebens gehofft und geharrt- er hat uns geäfft,
gefoppt und genarrt" verdeutlicht. Der folgende Gedankenstrich
führt sie wieder auf ihre kontinuierliche, monotone Tätigkeit zurück, vor der
sie nicht entfliehen können. "Wir weben, wir weben!"
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