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Die Reformationszeit und Martin Luther .doc

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Theology
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Ludwig-Maximilians-Universität München - LMU
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Prof. Harry Oelke, SoSe 2009
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22.04.09

Die Reformation

-          Vier Grundprobleme ziehen sich durch jede Epoche der Kirchengeschichte

1.       Was ist Kirche?

2.       Verhältnis von Kirche und Staat

3.      Was ist Theologie?

4.      Verhältnis von Christen zur Welt

-          Epochen

KG

Epochenbezeichnung

Datierung

I.

Alte Kirche

0-500 n. Chr.

II.

Mittelalter

500-1500 n. Chr.

III.

Reformation und Konfessionalisierung

1500-1650 n. Chr.

IV.

Neuzeit

 

 

(V.)

a) Pietismus

b) 19. und 20. Jahrhundert

1650-2000 n. Chr.

-          Wissenschaftlichkeit des Faches „Kirchengeschichte“

o   Pragmatische Methode

o   Historisch-kritische Methode

o   Plausibilitätsgrundsatz

o   Intersubjektive Überprüfbarkeit

-          Rahmenbedingungen des Zeitalters der Reformation

o   Ereignisgeschichte

Reformation und Konfessionelles Zeitalter

(1500-1555)                                      (1555-1650)

o   Kirchengeschichte

Re-formatio Neue Theologie und Kirche

Konfessionelles

Kirchensystem

o   Kennzeichen

Epochenspezifisches Verhältnis von geistlichem und weltlichem Bereich:

Kirche/ Theologie Staat/ Politik

Frühneuzeitliche Gesellschaft

REFORMATION ALS GANZHEITLICHER PROZESS!

24.04.09

§1) Zentrale Aspekte der gegenwärtigen Reformationsforschung

  1. Epochencharakter der Reformation

-          Die Reformation als Bruch zwischen Mittelalter und Neuzeit

-          Entscheidendes Werk: Leopold von Ranke

o   Deutschland im Zeitalter der Reformation, 6 Bände, 1838-47 führt zur offiziellen Bezeichnung der Reformation als Epoche

 

 

-          Chronologischer Anschlussband von Moritz Ritter:

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-          Zeitalter der Konfessionalisierung

-          „Reformation und Gegenreformation“ In der Forschung tendenziell mit dem Status einer historischen Antithese versehen

-          Jüngere Forschung:

o   16./17. Jahrhundert

o   Reformation Konfessionalisierung

o   Konfessionelles Zeitalter, Frühe Neuzeit

o   Problematik: Reformation lässt sich nicht parallelisieren geht der katholischen Konfessionalisierung voraus

-          Intention der Reformation ≠ Wirkung

o   Intention: Re-formatio Rückkehr zur alten Kirche

-          Ernst Troeltsch: „In der Reformation sind mittelalterliche Züge aufgetreten“ bezeichnet die Reformation dem Mittelalter zugewandt problematisiert die Zäsur von 1517

-          Frage nach einer Modernisierung ausgelöst durch die Reformation

-          Reformation führt auch zu einem Bürokratieschub

  1. Einheit und Vielfalt der Reformation

-          Die Reformation war kein einheitlicher Prozess

o   Verschiedene Stände

o   Verschiedene theologische Konzepte

-          unterschiedliche soziologische Träger der Reformation

o   Ritter

o   Humanisten

o   Bürgertum

o   Handwerker

o   Bauern

o   Adlige

-          voneinander abweichende Lehren

o   Luther

o   Zwingli

o   Trient

o   Täufer

-          heterogene Typen des Reformationsverlaufs

o   „von oben“

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o   „Landreformation“

-          Mindestmaß der Einheitlichkeit:

o   „normative Zentrierung“ um Luthers Lehre (Berndt Hamm)

o   Drei Übereinstimmungspunkte:

§  Unterschiedliche Trägergruppen haben gemeinsame Schnittfläche mit Luthers Anliegen

§  Gemeinsam im Sinne der Lehre Luthers sind sie gegen die römische Papstkirche

§  Umgestaltung des Gemeinwesens und der Kirche im Sinne Luthers

§2 Voraussetzungen der Reformation

-          religiöse und gesellschaftliche Auflösungserscheinungen scheinen aus heutiger Sicht bereits erkennbar gewesen zu sein

Drei große Umbruchsbereiche

  1. Die Politische Umbruchssituation

-          Wunsch nach Veränderung der Verhältnisse

Verbesserung der Lebensumstände

Das Heilige Römische Reich deutscher Nationen

 

Fürsten, Geistliche

Ritter, Äbte, Minestralien

Mittelalterliche Lehnsordnung

Der König

Kron-Versallen

Unter-Versallen

Hörige Hintersassen

-          Machtverlust der Zentralgewalt: Kaiser

-          Machtgewinn der partikularen Territorialstaaten

„Finanzkrise des Kaisertums“

-          Abhängigkeit des Kaisers (finanziell) von allen Territorialstaaten auch den protestantischen er bekämpft sich also nicht, weil er sie braucht

  1. Der wirtschaftliche Strukturwandel 29.04.09

-          Gliederung der Gesellschaft in drei Stände

o   Ständestruktur:
1. Adel
2. Bürgertum
gewinnt immer mehr an Bedeutung
3. Bauernstand
vom Adel abhängig

-          Landgebiete vs. Stadtgebiete

-          80-90% der Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten

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-          Mit der Pest ist der Tod gegenwärtig mentale Veränderung Heilssehnsucht

-          Agrarkrise verschärft sich weiter Bauern wurden Opfer der sozialen Deklassierung

-          Feudalabgaben wurden erhöht große Unzufriedenheit

-          Viele Bauern wirtschaften am Rande des Existenzminimums (ca. 30%)

-          Pfeiffer von Niklashausen (1476)

o   Predigt nach Marienerscheinung obrigkeitskritisch

o   Gewinnt große Anhängerschaft bedingt durch emotionale Regungen der Zeit
soziale Unruhen aufgrund der sozialen Ungleichheit am Vorabend der Reformation

-          „Bundschuh-Bewegung“ (1493, 1502, 1513)

-          „Armer Konrad“ Bauernbewegung (1517)

-          Stadt gewinnt zunehmend an Bedeutung als Lebenszentrum
Blüte der deutschen Städtekultur um 1500
wichtige Voraussetzung für die Reformation

-          („urban event“)

-          Auch in Städten: Krisenerscheinungen
Verbindung von Stadt und Land über die Märkte
Krise greift vom Land auch auf die Stadt über

-          Nur 25-40 Städte hatten mehr als 1000 Einwohner
größte deutsche Städte: Köln und Augsburg

-          Frühkapitalistische Produktionsweise

-          Zünfte: fassen Berufe zusammen, schaffen Kommunikation innerhalb der Berufsgruppe kleine soziale Einheit, die sich um soziale Fragen kümmerte

o   Zünfte verlieren zunehmend an Bedeutung und werden durch frühkapitalistische Produktionsweisen abgelöst (z.B. Verlagswesen)

-          Großgewerbe tritt auch in der Vordergrund im Bergbau und der Textilherstellung

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-          Heimarbeit wird für den gesamten Produktionsbereich populär
bisher den Zünften vorbehalten

-          Folgen:
1. Soziale Differenzierung
2. Entmachtung der Zünfte
3. Kein „soziales Netz“

-          Der Ruf nach Veränderung in den Städten war enorm

  1. Die kirchliche Krise

-          Reaktionen auf die Krise der Kirche:

o   Kirchenkritik/ Antiklerikalismus vs.

o   Gesteigerte Frömmigkeit

-          seit 1470 ist das Ketzerproblem nicht mehr existent
Vorrausetzung für die Reformation

-          Zeitgleich mit den inneren Zerfallserscheinungen der Kirche: Krise auf allen Ebenen der kirchlichen Amtsträger

-          Gescheiterte Reform des Konziliarismus

o   Postulat: „Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern“

-          Neue Autorität und Stärkung des Konzils auf der Synode in Konstanz als „Antwort“
Das Konzil wird dem Papst übergeordnet
entscheidende Reform!
Notstandskonziliarismus „Haec Santa“

 

Papalismus

Konziliarismus

Zeit

ca. 1050-1350

ca. 1350-1450

Agenten

Papst und Kurie

Konzil (Bischöfe und Laien)

Kennzeichen

Päpstliche Machtkonzentration

Dezentrale Machtstrukturen

Kirche

Monarisch strukturiert

Konzillares Primat
(in Notsituationen)

-          Festschreibung in Konstanz, wann genau Konzile stattfinden müssen

-          Scheitert auf dem Konzil von Basel-Ferrera-Florenz (1431-1449) Scheitern des Konziliarismus „Papst gewinnt“

-          Verwerfung des Konziliarismus: Pius II. (1458-1464)

-          Luther misst später den Konzilien großen Wert bei

 

Fehlleistungen der Kirche am Vorabend der Reformation


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