Die Methodik des
vernetzten Denkens zur Lösung komplexer Probleme
Gilbert
J.B. Probst und Peter Gomez
Die
Grundvorstellungen des vernetzten oder ganzheitlichen Denkens bilden eine
Perspektive, die uns heute relevant und notwendig erscheint, um in sozialen,
komplexen Problemsituationen gestaltend und lenkend einzugreifen.
Wir unterscheiden
drei verschieden Arten von Situationen: einfache, komplizierte
und komplexe.
Einfache Probleme
enthalten nur wenige Einflussgrößen, Beziehungen und Interaktionen. Hier geht
es etwa um die Korrektur des Budgetrahmens, die Einsatzplanung von
Mitarbeitern, usw.
In komplizierteren
Problemsituationen haben wir zwar viele Faktoren und Verknüpfungen,
aber nur wenig Bewegung oder Dynamik im System. Die Organisation
der Logistik, der Bauplan einer größeren Anlage usw. sind Beispiele dafür. Diese
Problemsituationen bedürfen zwar viel Detailarbeit und eines großen
Zeitaufwandes, aber sie sind nicht komplexer Natur.
Komplexe
Problemsituationen zeichnen sich durch eine hohe Dynamik
aus, die zwischen vielen verschiedenen Faktoren herrscht. Hier geht es etwa um
strategische Unternehmensentscheidungen, um die Umweltproblematik, die
Aktivitäten in weltweiten Märkten.
Die Schritte der
Methodik des vernetzten Denkens
1. Bestimmen
der Ziele und Modellieren der Problemsituation
2. Analysieren
der Wirkungsverläufe
3. Erfassen
und Interpretieren der Veränderungsmöglichkeiten der Situation
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5. Planen
von Strategien und Maßnahmen
6. Verwirklichen
der Problemlösung
Die oben genannten Schritte werden hier zwar linearer Weise
abgehandelt, jedoch handelt es sich praktisch um einen iterativen und in sich
selbst vernetzten Prozess.
1. Bestimmen
der Ziele und Modellieren der Problemsituation:
Vorentscheidend
für den Erfolg eines Problemlösungsprozesses ist eine geeignete Bestimmung der
Problemsituation. Es ist sinnvoll die Situation aus der Sicht verschiedener
Interessengruppen, Institutionen und Dimensionen zu umschreiben, um so zu einer
umfassenderen, ganzheitlicheren Abgrenzung zu gelangen. Weiters ist eine
fundierte Auseinandersetzung, Spezifizierung und Balancierung der Ziele und
Teilziele von Anfang an anzugehen, auch wenn diese mit zunehmenden
Erkenntnissen noch angepasst bzw. verändert werden müssen.
2.
Analysieren der Wirkungsverläufe
Mit
Hilfe der Netzwerktechnik ist es uns möglich die Zusammenhänge, Einflüsse,
Zeiträume oder Veränderungsmöglichkeiten der Problemsituation zu analysieren.
Von wesentlicher Bedeutung ist es die zeitlichen Aspekte zu erkennen und zu
beschreiben. Hierbei genügt eine Unterscheidung in kurz- mittel- und
langfristig, wobei diese Größen je nach Branche stark variieren können. Zur
Analyse des Netzwerkes gehört auch die Intensität der Beziehungen. Die
Einflussmatrix bzw. der Papiercomputer hilft uns festzustellen welche Größen im
Netzwerk eher eine aktive, eine reaktive, eine kritische oder träge Rolle
spielen.
3.
Erfassen und Interpretieren der Veränderungsmöglichkeiten
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·
Festlegen des notwendigen Zeithorizonts
·
Bestimmen der Einflussfaktoren im Netzwerk
·
Auswahl der relevanten Szenarienbereiche
·
Erarbeiten eines Grundszenarios
·
Entwicklung von Alternativszenarien
·
Interpretieren der Szenarien
4.
Abklären der Lenkungsmöglichkeiten
Dabei
ist zu unterscheiden zwischen den (weitgehend) lenkbaren Größen, die für
Eingriffe und Maßnahmen in Frage kommen, den (eher) nicht lenkbaren
Größen, die im Hinblick auf vorbeugende Maßnahmen sorgfältig zu überwachen sind
und den Indikatoren die den Erfolg von Gestaltungs- und
Lenkungseingriffen feststellen.
5.
Planen von Strategien und Maßnahmen
Dabei
handelt es sich zuerst vor allem um eine kreativen Prozess, in dem Strategien
der Gestaltung und Lenkung entworfen und gedanklich simuliert werden. Hierbei
dürfen wir die Systemeigenschaften nie aus den Augen verlieren.
6.
Verwirklichen der Problemlösung
Problemlösungen
sind so zu realisieren, dass sie sich auch unter widrigen Umständen behaupten
und bei Veränderungen der Situation anpassen und weiterentwickeln können.
Wichtig ist vor allem die Reparaturfähigkeit sowie die Entwicklungsfähigkeit
der Problemlösung.
Das Fallbeispiels
HILTI soll zeigen wie man mit Hilfe von vernetztem Denken komplexe
Problemstellungen in Betrieben bearbeiten kann.
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Szenario
– Technik
Ute von
Reibnitz
Wie sieht das
Szenario-Denkmodell aus und wie kann man es verstehen?
Am besten kann man
sich die Szenario-Methode mit Hilfe des sogenannten Szenario-Trichters
verdeutlichen. Die Gegenwart beginnt immer am engsten Punkt des Trichters, da
der Trichter die Komplexität und Unsicherheit, bezogen auf die Zukunft,
symbolisiert: Je weiter man also von der heutigen Situation in die Zukunft
geht, desto größer wird die Unsicherheit und desto umfassender und vielfältiger
wird die Komplexität. Wenn man die gegenwärtige Situation eines Unternehmens
betrachtet, so ergibt sich, das die meisten Faktoren die auf das Unternehmen
einwirken festgeschrieben sind. Je weiter man in die Zukunft blickt desto
schwieriger wird eine genaue Prognose bzw. desto größer werden die Unsicherheitsfaktoren.
Shell hat erkannt dass es völlig ausreicht zwei Szenarien zu entwickeln,
diese müssen jedoch einige wichtige Punkte enthalten. Wichtige Faktoren für ein
erfolgreiches Szenario sind unter anderem größtmögliche Stimmigkeit und
Konsistenz, Stabilität des Szenarios und eine möglichst große
Unterschiedlichkeit sollte ebenfalls zwischen den ausgewählten Szenarien
bestehen. Die so entstandenen Szenarien kann man auch als Szenario-Archetypen
bezeichnen.
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müssen nun in die Leitstrategie eingebracht werden.
Die acht Stufen des
Szenario-Prozesses
1.
Aufgabenanalyse 5.
Szenario-Interpretation
2.
Einflussanalyse 6.
Konsequenz-Analyse
3.
Trendprojektionen 7.
Störereignis-Analyse
4.
Alternativenbündelung 8.
Szenario-Transfer
Aufgabenanalyse
Ziel dieses Schrittes ist
es, den Untersuchungsgegenstand in der gegenwärtigen Situation zu analysieren.
Punkte für die Aufgabenanalyse sind: gegenwärtiges Leistungsspektrum des
Unternehmens, Leitbild des Unternehmens, derzeitig existierende Ziele und
Strategien (Aufteilung in kurz-, mittel, und langfristig möglich), eine
Stärken/Schwächen-Analyse, erfassen der unternehmensinternen Rahmenbedingungen.
Einflussanalyse
Ziel dieses Schrittes ist
es, die externen Einflussbereiche, die auf ein Unternehmen oder eine
strategische Geschäftseinheit einwirken, festzulegen. Anschließend ermittelt
man die externen Einflussfaktoren innerhalb der Einflussbereiche, bewertet
diese und vernetzt sie, um hierdurch Aussagen über die Systemdynamik des
Umfeldes zu erhalten.
Trendprojektionen
Ziel dieses Schrittes ist
auf des Basis der in Schritt 2 ermittelten Einflussfaktoren, neutrale,
beschreibende Kenngrößen (Deskriptoren) zu ermitteln, die den jetzigen und
zukünftigen Zustand der jeweiligen Entwicklungen beschreiben.
Alternativenbündelung
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Szenario-Interpretation
Ziel dieses Schrittes ist
es, auf Basis der in Schritt 4 erfolgten Konsistenzanalyse unter Hinzuziehung
der in Schritt 3 ermittelten eindeutigen Deskriptoren und unter
Berücksichtigung der Ergebnisse aus der Vernetzungsanalyse die Szenarien
auszugestalten und zu interpretieren.
Konsequenz-Analyse
Ziel dieses Schrittes ist
es, auf der Basis der Szenarien, mögliche Chancen und Risiken für ein
Unternehmen abzuleiten, diese zu bewerten und sie mit geeigneten
Maßnahmen/Aktivitäten zu versehen.
Störereignis-Analyse
Ziel dieses Schrittes ist
es, mögliche externe und interne, abrupt auftretende Ereignisse, die Unternehmen
erheblich beeinflussen oder verändern können zu sammeln, ihre Signifikanz zu
bewerten und mit entsprechenden Präventiv- und Reaktivmaßnahmen zu versehen.
Szenario-Transfer
Ziel dieses Schrittes ist
es, auf der Basis der in Schritt 6 erarbeiteten Aktivitäten zu Chancen und
Risiken eine Leitstrategie zu formulieren, eventuell Alternativstrategien
festzulegen und ein Umfeldbeobachtungssystem zu etablieren.
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