DIE
FRÜHE ZEIT
Die ersten Christen waren Juden. In Jesus sahen sie die
Verheißungen Gottes für sein Volk erfüllt.
Zunächst gingen sie, wie sie es immer gemeinsam mit Jesus
getan hatten, zur Synagoge, feierten den Sabbat und alle jüdischen Feste und lebten
nach der Tora. Aber sie setzten sich auch zusammen und erinnerten sich beim
„Brotbrechen“ an ihren Herrn. Trotzdem sahen sie sich als Juden.
Jesus hatte sich ja auch nur an sein eigenes Volk gewandt.
Kontakt mit Römern, Griechen und anderen hat er nie gesucht, wahrscheinlich
sogar vermieden.
DIE ERSTEN „CHRISTEN“
Den Jüngerkreis Jesu bezeichnet man allgemein als Urkirche.
Untereinander nannten sie sich „Jünger“. So hießen sie
bereits in der Jesuszeit. Als später die Jesusgemeinde wuchs, blieb es bei diesem
Namen. Demnach wurde man in der frühesten Zeit „Jünger“, nicht „Christ“.
In der Jüngerschaft Jesu nannte man sich untereinander
„Bruder“ oder „Schwester“, denn Jesus wünschte sich dieses Verhältnis seiner
Jünger zueinander.
Es gab auch Namen, die den Jesusjüngern von außen gegeben
wurden. Der häufigste war „Nazoräer“. Dieses Wort geht auf Jesus, den
„Nazarener“, zurück.
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Die Nazoräer lebten wie die Juden, doch Jesus nahm in ihrer
Mitte einen Platz ein, der ihre Lebensform bestimmte. Daher entstand Streit und
Feindschaft mit anderen jüdischen Gruppen.
Doch die Urgemeinde blieb in Jerusalem mindestens bis zum
Untergang der Stadt (70 n. Chr.) der Glaubensgemeinschaft Israels treu.
AM SCHEIDEWEG
Al einige Jünger Jesu in fremde Länder kamen, erzählten sie
alles, was sie durch Jesus erfahren hatten- allerdings nur den Juden.
Einige, die in Ländern mit griechischer Kultur lebten,
verkündeten auch den Griechen das Evangelium. Daher schickte die Gemeinde in
Jerusalem Barnabas dorthin. Dieser suchte Saulus in Tarsus auf und gemeinsam
wirkten sie ein ganzes Jahr in Antiochia. Dort nannte man die Jünger zum ersten
Mal „Christen“.
„Christen“ war also die Bezeichnung für die erste
heidenchristliche Gemeinde. Barnabas und Paulus übersetzten ihren Glauben in
griechisches Denken und Sprechen, weit weg vom jüdischen Rahmen.
Für das Wort „Messias“ mussten sie einen griechischen
Ausdruck finden. Sie übersetzten: „Christo“, der Gesalbte. Daher nannte man die
Jünger Christen.
Nun gab es ein neues Problem: Bisher waren alle Jünger und
auch Jesus Juden. Mussten die Griechen nun auch Juden werden?
Das war eine große Streitfrage und so gingen Paulus und
Barnabas nach Jerusalem, um diese Frage mit den Aposteln und den Ältesten zu
klären.
Den Brüdern aus dem Heidentum schrieb man, dass sie Götzenopferfleisch,
Blut, Ersticktes und Unzucht meiden sollen. Dann handeln sie richtig.
Diese Bedingungen nennt man Jakobusklauseln, da der
jüdisch denkende Jakobus diese Forderungen der Tora vorgetragen hatte.
Nun unterschied man Judenchristen und Heidenchristen.
Die Zahl der Heidenchristen wuchs ständig.
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AUSBREITUNG UND VERFOLGUNG
Durch die Zerstörung Jerusalems und des Tempels verloren die
Juden Heimat und Mitte und lebten als Minderheiten in der römischen Welt.
Die Christen betrieben intensive Missionsarbeit, die
besonders bei den Armen und Schwachen auf fruchtbaren Boden fiel.
In allen damaligen Religionen gab es Götterbilder und
Altäre, auf denen geopfert wurde. Juden und Christen verdächtigte man deshalb
als „gottlos“, weil sie dergleichen nicht kannten.
Also zur Zeit Neros Rom abbrannte, lenkte dieser den
Verdacht auf die Christen und verurteilte sie zu schrecklichen Todesarten.
Um die erste Jahrhundertwende fragte der Statthalter Plinius
Kaiser Trajan, wie er sich gegen Christen verhalten soll. Der Kaiser sagte:
„Aufzuspüren sind sie nicht; sollten sie angezeigt und überführt werden, so
sind sie zu bestrafen..“ Damals gab es noch keine allgemeinen Verfolgungen.
Diese gab es erst um 250, als der Kaiser Decius als Zeichen
der Staatstreue Opferbescheinigungen verlangte. Die römischen Bürger sollten
vor einer Kommission unter Beweis stellen, dass sie Opfer darbringen. Dafür
wurden ihnen Bescheinigungen ausgestellt, die für Beruf und Zukunft wichtig
waren. Wer sich weigerte, musste mit Geldstrafen, Verbannung, Gefängnis, Folter
und Tod rechnen.
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Diokletians Nachfolger setzten dies fort, erkannten aber
bald ihre Erfolglosigkeit.
313 vereinbarte Kaiser Konstantin die Religionsgleichheit
der Christen. Jeder durfte die Religion haben, die er wollte.
DIE WENDE = „Die Konstantinische Wende“
Nun war es nicht mehr gefährlich, sondern vorteilhaft, ein
Christ zu sein.
- Konstantin schenkte dem Bischof von Rom den Lateran-
Palast, in dem in den folgenden tausend Jahren die Päpste residiert haben.
- Alle Bischöfe bekamen Rechte und Ehren.
- Die höheren Staatsämter wurden nun mit Christen besetzt.
- 321 wurde der Sonntag gesetzlicher Ruhetag.
- Immer mehr Kirchengebäude wurden errichtet; die Tempel
verfielen.
- Die Kreuzigung wurde abgeschafft, Gladiatorenspiele
(Mensch gegen Raubtier) wurden verboten.
Die Kirche begann sich dem Römischen reich anzupassen.
Kaiser Konstantin war kein Christ und hat sich erst auf dem
Sterbebett taufen lassen. Er gab der Kirche Freiheit und öffentliche Geltung,
band die Kirche aber an die Interessen der Staaten. Bischöfe wurden politische
Diener und das Christentum musste seine ablehnende Meinung über Krieg,
Soldatenstand und Todesstrafe ändern.
ZEITTAFEL
6 v. Chr. Geburt Jesu von Nazaret
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um 34 Bekehrung des Paulus
um 40 Der Name „Christen“ kommt auf.
45-48
Erste Missionsreise des Paulus
48
Apostelkonzil in Jerusalem
48-58
Weitere Missionsreisen des Paulus
64 Brand Roms, Christenverfolgung durch
Kaiser Nero
70 Titus lässt Jerusalem zerstören und
plündern. Juden verlieren den Tempel.
70-100
Entstehung der Evangelien und der Apostelgeschichte
111 Christen werden erstmals wegen
Verweigerung des Kaiseropfers bestraft.
130 Wiederaufbau Jerusalems als römische
Kolonie. Jupiter- statt Jahwe- Tempel
155 Aufstand in Judäa
250 Allgemeine Christenverfolgung unter
Kaiser Decius
303 Kaiser Diokletian verlangt Kaiseropfer;
Verfolgung
313 Kaiser Konstantin vereinbart in Mailand
die Religionsgleichheit der Christen
325 Konstantin eröffnet das Kirchenkonzil
von Nicäa
337 Tod Konstantins. Auf dem Sterbebett
empfängt er die Taufe.
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