Die Freudlose Gasse - Weimarer Republik
1. Einleitung
Mit dem
Ausspruch »Wozu soll eine romantische Behandlung noch gut sein? Das wirkliche
Leben ist ja schon romantisch, ja grausig genug« (Pabst zitiert nach Gregor
& Patalas 1973, S. 68) wendet sich Pabst vom Expressionismus sowie vom sog.
Kammerspielfilm ab, um sich einer realistischeren, psychologisch vertieften und
sozialkritischeren Kunst zu verschreiben. In Filmen wie Die freudlose Gasse
möchte Pabst genau diesem Anspruch gerecht werden.
Um die
Hintergründe zu verstehen, widmet sich der erste Teil dieser Hausarbeit der
Produktionsgeschichte. Da der Film dem Genre des Straßenfilm zugeteilt wird,
werden im zweiten Teil dieser Arbeit dessen Merkmale durchleuchtet. Ebenso wird
ein Bezug zur Weimarer Republik hergestellt. Kritischer wird in der
Literaturgeschichte der Punkt der Neuen Sachlichkeit gesehen, denn für viele
Autoren ist der Film Die freudlose Gasse eben nicht ein typischer Vertreter
der Neuen Sachlichkeit. Daher wird im dritten Teil dieser Ausarbeitung hierzu
Stellung genommen.
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Handlungsorte und in welchem Zusammenhang sie eventuell symbolischen Charakter
besitzen. Am Ende dieser Hausarbeit folgen die Reflexion sowohl des Referats an
sich, als auch des Themas.
2. Hintergrundwissen
2.1
Produktionsgeschichte
Die Regie
in Die freudlose Gasse führte Georg Wilhelm Pabst. Dieser wurde am 27.8.1885
in Böhmen geboren (vgl. Kramer 1995, S. 406) und wuchs in Wien auf. Während des
ersten Weltkriegs war er in einem Lager bei Brest interniert (vgl. Vogt 2001,
S. 128). Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück und arbeitete dort als
Leiter der avantgardistischen Neuen Wiener Bühne. 1921 siedelte Pabst aus Wien
nach Berlin über (vgl. Jacobsen, Kaes & Prinzler 2004, S. 58). Die
freudlose Gasse war der dritte Film, in welchem Pabst Regie führte nach Der
Schatz sowie Gräfin Donelli. Er fühlte sich in der Welt der Phantastik nicht
wohl, da ihn die romantische Bedingtheit störte. In Auflehnung an den
Expressionismus führte Pabst Regie zur Gegenwartsthematik (vgl. Toeplitz 1979,
S. 432 f.). Das im Atelier gedrehte, episodenhafte Milieu- und Zeitbild stand
am Beginn einer allgemeinen Tedenzwende im deutschen Film, die zur Abkehr vom
Expressionismus führte (Kramer 1995, S. 110).
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Neben Pabst
agierte der Regieassistent Mark Sokin. Mit ihm zusammen suchte Pabst Ende 1924
Geldgeber für sein Filmprojekt. Er wollte die Romanvorlage von Hugo Bettauer
Die freudlose Gasse verfilmen. Es kam ein Kontakt zu den finanzkräftigen
Exilrussen Michael Zalkind und Romain Pinès zustande, welche selbst in das
Filmgeschäft einsteigen wollten und Pabst so mit 40.000 Dollar unterstützt
wurde. Die Summe wurde jedoch im Laufe der Produktion weit überschritten.
Eigens wurde die Sofa-Film-Produktion GmbH in Berlin gegründet. Pabst konnte
durch die Geldgeber damalige Stars wie Asta Nielsen oder Werner Krauss
engagieren. Greta Garbo war zu dem Zeitpunkt als Schauspielerin noch nahezu unbekannt
(vgl. Vogt 2001, S. 127).
Das
Drehbuch zum Film schrieb Willi Haas nach einer Romanvorlage von Hugo Bettauer.
Ein Wiener Roman aus unseren Tagen. Haas erkannte schon damals die von Pabst
beabsichtigte Intention des Filmes: Aber ich wußte sofort genau, was G.W.
Pabst mit seinem untrüglichen Flair für das Zeitgemäße reizte: es war das
grelle soziale Bild der Inflation, der Bankrott der alteingesessenen
patrizischen Beamten- und Akademikerkreise, die Korruption, der moralische
Zerfall, wie wir sie auch in Berlin erlebt hatten (Haas 1957, S. 88).
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Für die
Kamera waren Guido Seeber, Curt Oertel sowie Walter Robert Lach verantwortlich.
Die
Dreharbeiten des Filmes fanden zwischen Februar und März 1925 in den Filmwerken
Staaken in Berlin statt. Aufgezeichnet wurde in zwei verschiedenen Ateliers der
Filmwerke. Während in den Ateliers am Zoo die Interieurs erbaut waren, wurde
die Melchiorgasse an sich in der Zeppelinhalle bei Spandau errichtet. Der
Stummfilm hat ein Format von 35 mm. Das Filmmaterial ist schwarz/weiß und
viragiert.
Die
Originallänge des Films beträgt am 15. Mai 1925 noch 3738 Meter. Nach einer
ersten Zensur durch die Berliner Prüfstelle, kamen jedoch nur 3734,45 Meter zur
ersten Ausstrahlung. Uraufgeführt wurde Die freudlose Gasse für die Presse am
18. Mai 1925. Nach weiteren Zensurentscheidungen, auf die in Kapitel 3 noch näher
eingegangen wird, beträgt die Filmlänge am 29. März 1926 nur noch 3673 Meter.
Bei der Ausstrahlung unterlag der Film einem Jugendverbot.
1972 wählte
das ZDF als ersten filmgeschichtlich wichtigen Film zur Rekonstruktion Die
freudlose Gasse aus. Dieser wurde 1996 bis 1998 vom Filmmuseum München in
Zusammenarbeit mit europäischen und amerikanischen Filmarchiven erneut
rekonstruiert.
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Für den
Film Die freudlose Gasse wurden einige bedeutende Schauspieler engagiert. Die
weiblichen Hauptrollen besetzten die zum Drehzeitpunkt bereits bekannte
Schauspielerin Asta Nielsen als Maria Lechner sowie Greta Garbo. Für ihre Rolle
der Grete Rumfort wurde Greta Garbo zum Teil hoch gelobt: Das Zögernde ihres
Spiels, das zum Teil ihre Angst vor der Kamera, vor den Scheinwerfern, das
Lampenfieber im wahrsten Sinn, bewirkt hat, gibt ihrer Rolle eine wundervolle Resonanz
(Eisner 1975, S. 258). Für Eisner (1975, S. 258) harmonisiert das Spiel Garbos
mit der reifen Kunst Asta Nielsens. Maria Lechner wirkt vor ihrer Mordtat fast
kindhaft scheu sowie kaum belebt von einem Verlangen nach einem bisschen Glück.
Im Laufe des Films wird ihre schmerzhafte Passivität durch einen Pathos
erfüllt: Wenn sich ihre schweren Lider für einen Augenblick schließen, wenn
ihre Hand über die Leinwand irrt, so benimmt uns ihr unseliges Geschick den
Atem (Eisner 1975, S. 258). Ihr Gang wirkt dabei unendlich müde, sie scheint
von Anfang an besiegt, ein auserwähltes Opfer für alles Elend auf Erden. Viele
Szenen, die sonst nichts als hohle Sentimentalität und Kitsch-Schablone sein
würden, gewinnen durch ihre Gegenwart Leben (Eisner 1975, S. 258).
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