Friedrich-Schiller-Universität Jena
AUFSATZ
im Seminar
„Sprecherziehung“
– WS 2009/2010 –
Dozentin:
Autor:
Thema:
Die Bedeutung der
stimmlich-sprecherischen
Ausbildung von
Lehramtsstudierenden
Jena, 12.02.2010
In wieweit ist es erforderlich,
Lehramtsanwärtern im Rahmen ihres Studiums eine sprecherzieherische Ausbildung
zu gewährleisten? Sollte gar eine verpflichtende Eignungsprüfung eingeführt
werden, die die Lehramtsstudenten auf ihre Lehrtauglichkeit hin überprüft? Oder
aber sind Ausbildung und Überprüfung der mündlichen Kompetenz im Hinblick auf
die Tatsache überflüssig, dass in den kommenden zehn Jahren rund 300.000 Lehrer
aus Altersgründen durch jüngere ersetzt werden müssen und die Gesellschaft froh
seine kann, überhaupt noch genügend Lehrkräfte zur Verfügung zu haben? Die folgenden
Ausführungen sollen die Bedeutung der stimmlich-sprecherischen Schulung von
Lehramtsstudenten hervorheben, indem herausgestellt wird, aus welchen Gründen
diese unerlässlich ist, sowohl für die Erziehung der Schüler, als auch für die
langfristige Sicherung der psychisch-physiologische Lehrfähigkeit.
Ausgangspunkt der Debatte um die
Notwendigkeit einer Eignungsprüfung, sowie einer sprecherzieherischen
Ausbildung von Lehramtsstudenten, waren verschiedene Studien, wie etwa der
Universität Potsdam, nach der 30 bis 40 % der Lehramtsstudenten für den Beruf
nicht geeignet sind.
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Erkenntnisse liefern die Studien der Expertin für Sprecherziehung Dr. Siegrun
Lemke der Universität Leipzig, die zwischen den Wintersemestern 1998/99 und
2003/04 1840 Lehramtsanwärter auf stimmliche und sprecherische Auffälligkeiten
hin untersuchte. Dabei kam u.a. heraus, dass 42,6 % der Studenten deutlich stimmauffällig
sind, 26,3 % literarische oder Sachtexte nicht verständlich, differenziert und
hörerbezogen vorlesen können und 49,6 % Probleme beim freien Sprechen haben.
Die wissenschaftlichen Fakten
unterstützen den aktuellen politischen Trend, wonach die Qualitätssicherung der
Sprechkommunikation als Schlüsselqualifikation der gegen-wärtigen und
zukünftigen Lehrkräfte gilt. Denn die Spezifik ihres Berufes bedingt, dass Lehrer
lebenslang einer außergewöhnlich hohen stimmlichen Belastung unterliegen und
deren Stimme und Sprechweise sich auch auf die stimmliche und sprecherische
Erziehung von Kindern, sowie auf die Herausbildung ihrer Normvorstellungen
auswirkt. Des Weiteren können sich wirkungsvolle situations- und hörerbezogene,
sprecherische Äußerungen positiv auf die Lernatmosphäre auswirken, Schüler
motivieren und den Prozess des Verstehens und Behaltens erleichtern.
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stimmliche Beschwerden, welche zu einer Berufsunfähigkeit führen können, sowie
erhebliche Kosten für die Behandlung dieser.
Um nun den Problemen der
Lehramtsanwärter und den möglichen Gefahren des Lehrerberufs entgegenwirken zu
können, bzw. ihren Erfordernissen gerecht zu werden, namentlich der stimmlichen
und sprecherischen Berufsfähigkeit, der Rede- und Gesprächsfähigkeit, sowie der
Fähigkeit diese Grundkompetenzen zu vermitteln, müssen gewisse
Mindestanforderungen an die sprecherzieherische Ausbildung gestellt werden.
Erstens sollten alle künftigen Lehrer wöchentliche mindestens drei
Semesterwochenstunden Sprecherziehung und Rhetorik in Gruppen von 10 bis
maximal 15 Studenten erhalten, damit auch ein Individuelles Eingehen auf
stimmliche und sprecherische Auffälligkeiten, sowie eine differenzierte
Beratung Studierender möglich ist. Zweitens sollte eine gesetzlich geregelte
phoniatrische Überprüfung der stimmlichen und sprecherischen Eignung für den
Lehrerberuf (wieder-)eingeführt werden, welche für Schauspieler, Sänger und
Logopäden bereits selbstverständlich ist. Drittens sollten Studienbewerber zu
Beginn ihres Studiums hinsichtlich ihrer stimmlich-sprecherischen Eignung
individuell und fachgerecht beraten werden, damit Defizite frühzeitig erkannt
und notwendige therapeutische Maßnahmen zielgerichtet eingeleitet werden
können.
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Quellen
-
Lemke,
Siegrun (2006): Sprechwissenschaft/Sprecherziehung. Ein Lehr- und
Übungsbuch. Frankfurt a.M.: Lang
-
Lemke,
S. (2006): Zur stimmlich-sprecherischen Ausbildung
Lehramtsstudierender.
In: U. Hirschfeld und L. C. Anders (Hrsg.) Probleme und Perspektiven
sprechwissenschaftlicher Arbeit. Hallesche Schriften zur Sprechwissenschaft
und Phonetik (18). Frankfurt a.M. etc.: Peter Lang. S.85-93
-
Neuber,
B. (2007): Die Professionalisierung der sprechkommunikativen Praxis im Lehramt
– neue Chancen für eine historische Idee. – Deutsche Gesellschaft für
Sprechwissenschaft und Sprecherziehung, http://www.dgss.de/newsletter/dgssaktuell2007-1.php,
(Zugriff: 29.01.2010)
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