Didaktische Konzepte des offenen Unterrichts
Ich
möchte in meiner Arbeit drei didaktische Schulkonzepte vorstellen, die – in
mehr oder weniger einheitlicher Form – in einem so genannten offenen Unterricht
angewendet werden können. Eine einheitliche Definition gibt es für diesen bis
heute zwar noch nicht (und eine solche zu finden soll auch nicht Thema meiner
Ausarbeitung sein). Dennoch gibt es Eigenschaften, die im Allgemeinen dem
Oberbegriff des offenen Unterrichtes zugeordnet werden und ich halte es zum
besseren Verständnis dieses Scriptes für unverzichtbar, einige kurz darzustellen.
Generell
kann der offene Unterricht als eine schülerzentrierte Unterrichts- und
Arbeitsform beschrieben werden, in der nicht mehr ausschließlich die Lehrkraft
entscheidet, sondern auch die SchülerInnen
ein Mitspracherecht erhalten. Auf diese Weise ist es möglich für die Lehrperson,
individuelle Wünsche und Fähigkeiten der SchülerInnen zu berücksichtigen bzw.
entsprechend auf diese einzugehen. In der dadurch entstehenden Wechselbeziehung
zwischen Schule und Umwelt kann ein Schüler sich selbst (weiter)entwickeln,
während er gleichzeitig vom Lehrer hinsichtlich seiner Stärken und Schwächen gefördert
wird. TOMAN (2005) führt nach JÜRGENS (1998) folgende für den offenen
Unterricht als konstitutiv geltenden Variablen an:
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·
Raum- und Materialvariablen: Flexibilität
in der Raumnutzung und Verwendung stimulierenden Materialangebotes.
·
Didaktikvariablen: Verwendung von
Evaluationen und Erfolgsbeurteilungen des Unterrichtes.
·
Lehrervariablen: Die Lehrkraft hat zusätzlich
zu ihrer lernfördernden Funktion die Fähigkeit zum Team-Teaching.
(vgl.
JÜRGENS 1998: 42ff aus: TOMAN 2005: 68)
Nachstehend
stelle ich die Vorgehensweise meiner Ausarbeitung kurz dar. Kapitel 1 befasst
sich mit der Unterrichtsform der so genannten Freien Arbeit. Diese bildet eine Grundlage
für den offenen Unterricht, da die SchülerInnen ohne Einfluss der Lehrkraft durch
Frontalunterricht eigenständig an einem selbst gewählten Arbeitsplatz und mit
einer selbst gewählten Menge an Unterstützung und Mitwirkenden an einer Aufgabe
arbeiten. Im zweiten Kapitel erfolgt eine Beschreibung des Werkstattunterrichtes,
in dem die SchülerInnen zu einem bestimmten, übergreifenden Thema wie z.B.
Sommer unterschiedliche Aufgaben selbstständig zu erledigen haben, die sie sich
aus einer zur Verfügung gestellten Auswahl der Lehrkraft (oder auch durch
Eigeninitiative) aussuchen.
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In
Abschnitt 3.1 geht es zunächst um den Wochenplanunterricht an sich, wie er an
den heutigen Schulen (zumal er erfolgt) im Allgemeinen aufgefasst und durchgeführt
wird. Im folgenden Kapitel 3.2 gehe ich noch einmal speziell auf die Funktion
und Aufgabe der Lehrkraft ein und diskutiere dann im Abschnitt 3.3 die elementare
Frage, ab welchem Alter bzw. Schuljahr mit dem Wochenplan begonnen werden kann
und sollte. In meinem letzten Kapitel (3.4) zeige ich mit Hilfe von
Erkenntnissen des Didaktikers Falko PESCHEL (2003 u. a.), der sich intensiv mit
dem offenen Unterricht beschäftigt hat, auch mögliche Probleme des
Wochenplanunterrichtes auf, die verdeutlichen, dass die positiven, eigentlich vom
Lehrer intendierten Effekte häufig nicht in erwünschtem Maße erzielt werden.
PESCHEL
selbst hat in einem vierjährigen Unterrichtsexperiment eine weitere Öffnung des
offenen Unterrichtes unternommen, wobei er auch einen neuen Wochenplan vorschlägt,
den ich in diesem Kapitel zeige. Eine ausführlichere Darstellung der Kritik und
Verbesserungsvorschläge von PESCHEL für die drei von mir thematisierten
Unterrichtsprinzipien Freie Arbeit, Wochenplanunterricht und Werkstattunterricht
würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen.
Im Anhang sind A ein Vorschlag für einen Wochenplan, B eine geeignete
Klassenraumgestaltung für den offenen Unterricht und C ein
Schüler-Beobachtungsbogen für die Lehrkraft, jeweils von MORGENTHAU (2003) zu
finden.
0.
Freie Arbeit
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In
der Regel steht den SchülerInnen ein größeres Angebot an frei wählbaren
Übungsaufgaben zur Verfügung, das entsprechend des Curriculums auf die
aktuellen Lerninhalte der Klassenstufe abgestimmt sind. Um individuelle
Leistungsstände zu berücksichtigen kann die Lehrkraft auch Lernstoffe der
nächsthöheren bzw. –niedrigeren Klassenstufe mit berücksichtigen oder Vorgaben
auf bestimmte Leistungsniveaus differenzieren. (Vgl. PESCHEL 2003: 22) Ein
Schüler hat also die eigene Wahl, welche Aufgaben er bearbeiteten möchte und in
welcher Reihenfolge dies geschehen soll. Die Lehrkraft kann ihm individuell aber
auch bestimmte Lerninhalte nahe legen, die ihrer Meinung die besten
Lernergebnisse beim Schüler erzielen würden wie z.B. das Wiederholen von
Rechtschreibkarteien, o. Ä.
Im
Allgemeinen wird die Freie Arbeit sehr gerne von den Kindern angenommen, da das
Material ansprechend hergerichtet ist und auf diese Weise ein
abwechslungsreiches Einüben des Lernstoffes ermöglicht. (Vgl. ebd.: 16) Sie
gilt jedoch noch nicht als durchgängiges Unterrichtsprinzip, sondern ist
lediglich auf Übungsphasen beschränkt, die durch Informationsunterricht bzw.
die Einführung bestimmter Inhalte ergänzt werden.
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1.
Werkstattunterricht
Eine
Lernwerkstatt findet zu einem bestimmten übergreifenden Thema statt (z. B.
Ostern, Winter oder Karneval) und bietet den Kindern eine Lernumwelt, in der sie
sich mit einem Thema ausführlich befassen können. Wie in einer "richtigen"
Werkstatt werden Aufträge erarbeitet und es existiert das Ziel, etwas Fertiges
herzustellen. Die Lehrkraft hat hierzu eine Anzahl von Angeboten in
unterschiedlichen Aufstellungen von Lernsituationen vorbereitet, sodass über
eine Werkstattdauer von einer bis mehreren Wochen - oder sogar länger - eine
echte Auswahlmöglichkeit für die SchülerInnen bestehen bleibt. Es stehen ihnen für
die Werkstattarbeit angefertigte Materialien zur Verfügung, die an
verschiedenen Arbeitsplätzen mit wenigen verpflichtenden und vielen fakultativen
Lernangeboten verwendet werden können.
Die
Wahl der Aufträge und die Reihenfolge ihrer Bearbeitung wird den SchülerInnen
wiederum selbst überlassen und können in der Regel in Einzel-, Partner- oder
Gruppenarbeit ohne weitere Hilfe erarbeitet werden. Treten dennoch Fragen auf,
steht die Lehrkraft mit Beratung und Unterstützung zur Seite. Gleichzeitig
fungiert sie als Moderatorin des gesamten Werkstattgeschehens, führt in die
Werkstattarbeit ein, geht mit den Kindern die Stationen einmal durch und regt in
der Arbeitsphase (wenn möglich indirekt) zur Arbeit an, indem sie Aufgaben,
Anschauungsmaterial, Hilfsmittel für Experimente etc. bereitstellt. (Vgl.
REICHEN 1991: 61f aus: PESCHEL 2005: 29).
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