Der Reinheitsmythos im
Nationalsozialismus
„Das Regime des
Nationalsozialismus war die größte, selbstverschuldete und zugleich die
unbegreiflichste
Tragödie in der deutschen Geschichte.“
Die Nationalsozialisten
errichteten
eine totalitäre
Diktatur. Sie waren für zahllose Verbrechen an ethnischen, sozialen und
politischen
Minderheiten verantwortlich.
Die
nationalsozialistische Ideologie war eine Sammlung von Wertvorstellungen,
Leitbildern
und Überzeugungen. „Die
Kernpunkte sind: das Führerprinzip, die Überwindung der verschiedenen Klassen
innerhalb der Gesellschaft mit dem Ziel der Volksgemeinschaft, die Rassendiskussion,
der Antisemitismus, die Blut-und-Boden-Ideologie, chauvinistische Ideen,
die Auffassung des Lebens als eines ewigen Kampfes, zurückgreifend auf
sozialdarwinistisches Gedankengut, innerstaatliche Feindbilder, außenpolitische
Gegner sowie das Ziel der Expansion zum Zwecke der Weltherrschaft“
Die Nationalsozialisten
wollten „Reinheit“, sie wollten eine vollkommene Volksgemeinschaft, einen
erbbiologisch und rassisch idealen Volkskörper hervorbringen.
„Reinheit“
- Wie definiert sich „Reinheit“?
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Wir
verbinden Reinheit mit Anständigkeit, Fleckenlosigkeit, Gepflegtheit, Hygiene,
Jungfräulichkeit, Keuschheit, Klarheit, Makellosigkeit, Ordnung, Reinlichkeit,
Sauberkeit, Unberührtheit oder Unschuld.
Je nach Gesellschaftsform und
Gemeinschaft existieren unterschiedliche Konzepte von Reinheit. In allen
Religionen der Welt spielt der Begriff Reinheit eine elementare Bedeutung. Der
Begriff Reinheit steht immer im Zusammenhang mit Unreinheit. Die Ideologie von
Reinheit und Unreinheit ist ein wichtiger Bestandteil für die Gruppenzugehörigkeit
und soziale Bindungen. Die Bedeutung des Reinheitsbegriffs liegt darin, dass
„er – je nach Bedarf – dazu dient, Abgrenzungen vorzunehmen und bestimmten
Grundsätzen die Aura der ‚Wahrheit‛ zu verleihen, gegen die das Unreine als unwahr
gilt.“
Mary
Douglas, deren Abhandlungen richtungsweisend sind, konzentriert sich auf den
Begriff des Unreinen:
Die Vorstellung
einer Verunreinigung ergibt nur einen Sinn im Zusammenhang mit einer
umfassenden Denkstruktur, deren Hauptstützen, Grenzen, Randbereiche und inneren
Unterteilungen durch Trennungsrituale aufeinander bezogen sind.
Michael
Stausberg verwendet den Begriff Reinheit als Instrument der Grenzziehung. Christina
von Braun komplementiert dies:
Was sich
letztlich hinter der Reinheit verbirgt, ist eine Definition von dem, was die
Gemeinschaft zu einer ‚Einheit‛ werden lässt.
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Reinheit
hat ein enormes Machtpotenzial. James J. Preston erläutert, „dass Richtlinien
zur Reinheit und Unreinheit ideologische und soziale Systeme innerhalb einer
Gesellschaft symbolisieren.“
Wir alle kennen den Werbeslogan, dass die Wäsche „nicht nur sauber, sondern
rein“
sein soll. Für die Rassenwäsche in vielen Konzentrationslagern wurde das
Waschmittel Zyklon B eingesetzt. „Reinheit“ im
Nationalsozialismus verbinden wir mit Begriffen wie Rassenhygiene, „Ethnische
Säuberung“ und Euthanasie. „Ethnische Säuberung“
beschreibt einen Prozess der Zwangsumsiedlung beziehungsweise des Völkermordes
von Menschen aus ethnischen, politischen oder religiösen Gründen aus einer
Gesellschaft. Neben der Massentötung von Juden sowie
Sinti und Roma gibt es zahlreiche Beispiele für „Ethnische
Säuberungen“ in der Geschichte, beispielsweise die „Säuberung“ der Armenier
durch die Türken, die Kambodschaner unter den Roten Khmer, im ehemaligen
Jugoslawien sowie die Tötung der Tutsi-Minderheit durch die Hutu-Mehrheit in
Ruanda 1994. Während Völkermord weltweit als ein Verbrechen gegen die
Menschlichkeit anerkannt ist, sind es „Ethnische Säuberungen“ nicht.
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Sie
führten einen Propagandafeldzug, indem sie eine Dämonisierung der Juden vornahmen
und gleichzeitig die Deutschen als Arier glorifizierten. Sie entwarfen
„Aktionen“ zur „Reinigung“ des Landes von Juden, Zigeunern, Slawen und
Homosexuellen.
In
Adolf Hitlers Grundlagenwerk „Mein Kampf“ ist
vielfach die Rede von „rassischer Reinheit“ sowie der „Reinheit des Blutes“:
Die
Folge dieses in der Natur allgemein gültigen Triebes zur Rassenreinheit ist
nicht nur die scharfe Abgrenzung der einzelnen Rassen nach außen, sondern auch
ihre gleichmäßige Wesensart in sich selber.
[..] es
soll kein Knabe und kein Mädchen die Schule verlassen, ohne zur letzten
Erkenntnis über die Notwendigkeit und das Wesen der Blutreinheit geführt worden
zu sein.
Der
Arier gab die Reinheit seines Blutes auf und verlor dafür den Aufenthalt im Paradiese,
das er sich selbst geschaffen hatte. Er sank unter in der Rassenvermischung,
verlor allmählich immer mehr seine kulturelle Fähigkeit, bis er endlich nicht
nur geistig, sondern auch körperlich den Unterworfenen und Ureinwohnern mehr zu
gleichen begann als seinen Vorfahren.
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Seit dem späten 19. und
frühen 20. Jahrhundert hatte der Begriff der Rassenhygiene tiefe Wurzeln in
Deutschland. Der deutsche Eugeniker Alfred Ploetz führte den Begriff der Rassenhygiene
ein. Eine wesentliche Grundlage der Rassenhygiene ist der Sozialdarwinismus. Fachleute
kritisierten in Deutschland den Geburtenrückgang, die Urbanisierung, die Armut,
die Kriminalität sowie die Ausbreitung von Krankheiten, sie nahmen an, dass
sich minderwertiges Erbgut stärker vermehren könnte, als wertvolles. Der
Verlust von fast zwei Millionen deutschen Männern im Ersten Weltkrieg
verschärfte die Ängste der Bevölkerung und spornte neues Interesse in der
Genetik und Eugenik als Weg zur Erlösung. Gerade der Gedanke der „rassischen
Reinheit“ war das theoretische Rückgrat der Nationalsozialisten.
Die „Rassenhygiene“ wurde zur Staatsdoktrin erhoben.
Die Nationalsozialisten wollten die „Reinheit“ des arischen Volkes. Dies
erreichen wollten sie durch Maßnahmen wie Eheverbote, Zwangsabtreibungen,
Anstaltseinweisungen, Sterilisation und Ermordung.
In
der Zeit des Nationalsozialismus verkaufte ein Großteil der deutschen
Ärzteschaft ihre Seele an die NSDAP, sie war Befürworter der
„Rassenhygiene“ beziehungsweise Eugenik.
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