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Der Einfluss auf das Gelingen von Identität der jungen Alten durch deren freiwillige Arbeit mit alten und hochbetagten Menschen (Page 29).doc

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Faculty
Social Science
Discipline
Social Pedagogy
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Diploma thesis
University, School
Katholische Stiftungsfachhochschule in München
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2007
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Die Aufgabe der Lebensgestaltung ist für das Subjekt zentral und es bewegt sich dabei in der Komplexität des Alltags stets zwischen alternativen Optionen und Zumutungen, Chancen und Risiken, mit dem Ergebnis, dass das Leben immer komplizierter wird (Thiersch 1992: 16). Die Gestaltung und Bewältigung des Alltags erfolgt in einem offenen Prozess und in kontinuierlicher Eigenleistung des Individuums. Das jeweilige Verhaltensrepertoire des Menschen ist dabei Ausdruck dieses Bewältigungsversuchs und kann einerseits entlasten und zu einem gelingenderen Alltag beitragen oder (gleichzeitig) blockierend wirken (Grunwald/ Thiersch 2001).

Es geht in der Sozialen Arbeit daher um ein Verstehen des Alltags der Adressatinnen, um die Rekonstruktion und Interpretation der darin zu Tage kommenden unterschiedlichen Deutungs- und Handlungsmuster, als auch der Zusammenhänge von Alltag und den historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen (ebd. 1139; Engelke 2002: 331).

Verfahrenswissen. Die Mittel und Verfahren der Sozialen Arbeit finden ihre Anwendung in der Unmittelbarkeit der Lebens- und Erfahrungswelt der Adressatinnen. Das Ziel dabei ist es, die Selbständigkeit des einzelnen Menschen zu erhalten, zu fördern oder wieder zu gewinnen und gleichzeitig für die soziale Gerechtigkeit einzutreten (Grunwald/ Thiersch 2001: 1136), um dadurch eine „bessere, gelingendere Lebenswelt zu ermöglichen“ (Flüssenhäuser/ Thiersch 2005: 1893): Der lebensweltorientierte Ansatz formuliert damit einen Auftrag, der über die konkrete Alltagswelt der Adressatinnen hinausgeht und „gesellschaftlich weit, politisch und in sich differenziert verstanden und praktiziert“ werden muss (Thiersch 1995: 247).

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Neben der kompensierenden Unterstützung ist es notwendig, mit Hilfe der Ressourcen der Adressatinnen „subjektive Lern-, Bildungs- und Entwicklungsperspektiven zu befördern“ (Grunwald/ Thiersch 2001: 1141) und darüber Hilfe zur Selbsthilfe zu betreiben, die letztlich „auf Empowerment [und; P.Z.] auf Identitätsarbeit“ abzielen (ebd. 1142).

Vor diesem Hintergrund hat die Lebensweltorientierte Soziale Arbeit ihre Angebote und Hilfen präventiv, in unmittelbarer Alltagsnähe (ambulant), als auch niederschwellig zu offerieren und durchzuführen (ebd. 1146).

Die Begründung für die Wahl des lebensweltorientierten Konzeptes als die leitende Handlungstheorie der vorliegenden Arbeit liegt in der besonderen Anschlussfähigkeit zu den bisherigen Inhalten der Arbeit. Die Annahme, dass die aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen für den einzelnen Menschen eine zunehmende Herausforderung darstellen, die das Leben in eigener reflexiver Regie im Spannungsverhältnis von Chance und Risiko, von Freiheit und Eingebundensein in gesellschaftliche Strukturen erfordert, tangiert die Ausführungen zur Postmoderne (Kapitel 2), sowie die daraus resultierenden Bedingungen und Aufgaben für die älteren Menschen (Kapitel 3). Die starke Orientierung an dem Subjekt und seinen Handlungs- und Deutungsmustern, wie auch die von Thiersch aufgezeigte Notwendigkeit, ein Leben lang in Rückbindung an die eigenen (biographischen) Ressourcen für das Leben zu lernen, stehen in enger Verbindung mit den in Kapitel 4 dargelegten Ausführungen. Ebenfalls in Bezug zu diesem Kapitel stehen die Aufgaben der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit, die Subjekte in ihrer „Arbeit an einer schwierigen Identität“ (Thiersch 2000: 533) zu unterstützen und sie darin über Lern- und Bildungsprozesse zu fördern.

 

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Kapitel 6.3.2). In Spannung zwischen Gesellschaft und Individuum geht es um eine gesellschaftspolitische Kontrolle und Gestaltung von gesellschaftlichen Beziehungen bei gleichzeitiger Förderung der Emanzipation der Individuen (vgl. Sünker 2005).

Mit Blick auf das Subjekt geht es „der Sozialpädagogik nicht länger um ‚Normalisierung’ .., sondern um die Initiierung und Beförderung von Bildungsprozessen“ (ebd. 230 f.), was auch stets den Lernprozess des Subjektes mit beinhaltet (vgl. Kapitel 4.2).

Das Lernen vollzieht sich nach Horst Siebert (1994) in einem engen Kontakt zur eigenen Lebenswelt, da die „Lebenswelt fast synonym mit ‚konstruierter Wirklichkeit’“ ist (ebd. 85) und daher für das Lernen, als „erfahrungsbasierter Prozess“ (vgl. Kapitel 4.2), die Grundlage bildet. Lernen ist demnach gleichbedeutend mit einem „identitäts- und lebensweltbezogenen Lernen“ (Siebert 1994: 87).

An dieser Stelle formuliert die lebensweltorientierte Handlungstheorie den Bildungsauftrag der Sozialen Arbeit: Ihre Aufgabe besteht nach Thiersch neben der Unterstützung und Hilfe bei Problemen auch in der Förderung der individuellen und subjektiven Lern- und Entwicklungspotentiale der Adressatinnen.

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Dieser Bildungsauftrag der Sozialen Arbeit korreliert mit der von Heiner Keupp dargestellten „gelingenden Identität“ (vgl. Kapitel 4.4.2). In beiden Ansätzen steht die Arbeit des Subjektes an sich selber und an seiner unmittelbaren Lebenswelt mit dem Ziel einer gelingenderen Lebensbewältigung im Vordergrund. Die Betonung liegt dabei deutlich auf dem „Respekt vor der Eigensinnigkeit von Lebenswelt“ (Grundwald/ Thiersch 2001: 1143) und auf der offenen und eigenverantwortlichen Entwicklung des Menschen, zu dem das Scheitern im Leben genauso gehört, wie der temporäre Zustand einer gelingenden Identität und Lebensbewältigung. Das Gelingen ist somit nicht als absolut, sondern als ein kontinuierlich durch das Subjekt herzustellender Zustand zu verstehen.

Es handelt sich somit um einen gelingenderen Prozess. Grundlegend dafür sind nach beiden Autoren sowohl die dem Subjekt immanenten Kompetenzen, als auch dessen Zugang zu Ressourcen. Der Einfluss von außen auf den Prozess der Identitätsentwicklung und der Lebensbewältigung besteht dabei in der Bereitstellung und Aufrechterhaltung eines geeigneten Rahmens, in dem ein subjektives „Lernen für Lebenskompetenzen (für die ‚Kunst des Lebens’ ..)“ (Thiersch 2000: 532) in reflexiver Leistung möglich wird: „(Sozial-) Pädagogische Orte können so Anregungs- und Aufforderungsstrukturen zur Veränderung schaffen, nicht aber die Veränderung selbst“ (Flüssenhäuser/ Thiersch 2005: 1888).

 

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Unterhalb einer eindeutigen Identität kann die soziale Altenarbeit jedoch „als jener Ausschnitt der Altenhilfe und Altenarbeit bezeichnet [werden; P.Z.], der durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit repräsentiert wird“ (Otto 2001: 11). Die Altenhilfe wiederum umfasst die Hilfen in abhängigen Lebenslagen, während die Aufgabe der Altenarbeit darin besteht, die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, wobei die Grenzen beider Bereiche fließend sind (Hoppe 2005: 54).

Die Arbeitsfelder der sozialen Altenarbeit lassen sich entlang des Grades der selbständigen Lebensführung älterer Menschen unterteilen und spiegeln damit auch das polarisierte Bild vom Alter(n) wider (vgl. Kapitel 3.2.2):
die offene Altenarbeit, der ambulante Bereich, der teilstationäre und der stationäre Bereich
(Schweppe 2002: 332 ff.).

Die soziale Altenarbeit nimmt in dem ambulanten, sowie dem
(teil-)stationären Bereich aufgrund des dominierenden medizinischen Paradigmas lediglich eine Randstellung ein und stellt beispielsweise in der stationären Altenhilfe nur 1-2% der Gesamtbelegschaft (ebd. 342). In der offenen Arbeit mit älteren Menschen hat die Soziale Arbeit dagegen einen festen Stand (Karl 2005: 445) und umfasst die Arbeit im Bildungs-, Kultur- und Sozialbereich (Schweppe 2002: 332).


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