Die politische Französische Revolution 1789 hatte eine
fortschreitende Differenzierung und Individualisierung der Gesellschaft zur
Folge. Parallel zu der zunehmenden Säkularisation wurde ein einheitliches und
durchgängiges Wertesystem geschaffen, welches auf „Solidarität, individ.
Freiheit, Rationalität, aktive Weltgestaltung u. Universalismus“ (ebd.)
basierte.
Die Entstehung der Moderne geht für
Zygmunt Bauman (1995: 10 f.) mit einem „Traum“ nach Ordnung in der Welt einher,
mit dem eine „entfesselte .. bisher unbekannte Angst“ gebändigt werden soll.
Diese Angst gründet sich auf dem Wissen, dass die menschliche Ordnung nicht
vorgegeben ist, sondern durch den Menschen selbst gestaltet werden muss.
Die
Menschen des Mittelalters hatten auf den Erlöser gewartet. Nun ist der Erlöser der
Mensch selbst, er nimmt sein Leben in die eigene Hand. Diese Freiheit, die
Zukunft selbst bestimmen zu können, geht jedoch mit der Aufgabe einher, diese
auch selbst verantworten zu müssen und ist demnach eng mit der Angst „vor dem
Chaos“ (ebd. 11) verbunden. Dieser Angst setzte der Mensch mit dem ausgehenden
Mittelalter die Radikalität und Universalität der Neuzeit in Form der ‚Mathesis
Universalis’ entgegen:
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Wissensgebiete –, sondern über die Methode – für alle
Wissensgebiete.“ (Welsch 1997: 70 ff.; kursiv im Original)
Die Neuzeit stellt somit einen Bruch mit
dem Denken der traditionellen Ständegesellschaft des Mittelalters dar. Fortan
werden durch den Zweifel an allem Bisherigen, ein Zweifel der schließlich zu
einer „zweifelsfreien Gewissheit führen soll“ (Küng 2004: 31), die Welt und der
Mensch zum Objekt menschlichen Handelns und es kommt zu einer „Entzauberung der
Welt“ (Bauman 1995: 9). Der Glaube an die Wissenschaft und den Fortschritt und
die daraus resultierende Emanzipation des Menschen verdichten sich im
Idealismus zu einer Zielgerichtetheit menschlichen Werdens und somit der
gesamten Menschheitsgeschichte. Für Hegel ist das Denken des Menschen in
(dialektischer) Bewegung, welches über verschiedene Stufen hin zu einem
absoluten Wissen strebt (Vogt 2003: 205 ff.). Der Mensch zielt durch seine Vernunft
über einen teleologischen Weg, also in einer ziel- und zweckbestimmten Ordnung,
auf ‚Vollkommenheit’. Dieser lineare Fortschrittsglaube beinhaltet eine „Unumkehrbarkeitsprämisse“
(Beck 1993: 95, kursiv im Original), die sich auch in dem Begriff der
„Modernisierung“ wieder findet (vgl.
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gemeinsames Glaubensbekenntnis: es gibt nur einen richtigen Weg und ein
wahrhaftiges Ziel: die durch den Menschen geplante Ordnung.
In den heutigen Gesellschaftsmodellen
wird ein Ende dieses neuzeitlich-modernen Denkens diagnostiziert. Es gelten nicht
länger die propagierten „Einheitsprogramme“ (ebd. 36) mit ihrer Intoleranz
gegenüber dem Anderen (Bauman 1995: 14) und es schüren auch nicht weiter die
„Fesseln der Rationalität“ (Giddens 1995: 172), denn es kommt zu einer
„Wiederkehr der Ungewißheit“ (Beck 1993: 45) und somit zu einer Auflösung der
umfassenden Ordnung (Baumann 1995: 224). An diesem Punkt schließen sich eine
Reihe von Fragen an, deren Beantwortung es zu einem genaueren Verständnis
dieser Entwicklung bedarf: Wie lässt sich dieser scheinbare Bruch in der
Entwicklung erklären? Was macht die Verfasstheit dieser ‚neuen’ Entwicklung aus
bzw. welche wesentlichen Merkmale charakterisieren diese Entwicklung? Welche
Begriffe stehen für diesen Entwicklungsprozess zur Verfügung und wie kann der
Begriff der „Postmoderne“ dort verortet werden?
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nicht mehr nur die vorgegebene Welt, sondern sie macht sich selbst zum Thema,
sie wird reflexiv. Den Anlass dieser Entwicklung sieht Welsch (1997) darin,
dass mit der Radikalisierung der Moderne auch eine radikale Pluralität
einhergeht, die bis in das Zentrum des aufgeklärten Denkens vorgedrungen ist.
Pluralität und Partikularität brechen durch die Hintertür in den „Kern
wissenschaftlichen Bewusstseins“ ein und es kommt zu einer „Mutation im Kern
der Neuzeit“ (ebd. 78).
Spätestens über die ‚Relativitätstheorie’
von Albert Einstein, sowie über den ‚Unvollständigkeitssatz’ von Kurt Gödel
wird das auf Universalität und Totalität ausgerichtete Denken aus der
wissenschaftlichen Rationalität ausgeschieden. Diese „Grundsatzrevision“
(ebd. 78; kursiv im Original) in der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung
bedeutet folglich das endgültige Ende der drei großen Meta-Erzählungen der
Neuzeit, auf die der Anspruch der einen und universellen Wahrheit beruht.
Welsch bezieht sich an diesem Punkt auf den Philosophen Jean-Francois Lyotard
(vgl. 1990), dessen zentrale These das Ende der drei großen Meta-Erzählungen
ist, welche die neuzeitliche Moderne hervorbrachte: die Emanzipation des
vernünftigen Subjektes (in der Aufklärung), die Dialektik des Geistes hin zum
Absoluten (im Idealismus) und die Hermeneutik des Sinns (im Historismus).
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feststellen, dass die in der Neuzeit entstandenen und in der Moderne
weiterentwickelten Einheitstendenzen sich in der Auflösung befinden. Das
Zweifeln und Fragen ist jedoch geblieben und wendet sich nun an das Diktat der
Universalität und dadurch schließlich an die Wurzeln der neuzeitlich geprägten
Moderne. Für Ulrich Beck dagegen hat die Reflexivität der Moderne ihren
Ursprung nicht primär in einem Niedergang der Meta-Erzählungen aufgrund einer
zunehmenden Pluralität und Partikularität. Den Ausgangspunkt bilden vielmehr
die Folgen der Moderne, welche durch die Moderne – genauer: durch die
Industriegesellschaft – selbst erzeugt werden, diese aber zu beheben sie nicht
imstande ist (Beck 1993: 37). Eine reflexive Moderne bedeutet also in erster
Linie eine Selbstkonfrontation (Reflexivität) mit den Modernisierungsfolgen,
durch die es zu einem „reflexartigen Übergang von der Industrie- zur
Risikogesellschaft“ (ebd.; kursiv im Original) bzw. von der „einfachen,
industriellen“ zu einer „reflexiven Moderne“ (ebd. 12; kursiv im
Original) kommt. Erst in einem zweiten Schritt kann es zu einer Reflexion der
Moderne im Sinne einer „öffentlichen, politischen und wissenschaftlichen ...
Reflexion“ (ebd.) kommen, die schließlich ihre eigenen Grundlagen kritisch
hinterfragt. Die Aufhebung dieser Grundlagen beginnt allerdings schon bereits
auf der Ebene der Selbstkonfrontation, indem die Normensysteme der Moderne ihre
"Rationalitäts- und Kontrollversprechen" (ebd. 43) uneingelöst
lassen, da sie die Modernisierungsfolgen nicht (angemessen) kontrollieren können.
An dieser Stelle setzt die Risikogesellschaft an, denn sie beginnt dort,
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