Der Einfluss auf das Gelingen von Identität der "jungen Alten" durch deren freiwillige
Arbeit mit alten und hochbetagten Menschen. Vorschlag zur sozialpädagogischen Begleitung von
biographischen Lernprozessen
2
Die Postmoderne: Das Ende der Eindeutigkeit
2.1
Annäherung an ein Konstrukt
Sich dem Begriff der ‚Postmoderne’ zu
nähern, bedeutet, ein unwegsames Terrain zu betreten, dessen Wege zahlreich
sind, in meist unscharfen Konturen verlaufen und nicht selten in gegensätzliche
Richtungen zeigen. Eine Reihe an weiteren Bezeichnungen wie etwa „(reflexive)
Moderne“, „postindustrielle Gesellschaft“, „Risikogesellschaft“ u.a. schließen
sich dem Begriff ‚Postmoderne’ an und hinterlassen dabei ein unübersichtliches
Gemenge.
Der Ausspruch von Wolfgang Welsch (1997: 319), „man muss nicht auf den
Ausdruck, sondern auf die Sache achten“, erscheint da wie ein erster
Anhaltspunkt, der Orientierung zu schaffen versucht. Blickt man jedoch
unterhalb der Schlagworte auf deren Inhalte, so zeigt sich ein Bild, das
ebenfalls aus unterschiedlichsten Teilen und Grundierungen besteht und das ein
Begreifen dieses Gegenstandes als eine große Herausforderung darstellt.
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Das gemeinsame Merkmal der genannten
Bezeichnungen ist die Entwicklung der Gesellschaft als der ihr zugrunde
liegende Interessensgegenstand. Die einzelnen Begriffe verweisen auf den
sozialen Wandel
in unserer Gesellschaft.
Ohne jedoch Ausdruck einer empirisch begründeten
Theorie zu sein, sind sie folglich als Gesellschaftsmodelle zu bezeichnen (Immerfall
2001: 259). Gesellschaftsmodelle sind Konstruktionen, die empirisch nicht
widerlegbar sind und in erster Linie das Ziel haben, über die Ergebnisse der
empirischen Sozialforschung hinaus gesellschaftliche Entwicklungen zu deuten
und zu prognostizieren. Sie leisten dabei einen wichtigen Beitrag zu den
Diskussionen um die Zukunft der Gesellschaft und tragen somit wesentlich zu
deren Gestaltung bei. Die Postmoderne ist demnach ein ‚diskursiv konstruiertes
Phänomen’, das in erster Linie durch die Architektur, Literaturwissenschaft,
Malerei und später auch durch die Philosophie und Soziologie erschaffen worden
ist (vgl. Hillmann 1994: 683). Die Annäherung an die Postmoderne durch die
unterschiedlichen Disziplinen mit ihren jeweiligen Zugängen machen die
Postmoderne zu einer unscharfen, mehrdeutigen und zum Teil widersprüchlichen
Begrifflichkeit (ebd.) mit wechselnder Bedeutung (Fuchs-Heinritz u.a. 1995:
507). Schließlich hängt „die Interpretation des Phänomens .. von unterschiedlichen
Orientierungsstandorten, Überzeugungen u. Reflexionsergebnissen ab“ (Hillmann,
1994: 683).
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Differenzen in der Ausgestaltung der Gesellschaftsmodelle und ihren jeweiligen
unterschiedlichen begrifflichen Verwendungen zum Trotz sehen alle vier Autoren
die aktuellen sozialen Entwicklungen als ein Symptom eines Wandlungsprozesses,
der primär die westlichen Gesellschaften tangiert und schließlich auf die ganze
Weltgesellschaft übergreift (vgl. Zema 1997: 1 f.). Dieser Wandel steht dabei
in unmittelbarem Zusammenhang mit der Epoche der Moderne, aus der heraus sich
die sozialen und kulturellen Entwicklungen, „Verschiebungen, Verwerfungen und
Brüche“ (ebd. 18) ergeben. Der Grund für diesen Wandel wird übereinstimmend in
einer Radikalisierung der Moderne bzw. ihrer Folgen gesehen. Die Frage, ob es
sich dabei um einen Bruch mit der Moderne oder sogar um eine neue Epoche
handelt, sich die Moderne in einer Krise befindet oder der Wandel lediglich
eine radikalere Fortführung der Moderne mit neuen Mitteln darstellt, wird von
den genannten vier Autoren unterschiedlich beantwortet. Eine zeitliche
Fixierung sowie Differenzierung dieser radikaleren Moderne ist bisher ebenfalls
nicht einheitlich bestimmt worden. Peter Zema (1997: 5 ff.) weist darauf hin,
dass es sich weder bei der Moderne, noch bei der Postmoderne um eine rein
chronologische Epoche oder um ein Wertesystem in Form einer Großideologie
handelt.
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Die Postmoderne ist daher mehr ein
Phänomen, welches verschiedene kulturelle und geschichtliche Strömungen in sich
vereint und dabei über die heutige Zeit hinausweist. Der früheste Beginn der
postmodernen Zeit wird als die Zeit nach dem 2. Weltkrieg angegeben (Welsch
1997: 26). Wie bereits erwähnt, kann die Postmoderne (bzw. die radikale Moderne)
nicht ohne die Moderne gedacht werden. In ihr ist das Fundament gelegt, das
heute in einer radikaleren und weitreichenderen Ausprägung in Erscheinung
tritt. Wenn Giddens (1995) die Bedeutung der Postmoderne darin sieht, dass
„nichts mehr mit Sicherheit gewußt werden kann, .. daß es in der Geschichte
keine Teleologie gibt .., daß in sozialer wie politischer Hinsicht neue Dinge
auf der Tagesordnung stehen“ (ebd. 64), dann weist dies klar auf Entwicklungen
hin, die in der Zeit der Moderne ihren Ursprung haben.
Die Moderne bildet somit die
Voraussetzung für ein Verständnis der Postmoderne, so dass in dem vorliegenden
Kapitel in einem ersten Schritt auf die geschichtliche Entwicklung hin zur
Moderne und deren neuzeitlichen Prinzipien eingegangen wird. Daran anschließend
wird anhand von vier zentralen Autoren, welche die Diskussion um die derzeitige
gesellschaftliche Entwicklung grundlegend mit beeinflussen, der Grund für die
Absage an diese neuzeitlich-modernen Prinzipien in den Blick genommen.
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Darstellungen die Frage beantwortet, warum die narrativ verfassten
Überlieferungen der älteren Mitglieder einer Gesellschaft sich immer weniger
als einheitliche und übergreifende Koordinaten zur Orientierung für das Leben
der nachkommenden Generationen eignen.
2.2
Die Postmoderne als radikale Moderne
2.2.1
Die Absage an die Prinzipien der neuzeitlichen Moderne
Die Postmoderne begreifbar machen heißt
zunächst, die Moderne zu verstehen. Als ein Ausgangspunkt der Moderne kann die
Zeit der Aufklärung (18. Jahrhundert) gesehen werden. Der Philosoph Immanuel
Kant beantwortete am Ende der Aufklärung die Frage „Was ist Aufklärung?“ mit
den Worten: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten
Unmündigkeit .. Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen!“ (Kant 1784 zitiert
in Vogt 2003: 180). Die Aufklärung formuliert die mit dem ausgehenden
Mittelalter begonnene Suche nach Wahrheit und Gewissheit mit der Forderung: Den
Menschen über seine Fähigkeit aufzuklären, über seine Existenz selbst denken
und damit die Welt nach seinen Vorstellungen gestalten zu können.
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