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Der Cappenberger Barbarossakopf - Das Herrscherbild im Mittelalter .doc

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Arts & Design
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Art / Design / History of Art
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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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2010
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1.     Geschichte und Zweck der Porträtbüste

2.     Allgemeine Beschreibung

3.     Detaillierte Beschreibung bzw. Einflüsse und Vorbilder

1.

In der Stiftskirche zu Cappenberg befindet sich seit dem 12.Jhd ein ehrwürdiges Kleinod in Form einer Porträtbüste aus vergoldeter Bronze. Diese kleine Skulptur gehört zu mehreren Geschenken, die Friedrich I Barbarossa seinem Taufpaten und weitschichtig mit den Staufern verwandten, Otto von Cappenberg[1] machte.

Zusammen mit seinem Bruder Graf Gottfried ist Otto von Cappenberg für die Einführung des Prämonstratenser[2] Ordens in Westfalen verantwortlich.

Schloß Cappenberg wurde in ein Stift umgewandelt und die kaiserlichen Geschenke wurden der Kirche gewidmet.

Zu diesen Geschenken gehörte auch eine Art Taufschale, als welche die heute in Berlin befindliche Cappenberger Schale anzusehen ist. Druckstellen auf der Schale lassen vermuten, dass der Untersatz samt Kopf einmal auf dieser Schale geruht haben muß.

Die zweizeilige Inschrift, die sich rund um die Taufdarstellung befindet, erklärt dass es sich um ein Geschenk Friedrichs an Otto handelt, welches dieser dann Gott geweiht habe und weist auf die reinigende und stärkende Kraft der Taufe hin.

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Die Büste wird jedoch nicht nur mit der Taufschale sondern auch mit einem Reliquienkreuz in Verbindung gebracht.

Das Kreuz gelangte in den Besitz der Cappenberger als Friedrich II von Schwaben, der Vater Barbarossas und weitläufiger Verwandter der Cappenberger, es gegen Burgen in Süddeutschland eintauschte. In diesem Kreuz befanden sich kleine Tuchstücke mit dem Blut Christi, Partikel vom Kreuz und Rock des Herrn, Haare Marias, Blumen aus ihrer Hand, dann Kopf- und Barthaare des Evangelisten Johannes, Tuchstücke mit dem Blut des Täufers sowie Reliquien des hl.Augustinus und der hl.Katharina.

Friedrich II soll später den Tausch schwer bereut haben, da seine Unternehmungen seit Weggabe des Kreuzes nicht mehr den gewünschten Erfolg brachten. Genau dieses Kreuz ermöglichte es Otto das Porträt des Kaisers als Johannesreliquiar zu bezeichnen.

Laut Herbert Grundmann ist es kaum möglich gewesen, dem Kopf wegen des Knotens der Halsbinde das Kreuz umzuhängen.

So hat Otto Haare des Johannes im Kopf unterbrachte. Die Weihe des Kopfes an den Heiligen wird ebenfalls durch eine Inschrift ausgesprochen, die Otto an den beiden Bändern des Porträtkopfes und den oberen Zinnenkranz des Sockels anbringen ließ.

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Vorgesehen war der Verwendungszweck der Büste als Johannesreliquiar seitens Barbarossas wohl kaum. Ob er das Haupt als Gnadenerweis und zweckfreies Geschenk an seinen Taufpaten gab oder ob es doch als Stifterbildnis für das Reliquienkreuz nach Cappenberg geschickt wurde, lässt sich heute nicht mehr eindeutig sagen.

Nach dem Tode Ottos 1171 wurden die Reliquien wieder vom Kopf getrennt und in einer Staurothek[3] untergebracht.

In dieser neuen Fassung hat das Reliquienkreuz lange überlebt, fiel jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit der Säkularisierung zum Opfer.

Die Büste selbst blieb, wenn auch leicht beschädigt, bis heute erhalten. Diese Skulptur, die das Antlitz einer lebenden Persönlichkeit festhielt, stellt eine Einmaligkeit in der Kunst des Mittelalters dar.

2.

Den Grundbau bildet ein achteckiger, an vier Ecken von Drachen artigen Körpern getragener Zinnenkranz mit vier abwechselnd runden und quadratischen Türmen.

Die Mauerzüge dazwischen sind mit 24 Zinnen bestückt. Im Innenraum steht auf einer profilierten Basis ein kleiner nach allen Seiten geöffneter ziboriumartiger[4] Bau, der auch die Platte des Zinnenreifs trägt.

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Nur der jeweils vordere Fuß ist vollständig auf den Boden gesetzt, während der hintere nur mit den Zehen den Boden berührt. Türme und Engel besetzen so abwechselnd die Ecken des Achtecks.

Die Engel stehen dabei, wohl absichtlich, direkt über dem darunter liegenden Drachen. Mit erhobenen Händen tragen sie einen nach außen geneigten Zinnenreif mit 16 Zinnen.

In diesem Reif steht das grazil ausgearbeitete Haupt des Kaisers, das von den weit geöffneten Augen beherrscht wird.

Zwei Linienbögen zwischen den Augenbrauen und den oberen Augenlidern verstärken den Eindruck des eindringlichen und streng geradeaus gerichteten Blickes.

Die Augen bestehen aus Silbereinlagen, in die die Iris nielliert[5] war und Edelsteine die Pupillen bildeten.

Diese wurden jedoch im 19.Jhd durch Emaille ersetzt. Die Nase ist fein und relativ lebensnah geformt und steigt am Ende des Nasenbeines leicht an. Der Mund ist geschlossen. Über den gewölbten Lippen liegt ein nahezu waagrecht nach außen stehender Oberlippenbart.

Nach unten schließt zum Kinn ein knapper Bartwuchs an. Ein kurzer Bart säumt das Gesicht bis zur Schläfe. Auch hier sind die Haare abschnittweise zu Locken gedreht.

Sehr naturalistisch wiedergegeben sind die Ohrmuscheln, von denen die rechte etwas dichter am Kopf anliegt.

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Der Hinterkopf zeigt zu beiden Seiten der Schleife je vier Locken.

Die Haarkappe über den reifenförmigen Fläche ist von einer Vielzahl geflochten wirkender Buckellocken bedeckt. Nur die unterste Reihe der Haarbüschel ist am Ende zu kleinen Löckchen gedreht, vielleicht um den Anschein zu erwecken, dass die Haare durch das Anstoßen auf den in der reifenförmigen Fläche ruhenden Gegenstand zurückgestaut werden.

Die reifenförmige Stelle am Kopf markiert eine Fehlstelle.

Das Haupt des Kaisers könnte hier nach Art der antiken Imperatoren mit einer Herrscherbinde oder einem Kranz bekrönt gewesen sein, der im Zuge der Säkularisierung verloren ging.

Der kegelstumpfförmige Hals wird durch zwei glatte beschriftete Bänder gegliedert, deren oberes durch eine Schleife geschürzt wird, die auf das untere Band herabhängt.

Da der Kopf durchgehend vergoldet ist, ist nicht zu bestimmen, ob das obere, mit einer Schleife unter dem Kinn geschlossene Band einen unabhängigen Gegenstand meint. Wahrscheinlich zeigt diese Band die Borte von Barbarossas Tunica.

Das untere Band könnte die Borte des schwereren, tiefer liegenden Mantels zeigen, dessen Schließe durch die Schleife verdeckt wird.

Jedes der beiden Bänder bzw. Borten trägt eine Inschrift, die links neben der Schleife mit einem Kreuzeszeichen beginnen.


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