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1.
Geschichte und
Zweck der Porträtbüste
2.
Allgemeine
Beschreibung
3.
Detaillierte
Beschreibung bzw. Einflüsse und Vorbilder
1.
In der Stiftskirche zu Cappenberg befindet sich seit
dem 12.Jhd ein ehrwürdiges Kleinod in Form einer Porträtbüste aus vergoldeter Bronze.
Diese kleine Skulptur gehört zu mehreren Geschenken, die Friedrich I Barbarossa
seinem Taufpaten und weitschichtig mit den Staufern verwandten, Otto von
Cappenberg
machte.
Zusammen mit seinem Bruder Graf Gottfried ist Otto von
Cappenberg für die Einführung des Prämonstratenser Ordens in Westfalen
verantwortlich. Schloß Cappenberg wurde in ein Stift umgewandelt und die
kaiserlichen Geschenke wurden der Kirche gewidmet.
Zu diesen Geschenken gehörte auch eine Art Taufschale,
als welche die heute in Berlin befindliche Cappenberger Schale anzusehen ist.
Druckstellen auf der Schale lassen vermuten, dass der Untersatz samt Kopf
einmal auf dieser Schale geruht haben muß.
Die zweizeilige Inschrift, die sich rund um die
Taufdarstellung befindet, erklärt dass es sich um ein Geschenk Friedrichs an
Otto handelt, welches dieser dann Gott geweiht habe und weist auf die
reinigende und stärkende Kraft der Taufe hin.
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Die Büste wird jedoch nicht
nur mit der Taufschale sondern auch mit einem Reliquienkreuz in Verbindung
gebracht.
Das Kreuz gelangte in den Besitz der Cappenberger als
Friedrich II von Schwaben, der Vater Barbarossas und weitläufiger Verwandter
der Cappenberger, es gegen Burgen in Süddeutschland eintauschte. In diesem
Kreuz befanden sich kleine Tuchstücke mit dem Blut Christi, Partikel vom Kreuz
und Rock des Herrn, Haare Marias, Blumen aus ihrer Hand, dann Kopf- und
Barthaare des Evangelisten Johannes, Tuchstücke mit dem Blut des Täufers sowie Reliquien
des hl.Augustinus und der hl.Katharina.
Friedrich II soll später den Tausch schwer bereut
haben, da seine Unternehmungen seit Weggabe des Kreuzes nicht mehr den
gewünschten Erfolg brachten. Genau dieses Kreuz ermöglichte es Otto das Porträt
des Kaisers als Johannesreliquiar zu bezeichnen.
Laut Herbert Grundmann ist es kaum möglich gewesen,
dem Kopf wegen des Knotens der Halsbinde das Kreuz umzuhängen.
So hat Otto Haare des Johannes im Kopf unterbrachte. Die
Weihe des Kopfes an den Heiligen wird ebenfalls durch eine Inschrift
ausgesprochen, die Otto an den beiden Bändern des Porträtkopfes und den oberen
Zinnenkranz des Sockels anbringen ließ.
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Vorgesehen war der
Verwendungszweck der Büste als Johannesreliquiar seitens Barbarossas wohl kaum.
Ob er das Haupt als Gnadenerweis und zweckfreies Geschenk an seinen Taufpaten
gab oder ob es doch als Stifterbildnis für das Reliquienkreuz nach Cappenberg
geschickt wurde, lässt sich heute nicht mehr eindeutig sagen.
Nach dem Tode Ottos 1171
wurden die Reliquien wieder vom Kopf getrennt und in einer Staurothek untergebracht.
In dieser neuen Fassung hat das Reliquienkreuz lange
überlebt, fiel jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit der Säkularisierung zum
Opfer.
Die Büste selbst blieb, wenn auch leicht beschädigt,
bis heute erhalten. Diese Skulptur, die das Antlitz einer lebenden
Persönlichkeit festhielt, stellt eine Einmaligkeit in der Kunst des
Mittelalters dar.
2.
Den Grundbau bildet ein achteckiger, an vier Ecken von
Drachen artigen Körpern getragener Zinnenkranz mit vier abwechselnd runden und
quadratischen Türmen.
Die Mauerzüge dazwischen sind mit 24 Zinnen bestückt.
Im Innenraum steht auf einer profilierten Basis ein kleiner nach allen Seiten
geöffneter ziboriumartiger
Bau, der auch die Platte des Zinnenreifs trägt.
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Boden gesetzt, während der hintere nur mit den Zehen den Boden berührt. Türme
und Engel besetzen so abwechselnd die Ecken des Achtecks.
Die Engel stehen dabei, wohl absichtlich, direkt über
dem darunter liegenden Drachen. Mit erhobenen Händen tragen sie einen nach
außen geneigten Zinnenreif mit 16 Zinnen.
In diesem Reif steht das
grazil ausgearbeitete Haupt des Kaisers, das von den weit geöffneten Augen
beherrscht wird.
Zwei Linienbögen zwischen den
Augenbrauen und den oberen Augenlidern verstärken den Eindruck des
eindringlichen und streng geradeaus gerichteten Blickes.
Die Augen bestehen aus Silbereinlagen, in die die Iris
nielliert
war und Edelsteine die Pupillen bildeten. Diese wurden jedoch im 19.Jhd durch
Emaille ersetzt. Die Nase ist fein und relativ lebensnah geformt und steigt am
Ende des Nasenbeines leicht an. Der Mund ist geschlossen. Über den gewölbten
Lippen liegt ein nahezu waagrecht nach außen stehender Oberlippenbart.
Nach unten schließt zum Kinn ein knapper Bartwuchs an.
Ein kurzer Bart säumt das Gesicht bis zur Schläfe. Auch hier sind die Haare
abschnittweise zu Locken gedreht.
Sehr naturalistisch wiedergegeben sind die
Ohrmuscheln, von denen die rechte etwas dichter am Kopf anliegt.
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Der Hinterkopf zeigt zu beiden Seiten der Schleife je
vier Locken.
Die Haarkappe über den reifenförmigen Fläche ist von
einer Vielzahl geflochten wirkender Buckellocken bedeckt. Nur die unterste
Reihe der Haarbüschel ist am Ende zu kleinen Löckchen gedreht, vielleicht um den
Anschein zu erwecken, dass die Haare durch das Anstoßen auf den in der
reifenförmigen Fläche ruhenden Gegenstand zurückgestaut werden. Die
reifenförmige Stelle am Kopf markiert eine Fehlstelle.
Das Haupt des Kaisers könnte
hier nach Art der antiken Imperatoren mit einer Herrscherbinde oder einem Kranz
bekrönt gewesen sein, der im Zuge der Säkularisierung verloren ging.
Der kegelstumpfförmige Hals
wird durch zwei glatte beschriftete Bänder gegliedert, deren oberes durch eine
Schleife geschürzt wird, die auf das untere Band herabhängt.
Da der Kopf durchgehend vergoldet ist, ist nicht zu
bestimmen, ob das obere, mit einer Schleife unter dem Kinn geschlossene Band
einen unabhängigen Gegenstand meint. Wahrscheinlich zeigt diese Band die Borte
von Barbarossas Tunica.
Das untere Band könnte die Borte des schwereren,
tiefer liegenden Mantels zeigen, dessen Schließe durch die Schleife verdeckt
wird.
Jedes der beiden Bänder bzw. Borten trägt eine
Inschrift, die links neben der Schleife mit einem Kreuzeszeichen beginnen.
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